Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

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Suse
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Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Suse »

Heute ist ein guter Tag, um mal den Reisebericht einzuleiten, denn gestern las ich gerade, daß die Hurricane-Saison 2026 jetzt begonnen habe. Und das beförderte mich schlagartig zurück an den Moment vor ungefähr einem Jahr, als wir die Reise, die jetzt hinter uns liegt, gerade gebucht hatten und das große Zittern während der Hurricane-Saison 2025 begann. Denn wir hatten mehr als nur eine Aktivität vor, die durch einen Hurricane komplett und vielleicht endgültig hätte scheitern können.

Jeder Tropensturm, der sich der südöstlichen Seite Floridas näherte, wurde von mir sorgenvoll beobachtet, und jedesmal die Erleichterung, wenn „unsere“ Orte verschont geblieben waren. Und je näher wir dem Abreisezeitpunkt kamen, die Vorfreude, daß die vielen Pläne sich vielleicht wirklich alle würden realisieren lassen.

Am Ende hat dann tatsächlich das meiste so geklappt, wie wir es uns gewünscht hatten, manches sogar viel schöner als erwartet, aber einiges ist auch schief gelaufen, manche Momente waren sogar mehr als unschön und beängstigend, aber am Ende sollte einiges wohl auch so laufen und war schlußendlich sogar zu unserem Vorteil. Insgesamt war es ein wilder Ritt, fünf Wochen, davon vier in Florida, unterbrochen durch eine Woche Bahamas. Und das alles auch noch ohne Challenger!

Jetzt sortieren wir mal passende Fotos heraus und dann geht’s bald los. Wer uns begleiten mag, es gibt diesmal nicht nur Quellen und Alligatoren zu sehen, und wenn, dann anders als gewohnt. Wir haben einiges erlebt, das wir so oder überhaupt noch nicht gesehen hatten.
Florida ist halt einfach unerschöpflich.

https://www.youtube.com/watch?v=juFeK2w ... rt_radio=1
Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
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Suse
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Suse »

Wir starten diesmal mitten in der Woche. Das habe ich eigentlich nicht so gern, direkt von der Arbeit ins Flugzeug, aber da unser Zubringer nach Frankfurt schon morgens vor Sieben startet, entschließen wir uns einfach, die Nacht durchzumachen.

Den Bürostreß, den man ja logischerweise hat, wenn man fünf Wochen Urlaub antritt, kann ich dann ganz gut hinter mir lassen. Wir muckeln jeder für sich in der Wohnung herum, am Ende habe ich sogar Zeit, noch zwei Stunden ein paar Serienfolgen zu gucken, bevor es losgeht.

Am BER ist eigentlich um diese Uhrzeit noch nicht viel los, aber die Selbst-Eincheckautomaten sind defekt und so stehen dann doch alle in einer endlosen Schlange an den Schaltern, die natürlich total unterbesetzt sind, und es zieht sich.

Wir fliegen Lufthansa und unser Abflugtag liegt in einer Lücke, in der gerade mal weder Piloten noch Kabinenpersonal streiken, wir Glückspilze! Der Flug nach Frankfurt ist schnell vorbei und das großzügige Zeitfenster zwischen Zubringer und Langstrecke macht das Umsteigen entspannt.

Als wir an unserem Gate ankommen, ist der Mister beeindruckt. Eine Boeing 747-8, das längste Passagierflugzeug der Welt, wartet auf uns. Der Riesenvogel ist tatsächlich ausgebucht, von Touristenmangel in Florida ist zumindest hier und heute nichts zu merken.

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Wir haben den Mittel- und Gangplatz in einer Dreierreihe, aber der Trick geht nicht auf, ausgebucht ist ausgebucht, und natürlich erscheint dann noch jemand für den Fensterplatz. Ein netter junger Mann, der uns die Hälfte seines Essens abtritt. Lufthansa kann mit Air France natürlich lange nicht mithalten was den Mampf anbetrifft, aber den Nachtisch und den Käse nehmen wir dankend an. Dazu Rotwein, also zumindest ich bin zufrieden. :wink:

Die Filmauswahl ist umfangreich, ich gucke Eden, die Verfilmung des bis heute nicht völlig aufgeklärten Mordfalles um die Deutschen Auswandererfamilien Ritter und Wittmer auf den Galapagosinseln in den 30er Jahren. Die Geschichte ist mir ganz gut bekannt und ich war sowieso sehr gespannt auf den Film. Daniel Brühl mag ich auch und die Verfilmung gefällt mir. Es ist fesselnd, trotz der zwei Stunden Länge, und es vertreibt die Müdigkeit.

https://www.youtube.com/watch?v=Te5KROi7SWk

Wie immer, wenn man tagsüber mit der Zeit fliegt, scheint der Tag sich endlos auszudehnen. Aber irgendwann ist es geschafft, wir fliegen zwischen Florida und Grand Bahama die Küste entlang und biegen dort scharf rechts ab nach Miami.

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Daß wir nicht gleich auf die Bahamas fliegen, sondern erst daran vorbei und später wieder zurück, hat seine Gründe in den Preisen von British Airways, die für einen Direktflug nach Nassau solche aberwitzigen Summen für einen normalen Ecoplatz haben wollten, daß wir dankend verzichteten und lieber den Umweg in Kauf nahmen und daraus dann auch gleich einen richtigen Aufenthalt machen wollten.

Drei Tage Miami als Einstieg, zum Akklimatisieren und auch um mal etwas Neues auszuprobieren. Die Unterkunft für die ersten drei Tage hat der Mister ausgesucht. Mal nicht, wie sonst immer, Miami Beach, sondern Miami direkt, historisches Viertel, historisches Hotel. Wir sind sehr gespannt.

Neu ist daher für uns auch, daß wir diesmal nicht zum Car Rental Center müssen. Gehen Sie nicht am bunten Fenster vorbei zum Mover, ziehen sie keinen Mietwagen ein, sondern rücken Sie direkt zum Taxistand vor. Dauert ein bißchen, bis wir uns orientiert haben.

Draußen steht ein Dispatcher, der uns ein Taxi zuweist, die Fahrt dauert gut 20 Minuten. Irgendwo kurz vor Downtown verlassen wir die Autobahn und gelangen in ein Viertel mit kleinen Einfamilienhäusern zwischen dem Miami River, von dem unser Hotel seinen Namen hat, und der Interstate 95, die das Wohngebiet von den Hochhäusern in Brickell trennt. Im Vorbeifahren passieren wir die Anlagen der Reiterstaffel von Miami, leider zu schnell, um ein Foto zu machen. Ich wußte gar nicht, daß Miami überhaupt berittene Polizei hat.

Und dann sind wir angekommen im Miami River Inn.

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Es ist heiß, der Himmel strahlend blau, und die weißen Art Déco-Gebäude, die das Hotel zur Straße hin begrenzen, sehen sehr ansprechend aus.

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Check in ist schnell erledigt, und dann geht es hinein in die Anlage des Miami River Inn. Das erste, das man wahrnimmt, sind die Gerüche. Zwischen den Gebäuden ist die Bepflanzung so üppig, daß man sich in einem tropischen Garten glaubt. Die in unterschiedlichen Pastelltönen gestrichenen Holzhäuser sehen aus, als wären sie ursprünglich historische Einfamilienhäuser, aber tatsächlich ist dies der originale Teil des 1908 gegründeten Hotels und die Art Déco-Anlage im Eingangsbereich ist vermutlich erst später hinzugefügt worden.

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Alles sieht sehr gepflegt aus, was bei den Holzgebäuden in dem subtropischen Klima sicher recht aufwendig ist. Hinter den Fenster und Terrassentüren zur jeweiligen Fassadenfarbe passende Jalousien, auf den Veranden Rattanmöbel, herrlich.

Die Häuser sind unterschiedlich groß, vor allem das Gelbe ist eine regelrechte Villa.

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Unser Haus ist das grüne, hier haben wir ein großes Zimmer im ersten Stock, die Treppe ist gottseidank nicht hoch. Auch drinnen alles so gestaltet, als wären die Häuser privat bewohnt, keine nüchterne Zweckmäßigkeit. Kleine Beistelltischchen, historischer Nippes, alte Nähmaschinen, Regale voller Bücher, Gemälde.

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Im Zimmer die nächste angenehme Überraschung: Die Klimaanlage läßt sich abschalten und die Fenster lassen sich öffnen. Und wenn man eines der Bücher dazwischenklemmt, bleiben sie auch auf. Vor dem Fenster wedeln die Bananenblätter und leise Musik dringt aus dem Restaurant herein. Wir finden es toll.

Das einzig Negative ist, daß es abgesehen von den überteuerten Snacks an der Rezeption weit und breit keinen Convenience Store zu geben scheint. Aber Google hilft, den nächstgelegenen Publix zu finden. Wer muß gehen? Das Los fällt auf mich.

Bevor mich die Müdigkeit also endgültig in die Horizontale zwingt, marschiere ich los, immer parallel zur 95, die hoch über mir verläuft. Darunter eine kleine Parkanlage zwischen gepflegten kleinen Bungalows. Eltern mit Kindern streben dem Spielplatz zu, Leute treiben Sport oder werkeln in ihren Gärten. Ein Idyll ist das hier.

Das Miami River Inn liegt in der 2nd Street und die Blocks sind nur kurz. An der 6th einmal links abgebogen und unter der 95 drunter durch, dahinter ist dann schon der Publix, von weitem gut zu erkennen. Auch die Unterführung unter der 95 ist nicht gruselig, keine Gestalten, keine Obdachlosenstadt.

Also, falls sich jemand immer schon mal gefragt haben sollte, wie es wohl gerade unter einem ausschaut, wenn man über die Hochstraße nach Downtown fährt:

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Drei Jahre waren wir nicht mehr in Florida. Vor der Reise kam es mir lange vor, jetzt, wo wir wieder hier sind, ist es sehr vertraut, die Gerüche, die Luft, die Wärme, die Geräusche. Daß sich doch etwas verändert hat, merke ich, als ich mit meinen paar Getränken und Snacks an der Kasse stehe. 60 Dollar, in Worten: Sechzig, will man von mir für die paar Sachen. Okeeh, das ist gewöhnungsbedürftig.

Zurück in der 2nd Street kommen mir Leute entgegen, die optisch stark an Berliner Love Parade-Teilnehmer erinnern, und auf der Tanzfläche neben dem Restaurant drehen sich ein paar Leute so verzückt herum, daß man unterstellen darf, daß sie das sind, was man so under influence nennt. Angesichts des geschätzten Alters, das nah an unserem eigenen liegt, tippe ich auf Ekstasepillenkonsumenten, nur Marihuana allein stellt diesen Zustand nicht her.

Wir wußten vorher, daß hier gelegentlich Party gemacht wird und waren darauf eingestellt, daß hier vielleicht an ein paar Tagen die Woche Remmidemmi ist. Es ist dann aber gar nicht so schlimm, die Musik ist Funk und Disco, die Besucherzahlen überschaubar, die Lautstärke erträglich, für uns sowieso, weil unser Zimmer nach hinten rausgeht.

Ich finde es eher bemerkenswert, daß eine der ältesten Unterkünfte in ganz Miami es geschafft hat, sich 120 Jahre später neu zu erfinden. Die Leute scheinen zum Teil keine Gäste zu sein, sondern nur wegen der Party herzukommen. Die findet in einem kleinen Tanzbereich vor dem Restaurant statt, dahinter ein zu einer Bar umgestalteter Reisebus. Im Restaurant selbst ist das Angebot überschaubar, Burger und Pizza aus dem Steinofen.

Der Mister hat bald seinen Stammplatz auf unserer grünen Veranda gefunden, von wo aus man den direkten Blick auf die Tanzenden hat und so in Hörweite sitzt, daß man alles bequem shazamen kann, was einem gefällt. Die Musik trifft unseren Geschmack, die Stimmung und das Ambiente auch. Ich halte nicht mehr so lange durch und bin ziemlich bald eingeschlafen.

Am nächsten Morgen ist alles ruhig. Die Tanzenden sind abgezogen, keine Geräusche außer Vogelgezwitscher. Selbst die Autobahn hört man nicht. Das einzige Zivilisationsgeräusch ist mehrmals täglich das Bimmeln der Zugbrücke über den Miami River, der direkt hinter dem Hotel verläuft.

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Wir haben uns gestern schon ausgemalt, wie das hier herum wohl ausgesehen hat, als das Inn 1908 gegründet wurde. Brickell, das ja ursprünglich mal Farmland war, war 1908 vermutlich schon nicht mehr sehr ländlich, aber die Gegend hier um den Fluß muß sicher sehr idyllisch gewesen sein.
Wir beginnen den Tag ganz gemütlich, Frühstück im Bett und Abhängen. Ich klemme mich ans Handy, denn morgen haben wir einen Ausflug vor und ohne Mietwagen gilt es da die Anreise zu organisieren.

Wir könnten uns natürlich an der Rezeption ein Taxi rufen lassen, aber wo wir diesmal sowieso schon nicht auf die übliche Weise unterwegs sind, warum dann nicht auch jetzt mal was Neues ausprobieren. Also gebe ich Uber mal eine Chance.

Die App ist schnell geladen und dann gebe ich Ziel und Uhrzeit ein und tatsächlich meldet sich auch ziemlich schnell ein Fahrer, der die Tour übernimmt. Für die Rückfahrt findet sich erstmal niemand, aber da bin ich ganz entspannt, nur auf dem Hinweg müssen wir pünktlich sein, es ist eine Gruppentour mit festem Beginntermin. Auf dem Rückweg ist es egal, wann und wie wir zurückkommen, und es ist ja auch noch ein ganzer Tag Zeit.

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Während der Mister auf der grünen Veranda Posten bezieht, habe ich heute noch einen weiten Weg vor mir, denn hinter unserem Wohnviertel schließt sich nach Westen Little Havana an. Auch wenn ich eigentlich gern noch einen Tag Jetlag auskuriert hätte, treibt mich die Neugier an, ein neues Viertel von Miami kennenzulernen.

Das Miami River Inn liegt in der 2nd Street und ich marschiere vorbei an der 6., wo der Publix liegt, noch zwei Blöcke weiter, bis zur 8. Straße.

Hier, an der Auffahrt auf die 95, nimmt nach rechts der Highway 41 seinen Anfang. Die Straße, die in Orlando zum Orange Blossom Trail wird und einen später an Lake City vorbei bis nach Georgia führt, und die wir auch auf dieser Reise noch oft fahren werden. Nur daß sie hier zu Beginn noch niemand „die 41“ nennt, denn hier hat sie andere Namen.

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Für Naturliebhaber ist sie der Tamiami Trail, der einen aus den Hochhausschluchten direkt in den Big Cypress Swamp und in die Everglades führt.
Die meisten nennen diesen Teil der Straße aber noch mal anders. Denn wir sind ja in Little Havana, und was heißt achte Straße auf Spanisch? Genau: Calle Ocho.

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Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

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