interaktiver Patchwork-Roman

Alles rund um die Seychellen
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coconut
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interaktiver Patchwork-Roman

Beitrag von coconut » 08 Jan 2021 17:51

Hallo liebe Seychellenfans,

Corona hat uns fest im Griff, leider auch hier im Forum. Und wann es auf die nächste Seychellenreise geht, steht für die meisten in den Sternen... Wenn es auch viel, viel Schlimmeres gibt, so ist das für einige von uns sicher eine deprimierende Vorstellung; besonders, wenn man wie ich, seit vielen Jahren immer wieder auf diese Trauminseln reist.
Ich habe diese Perlen im Indischen Ozean mit den manchmal mürrischen aber liebenswürdigen und sehr ehrlichen Menschen kennen und lieben gelernt. Habe alle Veränderungen, die z. B. der wachsende Tourismus mit sich brachte, in Kauf genommen, nur um einmal im Jahr für ein paar Wochen dieses besondere Seychellenfeeling zu spüren, das sich mit Worten kaum beschreiben lässt... Eingefleischte Fans wissen, wovon ich rede: Einmal mit dem "Seychellenvirus" infiziert und man ist verloren. Schockverliebt fiebert man der nächsten Reise entgegen. Bis dahin schaut und liest man alles Verfügbare, auch gerne im Seychellenforum...
Zur Zeit befindet sich das Forum allerdings in einer Art Corona- Starre, die mich traurig macht. Wäre es nicht schön, diese dunkle Zeit etwas zu erhellen und wieder etwas Leben, Humor und Positivität einzubringen?
Ich habe da eine Idee: Lasst uns doch gemeinsam kreativ werden, in Gedanken auf unsere Lieblingsinseln reisen, Erinnerungen , Phantasien und Gefühle ausgraben und einen interaktiven Patchwork-Roman über die Seychellen hier im Forum schreiben. Jeder kann sich einbringen und spinnt den Faden seines Vorgängers einfach weiter, bis eine einmalige Geschichte entstanden ist, deren Verlauf und Ende ungewiss sind, ganz wie im wirklichen Leben...
Macht Ihr mit?

Viele Grüße von Coconut

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Suse
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Re: interaktiver Patchwork-Roman

Beitrag von Suse » 09 Jan 2021 11:14

Das finde ich eine total nette Idee, wenn Du anfängst, mach ich mit.

Falls Du Unterhaltung suchst, kannst Du allerdings auch nochmal den Montemolinos-Thread in "Andere Länder" lesen, da hat mr.minolta schon blühende Phantasie mit einer Kurzgeschichte bewiesen. Geht aber nicht um die Seychellen. :wink:
Wenn Du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

coconut
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Re: interaktiver Patchwork-Roman

Beitrag von coconut » 09 Jan 2021 19:49

Liebe Suse, wie schön, dass Du mitmachen willst :bounce: , ich schreibe gerne den Anfang.

Vorab mein Vorschlag:

- Jeder kann sich gerne mehrmals einbringen und sollte inhaltlich an den Text seines Vorgängers anknüpfen und die Geschichte weiter schreiben.

- Wenn Ihr einen Text schreiben wollt, bitte zuvor kurz im Forum mitteilen:
z.B. Coconut schreibt...
So wird vermieden, dass sich mehrere gleichzeitig mit dem Fortgang der Geschichte befassen und ein Kuddelmuddel entsteht.

- Es ist egal, wie lang die Beiträge sind, es dürfen auch nur wenige Zeilen sein.

- Inhalte können erlebt oder ausgedacht sein.

- Das Urheberrecht bitte nicht verletzen.

- Die Geschichte wird in der Ichform geschrieben.

Nun hoffe ich auf rege Teilnahme und viele witzige Beiträge. Ich weiß, hier im Forum schlummert eine Menge schriftstellerisches Potenzial...
Und übrigens: Ich mache das hier zum ersten mal. Ich bin ganz gespannt, was daraus wird, lasst mich bitte nicht hängen. :oops:
Die Idee dazu kam mir gestern ganz spontan.

Coconut schreibt...

coconut
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Re: interaktiver Patchwork-Roman

Beitrag von coconut » 10 Jan 2021 16:23

Seychellenfieber

Heute habe einen großen Oktopus vom Fischhändler meines Vertrauens mitgebracht Ich möchte uns ein kreolisches Curry kochen, wie wir es bisher nur auf den Seychellen gegessen habe. Gewürze und Zimtblätter sind noch vorhanden, mitgebracht von unserer letzten Reise. Ein Rezept ist im Internet schnell gefunden. Hm... wenn ich daran denke, läuft mir das Wasser im Mund zusammen, dieser Geruch, diese besondere Würze und herrliche Schärfe. Bis zur nächsten Reise dauert es noch... aber vielleicht gelingt es mir, uns kulinarisch hinzubeamen.
Zunächst wasche ich den Oktopus unter fließendem Wasser ab und stecke ihn zusammen mit ein paar Lorbeerblättern und Pfefferkörnern in einen Topf mit Salzwasser. So, jetzt soll er mindestens 1 Stunde kochen, bevor er für eine Nacht in die Kühltruhe kommt, damit seine Muskelkraft gebrochen und sein Fleisch schön zart wird. Langsam fängt es an zu köcheln. Der Oktopus färbt sich lila und starrt vorwurfsvoll aus dem Topf heraus. In mir regt sich leise das schlechte Gewissen. Ich drehe ihn um. Der Fischhändler meint, man muss nur die Augen entfernen, sonst kann man alles essen.
Na, schauen wir mal...
Während das Tier langsam vor sich hin köchelt, bleibt mir etwas Zeit. Im Radio dudelt eine alte Seychellen-CD: "I `am going back to the Seychelles...". Oh, I hope so... Im Schrank findet sich noch eine Flasche vom guten originalen Takamaka-Rum. Den mit der Vanille-Karamellnote mag ich besonders gern. Ein kleines Gläschen kann jetzt nicht schaden. Das Aroma entfaltet sich in meinem Mund. Ich schließe die Augen und denke daran zurück, wie alles begann... unsere erste Seychellenreise:
_____________

Der Flieger tauchte in die graue, schwere Wolkendecke ein und setzte zur Landung an. Regentropfen perlten von den Fensterscheiben. Die Insel konnte man nur schemenhaft erahnen. Wir stiegen aus der Maschine und waren sofort klatschnass. Es fühlte sich an, als wären wir direkt in einer türkischen Dampfsauna gelandet. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt...

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Suse
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Re: interaktiver Patchwork-Roman

Beitrag von Suse » 11 Jan 2021 13:28

Suse schreibt.

Diese Düsternis, die der sich hinter dem Flughafengebäude abzeichnende Bergrücken ausstrahlte, das stumpfe Grün des Wassers, das so auch an der Nordsee ausgesehen hätte. War ich selbst schuld, daß dieser erste Eindruck so gar nicht dem entsprach, was ich mir ausgemalt hatte?
Was lange währt wird endlich gut, sagt man. Aber manchmal wird, was zu lange währt, auch eine Enttäuschung. Vielleicht hatte ich zu lange gewartet, denn die Genese meiner Seychellenträume betrug schon fast 20 Jahre.

Sie begannen mit Eva. Nein, nicht etwa die Eva aus General Gordons Idee vom Garten Eden im Vallée de Mai. Meine Eva war eine ganz reale Person. Anfang 1990er Jahre wurden wir Kolleginnen und teilten ein Büro. Trotz des Altersunterschieds von fast 30 Jahren hatten wir viel gemeinsam. Wir waren fast am selben Ort geboren, bewohnten in unserer jetzigen Heimatstadt den gleichen Stadtteil und unsere Familiennamen klangen zum verwechseln ähnlich. Wir hatten das gleiche Temperament, teilten den Humor und die Leidenschaft für Kaffee, die Natur und das Reisen.

Eva hätte nicht arbeiten müssen, sie entkam damit für ein paar Stunden der häuslichen Pflegesituation. Wichtiger als das Einkommen, das sie wohl nicht gebraucht hätte, waren die sozialen Kontakte. Dem schwerkranken Ehemann, dessen Tätigkeit sie bereits seit den späten 60er Jahren um die halbe Welt geführt hatte, waren seine Erinnerungen bereits abhanden gekommen. Evas Erinnerungen aber waren sehr lebendig, und sie erzählte mir den Seychellen, die sie schon in den siebziger Jahren besucht hatte, als die Inseln ursprünglich, die Touristen wenige und die Souvenirs noch aus Schildpatt waren.

Evas Zeiten der weiten Reisen waren vorüber, meine begannen gerade erst, und ich saugte alles auf, was sie mir erzählte und nahm alles an, was sie mir gab. Seychellen, La Digue, die Ochsenkarren und die Anse Source d’Argent. Die Coco de mer, die auf dem Umschlag des uralten Reiseführers zu sehen war, den sie mir schenkte. Das wollte ich auch sehen.

Aber Leben ist das, was passiert, während Menschen Pläne machen, und so war es auch bei mir. Andere Dinge wurden wichtiger, andere Reiseziele, andere Leidenschaften als das Reisen traten in den Vordergrund. Die Seychellen waren eine schöne Phantasie, die ich mir anders vorstellte als alles, was ich bis dahin an tropischen Inseln kannte, die Kokospalmen der Südsee, die Lebensfreude der Karibik, eine Mischung aus allem müßte es sein.
Immer, wenn ich im Flugzeug auf dem Weg zu einem noch etwas südlicher gelegenen Reiseziel saß, fielen sie mir wieder ein, die kleinen Granitinseln, die wir irgendwann im Morgengrauen überflogen. Wie ein Jucken im Hinterkopf war das. Du wolltest doch… Beim nächsten Mal steige ich unterwegs hier aus!

Lohnt sich nicht, antwortete mir der erste Reiseveranstalter, viel zu teuer. Die Seychellen sind nichts, wo man mal eben einen Zwischenstop einlegt, rausgeworfenes Geld sei das, schlagen Sie sich das mal aus dem Kopf. Ach, dachte ich, schau an, anstelle eines Reisevorschlags eine Finanzberatung, was für ein Service. Und wechselte den Veranstalter.

Meinen Seychellenphantasien fügte ich im stillen jedoch noch ein paar Adjektive hinzu. Teuer. Luxuriös. Elitär.
Und nun stand ich hier im Regen, mit Evas altem Reiseführer im Gepäck und einer Menge Bildern im Kopf.

Der innere Klugscheißer begann sofort einen Vortrag über die Tropen, die ohne Regen nicht so schön grün wären. Ich brachte ihn mit einem genervten „pfh“ zum Schweigen, so daß der Gepäckabfertiger am Domestic Schalter mich verwundert anschaute. Ein wahres Muskelpaket, der die Koffer von Hand auf den Karren stapelte, mit denen sie später zum Island Hopper gefahren wurden, mit dem es weiter nach Praslin ging.

Und während der Flieger Kurs hinaus auf den indischen Ozean nahm, ließen wir die Wolken und die Düsternis von Mahé hinter uns, der Himmel klarte auf und endlich hatte das Wasser die richtige Farbe, das Türkis, das am Horizont in ein sattes Hellblau überging, auf das ich gewartet hatte, und die Sonne strahlte auf die kleinen grüngrauen Tupfen unter uns, die die ersten Ausläufer von Praslin bildeten. Es sah wunderschön aus, urwüchsig, verwunschen, kurzum: nach Abenteuern.
Wenn Du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

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