Dschungelcamp an der Datumsgrenze

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Suse
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Suse » 11 Jun 2019 22:58

MonkeyPuzzle hat geschrieben:
11 Jun 2019 18:13
MEGA!!!!! Ich schliesse mich an! Der Stil ist unübertroffen! Ich freue mich sehr auf mehr.
Vielen Dank
Ina
Vielen Dank, auch an Karambesi. Da kommt noch einiges mehr, vor allem an Fotos. Mr.minolta hat ja noch nicht mal richtig angefangen, sich in diesem Reisebericht auszutoben. :wink:
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Klara
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Klara » 12 Jun 2019 10:13

mr.minolta hat geschrieben:
11 Jun 2019 19:48
Obwohl das Lob vor allem Suse gebührt, brauch ich jetzt mal den Errötungssmiley... :oops:

Vielen Dank! Wir freuen uns sehr über Eure Teilnahme! Leider kommt heute nichts mehr, da ich gerade 'nen neuen Rechner einrichte und entsprechend viel Technik-Chaos ordnen muß. Der vorinstallierte Browser macht mich wahnsinnig, die Fotos liegen noch auf der Externen usw. usw.

Morgen geht's weiter! :D
Ach was, das Lob gebührt dem Team, das sich hervorragend ergänzt. Viel Erfolg mit der Technik. Von einem Kollegen, der damals den alten Nicolet Computer liebevoll betreute, habe ich den Spruch übernommen, die Dinger haben halt auch eine Seele. Das stimmt irgendwie milde, wenn mal wieder was aus unerklärlichen Gründen nicht klappt.
LG
Klara

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Suse
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Suse » 13 Jun 2019 12:31

Am nächsten Tag beim Frühstück unter strahlendem Sonnenschein die erlösende Meldung: heute um 12 Uhr geht es los!

Nach dem tagelangen Stand By bleibt uns nun fast das Rührei im Halse stecken und wir eilen zurück zu Fale Hiva und machen uns bereit. Die Hütte bleibt auch während unserer Abwesenheit für uns reserviert, so daß wir alles Überflüssige hier lassen können. Mein Mann hat pünktlich am Haupthaus zu erscheinen, denn er erhält eine Unterweisung im Umgang mit der Machete, Trinknüsse öffnen. Wie die meisten Menschen hätte ich wohl zuviel Angst, mir dabei mit der Klinge in die Hand zu schlagen, aber er macht das nicht zum ersten Mal und hat die erste Nuß bald geöffnet. Die anderen Nüsse treten die Flugreise aufs Deck des Motorbootes an, dazu unser verschlanktes Gepäck und enorme Vorratskisten mit unseren Lebensmittelvorräten. Zuguterletzt die kostbarste Fracht: 120 Liter Süßwasser und ein Liter Kerosin.


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Wir beide sitzen im Schatten und sind ein bißchen betreten angesichts des Aufwandes, der da nur für uns getrieben wird. 6 Personen sind damit beschäftigt, das Boot mit unserem Zeug zu beladen. Zuguterletzt sind wir selbst dran, wir waten ins Wasser und klettern an Bord. Dann legen wir ab und Foas Küste verschwindet hinter uns. Die anderen werden in wenigen Stunden hierher zurückkehren, wir aber verlassen die Zivilisation und sind entsprechend aufgeregt.


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Darren warnt uns vor, die Überfahrt könne rau werden, er zeigt uns den Aufbewahrungsort der Schwimmwesten und erklärt uns, wie man das Funkgerät zumindest soweit bedient, daß auch wir notfalls einen Notruf absetzen könnten, falls alle Sandy Beach-Leute über Bord gehen. Der Pazifik sei tückisch, sagt er, gerade vor kurzem erst sei ein Boot mit zwei erfahrenen einheimischen Seeleuten gekentert und beide seien ertrunken. Von dem tragischen Vorkommnis habe ich in einem anderen Zusammenhang bereits gelesen, zu dem Zeitpunkt können wir aber noch nicht ahnen, daß es auch auf unsere Reise noch einigen Einfluß haben wird.

Während die zwei 150 PS-Außenborder das Boot vorwärtsjagen, sorgt Darren für musikalische Untermalung. Aus den Lautsprechern dröhnt Popmusik, so daß wir uns vorkommen wie im Vorspann unseres eigenen Abenteuerfilms, als wir eine halbe Stunde später in den schmalen Zugangskanal im Riff einfahren und das, was wir bis jetzt nur auf den wenigen im Netz verfügbaren Fotos und Videos oder seit zwei Tagen in der Ferne am Horizont gesehen haben, nun direkt vor unserer Nase liegt: Luahoko.


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Die Insel ist unbewohnt bis auf Krebse, Krabben und Vögel. Wir sehen Seeschwalben, Tölpel und sogar Fregattvögel am Himmel kreisen, darunter die dichte Vegetation und der menschenleere Strand. Das alles wird uns allein gehören, wir können das noch nicht so richtig glauben.

Die See ist hier draußen auch innerhalb des Riffs unruhig, es muß jetzt schnell gehen. Wir werden aufgefordert, über den Bug vom Schiff zu springen. Während alle Männer dies behende und leichtfüßig erledigen, stehe ich wie immer in solchen Situationen vor dem unlösbaren Problem, welchen Fuß ich wo zuerst hinsetzen soll und hopse schließlich ungeschickt in den Sand. Es ist jetzt definitiv ein Tölpel mehr auf der Insel.


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Wir helfen das Boot zu entladen und schleppen was wir können ins Inselinnere. Während ich meinen Koffer heranzerre, kommt mir mein Mann bereits von der ersten Tour wieder entgegen und fordert mich auf, vorsichtig aufzutreten. Hier ist alles voller Einsiedlerkrebse.

Am Strand eine kleine Beobachtungshütte, eigentlich nur eine Plattform mit Dach auf Stelzen. Manche Besucher, die vor uns hier waren, haben diese zum Schlafen genutzt, aber das wird bei den aktuellen Windverhältnissen wohl nicht sehr gemütlich.


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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Suse » 13 Jun 2019 12:32

Wir entscheiden, zunächst mal im eigentlichen Haus zu bleiben, einer einfachen polynesischen Fale aus Palmwedeln, die aus nur einem Raum mit einer Vorder- und Hinterveranda besteht. Das Haus ist recht gut in Schuß und nicht einmal besonders schmutzig, wenn man von etwas, das wir für Vogelkot halten, mal absieht. Wie die hier hineingekommen sein mögen?

Die Fensterläden werden geöffnet, einmal kurz durchgefegt, die Wasserkanister und die Lebensmittelcontainer abgestellt. Duncans Frau Ruth hat mir im Sandy Beach bereits das Telefon ausgehändigt, mit dem wir ihr täglich um 16 Uhr ein Lebenszeichen geben sollen. Sollte das Telefon versagen und wir uns in einer Notsituation befinden, sollen wir die Ostseite der Insel in Brand setzen, instruiert uns Darren, und meint dies ganz ernst. Beim Ablegen des Bootes mit Blick auf den Kanal warnt er uns zuletzt eindringlich davor, in den nächsten Tagen auf dieser Seite der Insel zu schnorcheln. Es sei zu windig, das Riff zu flach und die Strömung zu stark, es würde uns auf die offene See hinaus ziehen. Wir sind sicher die letzten, die das nicht beherzigen würden.

Dann folgt der wohl aufregendste Augenblick der gesamten Reise, als wir winkend am Strand stehen und dem kleiner werdenden Boot hinterherschauen. Ganz langsam realisieren wir, daß wir jetzt allein sind. Allein auf unserer Insel. Für 10 kostbare Tage.


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Frenki
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Frenki » 13 Jun 2019 13:47

:bounce: :bounce: :bounce:

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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von foto-k10 » 13 Jun 2019 14:00

In so einem Moment würde ich denken: "Und was ist, wenn in 10 Tagen die See so stürmisch ist, dass mich niemand abholen kann?" :shock:

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Karambesi
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Karambesi » 13 Jun 2019 16:12

Absoluter Wahnsinn, ich bin begeistert :bounce: .

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Pico
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Pico » 13 Jun 2019 20:33

Gänsehaut....

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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 13 Jun 2019 21:38

Toll, daß wir Euch mitreißen können! :D

Das Anlanden auf der Insel war tatsächlich eine aufregende Sache. Der Moment, in dem man von Bord geht und Land unter den Füßen spürt, ist nicht vergleichbar mit ähnlichen Erlebnissen, die man in den Tropen ja schon oft gehabt hat. Man weiß eben, daß man nun dort bleiben wird und alle Begleiter mitsamt ihren zivilisatorischen Gerätschaften für ziemlich lange Zeit außer Sicht- und Hörweite sein werden. Sowas kann man natürlich auch beim Campen in kanadischen Wäldern haben, aber wie auch immer, für mich persönlich war es das erste Mal im Leben, 10 Tage lang keinen Menschen zu sehen, zumal ich Suse gleich nach Ankunft im Wald neben der Kochstelle anketten konnte. :P

foto-k10 hat geschrieben:
13 Jun 2019 14:00
In so einem Moment würde ich denken: "Und was ist, wenn in 10 Tagen die See so stürmisch ist, dass mich niemand abholen kann?" :shock:

Eine vollkommen berechtigte Feststellung. Suse wird später darauf eingehen. :wink:


Morgen geht's weiter! :D

Ich hab den Computerkrempel am Laufen und wenn die Foto-Software jetzt noch meine Katalogdaten übernimmt, muß ich nicht mehr zwischen zwei Rechnern hin und herspringen... :lol: Die letzten Fotos habe ich mal in deutlich höherer Auflösung hochgeladen (1500er Bildbreite). Ich hoffe, daß ihr keine Probleme mit der Darstellung habt. Wer auf alten Monitoren abgeschnittene oder zu scrollende Bilder sieht, kann versuchen, den Schriftgrad im Browser zu reduzieren, dann sollte es auch in solchen Fällen klappen.
Zuletzt geändert von mr.minolta am 14 Jun 2019 01:15, insgesamt 1-mal geändert.
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Frenki » 13 Jun 2019 22:37

mr.minolta hat geschrieben:
13 Jun 2019 21:38

Toll, daß wir Euch mitreißen können! :D
Jau!!!! Also, Minolta, nicht böse sein :lol: . Ich hab gerade vor Augen, wie ein Berliner im Röckchen (laut Suse traditionelle Kleidung) nen Rollator über eine einsame Insel schiebt .... ich brech zusammen .... da geht nix mehr .... meine Güte ....

Mehr! Bitte! :bounce:

Dank an euch beide, für die Mühen :D ! Für die Bereitschaft, zu teilen !!! Und für die Faszination, die hier vermittelt wird!

:lol: Röckchen .... ich lieg unter'm Tisch .... Minolta ....

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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 14 Jun 2019 02:07

Lieber
Frenki hat geschrieben:
13 Jun 2019 22:37
ein Berliner im Röckchen
als feuchte Scheine im Söckchen! :mrgreen:
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von foto-k10 » 14 Jun 2019 16:45

Bei jedem anderen würde ich nach einem Beweisfoto fragen, aber wer weiß, welche Fotomontage dann kommt :lol:

Suse und Monolta düsen durch den Wald,
denn heute bleibt die Küche kalt,
wer hat die Kokusnuss, wer hat die Kokusnuss geklaut?

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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von belize » 14 Jun 2019 22:31

Liebe Suse,

ich bin beglückt von eurem tollen Bericht! Ist das toll...schön...fantastisch! Ich habe mich so gefreut!!!
Ach Du Schreck, man wird also gewogen vor dem Flug. Das letzte Mal hatte ich das vor 25 Jahren in Guatemala...

Find ich ja irre mit dem leckeren Kaffee in Tonga...wo der wohl wächst? Oder sollte ich mich nochmal näher mitder Topographie beschäftigen?

Und diese Fotos von den kleinen Inselchen... wie Wundersteine im Ozean! Ist da Luahoko auch schon bei? oder vielleicht auch Uoleva?

Und beim Flug lieber rechts sitzen hattest Du gesagt?

Ich geh jetzt ins Bett und träume vom einsamen Inselchen, Chips hätt ich wie ihr mitgenommen, in die anderen Kisten hätt ich gerne mal reingespannert!

Herzlichen Dank und einen Travelgruß in den Osten!!!

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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Suse » 14 Jun 2019 22:35

Ich bin sofort verliebt in das kleine polynesische Fale und versuche, es wohnlich zu machen. Ich putze und räume ein bißchen herum, richte das Bett her und wir hängen das Moskitonetz auf. Abgesehen von dem Bett, ein paar kleinen Hockern und einem Tisch, den wir aber für den Alltag nicht nutzen können, da er von jemandem mit dem treffenden Namen mr.minolta umgehend in ein Film- und Fotostudio umgewandelt wird, gibt es keine weiteren Möbel. Aus den Vorratskisten basteln wir uns Sitzbänke, ein Hocker wird zum Tischersatz. Die angekündigte Kerosinlampe finden wir defekt vor, aber das macht nichts, denn eine der Spontananschaffungen im Globetrotter, eine leistungsstarke Kopflampe, wird an einem Nagel aufgehängt zur Wohnzimmerbeleuchtung. Fertig ist die Insellounge.


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Für Deko wurde von früheren Besuchern bereits ausreichend gesorgt, Hälften von Mördermuscheln und alle möglichen Formen von Meeresschnecken liegen auf dem Verandageländer und lassen erahnen, was der Strand für eine Fundgrube ist. Der Mister kann es dann auch nicht mehr länger abwarten und bricht zu seiner ersten Inselumrundung auf. Mir fehlt dazu noch die Muße, da ich außerdem hinter der Kochstelle angekettet bin, sichte ich lieber das mitgelieferte Geschirr und die Vorräte und inspiziere die Kochstelle. :wink:

Die ist primitiv, ein auf Korallenblöcke gelegter Grillrost, denen ein umsichtiger Mensch eine Einfassung aus Wellblechstücken gegönnt hat, direkt unter einem riesigen Gummibaum, der zugleich als Regenschutz dient. Daß der Baum quasi eine Symbiose mit einer im dichten Blattwerk gut getarnten Kokospalme eingegangen ist, merken wir erst, als uns eines Tages eine Nuß um Haaresbreite ins Essen kracht.

Wir haben einige Trinknüsse und Papayas als Starterpaket mitgeliefert bekommen, sollten uns diese ausgehen, müssen wir darauf hoffen, daß die umstehenden Palmen etwas von ihrer Last fallen lassen. Auch Papayas gibt es reichlich, die Bäume sind allerdings viel kleiner als die Palmen, gerade so groß, daß wir sie mit Hilfe der vorhandenen Leiter erreichen könnten.


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Neben der Feuerstelle ein primitiver Eßplatz, bestehend aus einem grob zusammengezimmerten Tisch und einer Bank auf einer kleinen Lichtung, die offenbar von Aufwuchs freigehalten wird, damit es um die Hütte herum nicht zu dunkel wird. Davon abgesehen ist die Vegetation neben und hinter der Hütte undurchdringlich. Das hatten wir anders erwartet, denn auf den wenigen Aufnahmen, die wir von Luahoko gesehen haben, wirkt die Insel viel lichter, mit Pfaden quer über das Inland und größeren Grasflächen.


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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Suse » 14 Jun 2019 22:37

Da die meisten Aufnahmen, die wir kennen, aus dem Jahr 2015 stammen, vermuten wir nun, daß Gitas Vorgänger im Jahr 2014, Zyklon Ian, hier vermutlich für einen radikalen Rückschnitt gesorgt hatte. Die Lücken haben sich im tropischen Klima nun aber längst geschlossen, hier ist kein Durchkommen mehr, Holzsammeln wird nur am Waldsaum und am Strand möglich sein, sollte uns dies einmal ausgehen, ist anstrengendes Kriechen durchs Unterholz angesagt.

Der Witz ist, daß wir das tägliche Feuermachen eigentlich gewöhnt sind, denn unsere Berliner Altbauwohnung hat noch einen Kohleofen. Vielleicht sind wir aber gerade deshalb zunächst etwas hilflos, denn das auf den ersten Blick offensichtlich fehlende Anzündematerial bringt uns aus dem gewohnten Feuermach-Konzept. Das wenige vergilbte Gras auf der Wiese ist feucht vom Regen, Reisig, wie ihn Laubbäume in nördlichen Gefilden produzieren, gibt es hier nicht. Wir lernen aber schnell, aus trockener Palmenborke und Kerosin ausgesprochen gut funktionierende Anzünder herzustellen und damit ein kleines, aber dauerhaftes Feuer zu starten, ohne gleich zu Anfang große Mengen Holz verschwenden zu müssen.

Das Unternehmen Robinson ist nicht wirklich ein Survival-Training, eher ein back to the roots. Lernen, mit wenig auszukommen, vor allem mit sich selbst. Auch wenn wir für den Notfall als Netz und doppelten Boden immer das Telefon haben, hier vor Ort sind wir jetzt auf uns gestellt und müssen entsprechend umsichtig agieren. Hier gibt es keinen Dr. Bob, der sofort herbeigeeilt kommt, wenn wir uns mit der Machete verletzen oder uns am Korallenriff ein Bein brechen.

Als der Mann begeistert von der Inselumrundung zurück ist, bleibt daher auch nicht viel Zeit für ausführliche Erzählungen. Wenn wir unseren ersten Kochversuch nicht im Stockfinsteren durchführen möchten, ruft jetzt die Pflicht. Holz sammeln, Anzünder präparieren, verirrte Einsiedlerkrebse aus der Feuerstelle sammeln, das Feuer entzünden und am Brennen halten.


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Anfangs werden die Feuer ungleichmäßig, mal schlägt die Flamme einen Meter hoch und verkokelt (wohl nicht zum ersten Mal) die unteren Blätter des Gummibaums, mal erlischt sie fast und kann nur mit Mühe reanimiert werden. Wir lernen minütlich dazu. Da wir uns für den ersten Abend mit einer Dose Ravioli etwas Einfaches ausgesucht haben, haben wir auch tatsächlich bald eine warme Mahlzeit auf dem Tisch. Wir sind mächtig stolz auf uns, fotografieren das Feuer und sogar die Dosenravioli. Und nicht nur wir sind begeistert, das gelungene Werk zieht bald eine Fangemeinde an.
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