Seychellen 13 Jahre später

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Inselsammlerin
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Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Inselsammlerin » 29 Aug 2017 13:17

Nach monatelanger Vorfreude ist der Urlaub jetzt schon wieder vorbei. Nach den ganzen Berichten hier im Forum war ich schon sehr gespannt wie groß die Veränderungen sind. Wir hatten 4 Tage La Digue, 8 Tage Praslin und 6 Tage Mahe. Leider konnte man die negativen Veränderungen doch deutlich merken. Die Menge der Menschen war mit 2004 nicht mehr identisch, das hohe Fahrradaufkommen war zwar hauptsächlich in La Passe so groß ,aber insgesamt sind einfach viel zu viele Menschen dort, und der Bauboom ist nicht zu übersehen. Einsame Seychellen : Das war einmal.
Zum Glück haben wir auf La Digue in einem Bed & Breakfast in Belle Vue gewohnt wo es wirklich sehr schön ruhig war.
Praslin hat mir wieder am besten gefallen, und Fond Ferdinand ist wirklich ein schöner Ausflugstip. Die Aussicht von oben ist einfach toll. Schade fand ich nur ,dass man den gleichen Weg wie hoch auch wieder runter geht. Waren wir beim ersten Mal an der Anse Volbert noch mit einigen wenigen Menschen am Strand, so könnte dieser Strand jetzt auch irgendwo am Mittelmeer sein.
Auf Mahe fand ich die Zunahme der Autos extrem, da hat das Laufen an der Strasse keinen Spass gemacht.
Was mich wirklich ziemlich geschockt hat war der Müll, der ja wirklich überall liegt. Plastik, Plastik wohin man schaut.
Insgesamt gesehen sind die Seychellen natürlich immer noch toll, und wir hatten eine sehr schöne Zeit, aber das Flair der einsamen Seychellen mit intakter Umwelt und ausgeprägtem Umweltbewustsein gibt es nicht mehr. Für mich kein Ziel mehr ,wo ich unbedingt nochmal hin muss, und ich möchte es mir gar nicht in weiteren 13 Jahren vorstellen.
Schade , dass die Verantwortlichen den Hals nicht voll kriegen.
Ulrike

Robby
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Robby » 29 Aug 2017 16:38

Hallo Ulrike,
vielen Dank für Deinen Bericht, der mich sehr traurig :( stimmt.
Wir fliegen Mitte Oktober ja nach 25 Jahren wieder hin.
Natürlich freuen wir uns auf den Urlaub, haben aber auch Angst davor, zu sehr enttäuscht zu werden.
LG Petra

Inselsammlerin
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Inselsammlerin » 30 Aug 2017 18:54

Hallo Petra,
freut euch auch weiterhin auf euren Urlaub. Trotz meiner Kritik sind die Seychellen natürlich immer noch toll.
Jeder empfindet das ja auch anders. Allein die tollen Pflanzen überall, die Sperbertäubchen, die Webervögel die so zutraulich sind, oder die Flughunde zu beobachten. das alles ist einfach schön.Und so einen Sand wie Puderzucker habe ich auch noch nirgendwo sonst gesehen. Leider kann man die touristische Entwicklung nirgendwo aufhalten, auch wenn ich es begüßt hätte, wenn die Seychellen ihr Obergrenze beibehalten hätten. Selbst am Mount Everest gibt es ja wohl reichlich Müll der Bergsteiger.
Also weiterhin freuen,es ist schon ein tolles Gefühl wieder dort anzukommen.
Viele Grüße
Ulrike

Robby
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Robby » 31 Aug 2017 18:57

Hallo Ulrike,
vielen Dank für Deine lieben Worte.
Wir können uns noch ganz genau an alles erinnern - an die Sperbertäubchen, die kleinen roten Vögel, die Ruhe im Vallee de Mai, an eine Kommunion zu der wir eingeladen waren, gemeinsames Kochen auf Praslin bei einer lieben Familie, ohne Angst spazieren zu gehen, an Esmeralda, an einen riesigen Napoleon Fisch in der Baie Ternay, an tropischen Regen, an die erste Begegnung mit Barracudas vor Islette, an die Feenseeschwalben von Cousin usw. Es war immer wunderschön und deshalb ist die Sehnsucht auch so groß.
Ich sammel seit 1983 Sand in kleinen Gläschen - der erste ist von Sri Lanka am Koggala Beach.
Inzwischen habe ich weit über 100 Sorten Sand, darunter auch von Bird Island, Anse Volbert, Petit Anse auf Mahe und aus vielen anderen Ländern. Der Sand von den Seychellen ist wirklich etwas sehr Besonderes.
Und die Seychellen natürlich auch.
Leider ist es so, wie Du schon geschrieben hast, man kann die touristische Entwicklung nirgendwo aufhalten.
Schade ...
VG Petra

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mr.minolta
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von mr.minolta » 31 Aug 2017 23:28

Es ist bemerkenswert, daß Du nach 13 Jahren brutaler Veränderungen überhaupt noch so viel Freude an den Rudimenten einer einst intakten Umwelt hattest und Dich von den Inseln angemessen verabschieden konntest.

Demnächst werden wohl auch die letzten Sperbertäubchen am Beton und Plastikmüll ihrer Umgebung ersticken...
Wir werden alle sterben.

Nicht an Corona, sondern an der Dummheit der Politik.

Inselsammlerin
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Inselsammlerin » 02 Sep 2017 19:59

Hallo Mr.Minolta,
sicher konnte ich mich noch über die schönen Dinge freuen. Hätte ich mir selbst den Urlaub verderben sollen
weil ich mich nur über das Negative aufrege. Das uns große Veränderungen erwarten war ja im Vorfeld schon klar.
Zum Thema Takeaways kann ich dir nicht ganz zustimmen. Besonders auf Praslin haben wir das beste Essen im Takeaway
bekommen. Ich kann die Ogani Bar in Baie St. Anne, ca 100 m vor dem Abzweig zum Jetty sehr empfehlen. Immer 4 verschiedene Fleischgerichte, frischen Fisch, 1 vegetarisches Nudelgericht und dazu zweierlei körnigen Reis, Linsen,mal Breadfruit oder andere Beilagen.Das Ganze dann auch in großen Portionen für 60 - 70 SCR p.P. Aber wir hatten natürlich auch negative Erlebnisse,aber die hat man auch anderswo.
Ich denke man sollte nicht alles dort so pauschal verteufeln, auch wenn einem die Entwicklung nicht gefällt.
Wer noch nicht dort war, und hier den einen oder anderen Bericht liest, der müßte seine Reise eigentlich direkt stornieren, weil hie soviel Negatives rüberkommt. Man bekommt nicht unbedingt den Eindruck im Forum, das hier Seychellen Fans schreiben.
Aber jeder sollte sich sein eigenes Bild machen.
Gruß
Ulrike

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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Klara » 03 Sep 2017 14:31

Inselsammlerin hat geschrieben: Ich denke man sollte nicht alles dort so pauschal verteufeln, auch wenn einem die Entwicklung nicht gefällt.
Wer noch nicht dort war, und hier den einen oder anderen Bericht liest, der müßte seine Reise eigentlich direkt stornieren, weil hie soviel Negatives rüberkommt. Man bekommt nicht unbedingt den Eindruck im Forum, das hier Seychellen Fans schreiben.
Sehe ich ganz anders. Ich finde, man spürt sehr wohl die Zuneigung der Klarsteller zu den Inseln. Ich schätze die kritischen Kommentare sehr, mich nervt eher so ewiges Schönreden. So weiß man, was einen erwartet und wer Werbung will, kann sich die ja im Reisebüro oder Reisesendungen holen.
LG
Klara

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Suse
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Suse » 03 Sep 2017 17:48

Klara hat geschrieben: Ich finde, man spürt sehr wohl die Zuneigung der Klarsteller zu den Inseln. Ich schätze die kritischen Kommentare sehr, mich nervt eher so ewiges Schönreden. So weiß man, was einen erwartet und wer Werbung will, kann sich die ja im Reisebüro oder Reisesendungen holen.
LG
Klara
Merci. :D
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- Grubi -

quaxi
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von quaxi » 04 Sep 2017 13:33

Ich denke die Entwicklung auf den Seychellen tut vielen weh. :(
Ich kann auch alle verstehen, die diese Inseln kennen, wie sie vor 15 oder gar 20 Jahren waren. Man verliebt sich ja gerade deswegen in solche Plätze, weil da soooo viel Natur ist, so viel unverbaut, so schöne Strände usw...
Wir waren 2009 das erste Mal dort, auf Praslin und Mahe. Wir haben dort bei einem langen Strandspaziergang an der Grand Anse eine einzige Frau getroffen, die hat uns angesprochen und gesagt - sie muss jetzt mit jemandem reden, und sich austauschen, weils hier soooo schön ist. Dabei gilt die Grand Anse auf Praslin nicht gerade als das, was man unbedingt "gesehen haben muss". Es war traumhaft.

Ich kenne Menschen die kennen Koh Samui, Krabi oder Koh Phi Phi noch komplett unverbaut. Die "Entwicklung" die da statt gefunden hat ist eine Umweltsünde die seines gleichen sucht. Auch dort wars mal traumhaft. Ich hoffe ganz fest, dass die Seychellen noch lange ein Traumziel bleiben, auch wenn sie sich verändern, hoffentlich nicht so extrem.

Leider gibt's ja auch bei uns in Österreich so extreme Veränderungen und Bausünden, auf den schönsten Almen u. Bergen oder an den Seen. Und trotzdem werde ich am Freitag an den Gosausee fahren, einen der schönsten Flecken die es in Österreich gibt. Werde mich ärgern, über den zugeparkten Parkplatz. Aber dann, werden wir unser Zimmer im Wirtshaus beziehen, die Wanderschuhe anziehen und an den hinteren See wandern, wo gleich mal weit weniger Leute sind. Am Nachmittag, wenn wir zurück kommen, zum vorderen See, müssen wir die Aussicht vielleicht mit vielen Japanern teilen. Aber abends, wenn dann alle weg sind, haben wir den Anblick fast für uns allein. :dance1:

LG Quaxi
Lesen und Reisen ist Bereicherung, ist Erweiterung der Sinne und des Verstandes.

Klara
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Klara » 04 Sep 2017 17:37

quaxi hat geschrieben:
Ich kenne Menschen die kennen Koh Samui, Krabi oder Koh Phi Phi noch komplett unverbaut. Die "Entwicklung" die da statt gefunden hat ist eine Umweltsünde die seines gleichen sucht. Auch dort wars mal traumhaft. Ich hoffe ganz fest, dass die Seychellen noch lange ein Traumziel bleiben, auch wenn sie sich verändern, hoffentlich nicht so extrem.
witzig, an die Orte dachte ich, als hier über kritische Kommentare zu den Seychellen "gemeckert" wurde. Da traf es mich nämlich ziemlich unvorbereitet, da kaum kritische Berichte in den aufgesuchten Foren auftauchten und ich hatte die schönen Bilder der Sendungen und Artikel im Kopf. Hat mich vor Ort einige Tage gekostet, eh ich meine Fassung wieder hatte :lol:
LG
Klara

Cherry
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Cherry » 04 Sep 2017 23:11

Thailand ist ein ganz guter Vergleich. Ich war in verschiedenen Abständen einige mal dort und jedes mal hat es mir einen Stich versetzt, wenn ich die Veränderungen gesehen habe. 2007 waren wir auch auf Koh Samui, Lamai Beach. Damals auch schon "etwas" los aber doch noch relativ angenehm. Keine 7 Jahre später, der selbe Ort und Strand - auch nur noch Ramba Zamba wie am größeren Chaweng Beach nebenan. So ziemlich jede freie Nische, die damals am Strand noch nicht bebaut war ist zugebaut mit Hotels, Reastaurants und Bars. Sogar in der Mitte des Strands wurden fest installierte, große Leuchtreklametafeln mit Neonbeleuchtung angebracht, die die ganze Nacht leuchten. Von Romantik keine Spur mehr.
Auch auf der "Flaniermeile" ging es entsprechend ab. Koh Samui, für mich nie wieder.

Wir haben viele Reisende getroffen, die u. a. schon seit sehr vielen Jahren regelmäßig in Thailand unterwegs sind, die uns vor bestimmten Inseln und Gebieten regelrecht gewarnt haben. Laut deren Aussage hatte dort der Tourismus, verbunden mit Party und Ramba Zamba z. T. innerhalb von 3, 4 Jahren so drastisch zugenommen, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen seien.
Man hat so richtig das Gefühl, dass ein ungehemmter Ausverkauf Thailands stattgefunden hat. Auspressen, bis auf den letzten Tropfen, lautet die Devise. Wenn man aber die tollen Bilder der Reiseveranstalter, der Blogs etc. und Reiseführer anschaut und über Thailand liest ist davon kaum was zu sehen und zu lesen.

Auf den Seychellen letztes Jahr habe ich in Gesprächen mit Einheimischen immer wieder gehört, "so etwas wird mit den Seychellen nie passieren. So etwas lassen wir nicht zu!". Gleichzeitig das "Gejammer" von einigen anderen angehört, dass so wenig Italiener da seien, normalerweise wäre um diese Jahreszeit alles voll mit ihnen. Grund war damals wohl, dass Air Italia kurz zuvor von Ethiad Airways tlw. einvernommen wurde und es somit keine Direktflüge mehr gab (was war ich froh :wink:).

Der große Tenor der Einheimischen aber (z. T. auch verständlich und auch hier immer wieder nachlesbar) aber geht ja schon eher in die Richting, immer mehr, weil sich jeder auch eine Scheibe davon abschneiden will. Leider Können sie nicht erkennen, wohin die Reise führen wird und dass ihr wahrer Reichtum dann unwiederbringlich verloren ist.

Wenn ich so was wie das hier z. B. wieder lese, ist die Richtung der Reise schon wieder ein weiteres, großes Stück vorprogrammiert.

http://www.seychellesnewsagency.com/art ... +residents

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mr.minolta
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von mr.minolta » 05 Sep 2017 00:49

Cherry hat geschrieben:...die Richtung der Reise...
Ein Vermarktungs-Management für das Witwenreservat? :shock:

Die ticken doch nicht richtig. Merken die Verantwortlichen eigentlich gar nicht mehr, welch konsistenten Blödsinn sie so von sich geben? Da scheint einer den anderen an Dummheit übertreffen zu wollen. In einem Land, in dem man sich nicht darüber einig wird, ob man nun Hunderte neuer Hotels bauen will, weil man die Touristenmassen unterbringen "muß", oder ob man noch mehr Touristenmassen braucht, um bestehende Hotels überhaupt füllen zu können.

Irgendwie doch noch immer eine Bananenrepublik, oder? :lol:
Wir werden alle sterben.

Nicht an Corona, sondern an der Dummheit der Politik.

Aitutaki
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Aitutaki » 05 Sep 2017 10:08

Cherry hat geschrieben:Thailand ist ein ganz guter Vergleich. Ich war in verschiedenen Abständen einige mal dort und jedes mal hat es mir einen Stich versetzt, wenn ich die Veränderungen gesehen habe. 2007 waren wir auch auf Koh Samui, Lamai Beach.

Auf den Seychellen letztes Jahr habe ich in Gesprächen mit Einheimischen immer wieder gehört, "so etwas wird mit den Seychellen nie passieren. So etwas lassen wir nicht zu!".
http://www.seychellesnewsagency.com/art ... +residents
Kann das nur bestätigen .Waren das letzte mal 2001 auf Samui. Das war unser dritter und letzter Besuch auf dieser Insel. Damals erkannten wir schon einige Strandabschnitte nach 8 Monaten abstinenz nicht wieder. Ich meine z.B. den Meanam Beach. Unser Einheimischer Guide war 2001 noch der Meinung, dass auf Samui nicht die gleichen Fehler wie auf Phuket gemacht werden, weil mehr auf die Natur und Nachhaltigkeit geschaut werden würde.... Okay, wir haben es ja alle gesehen und zur Kenntnis genommen 8) :roll: :smokin:

Wir sind auf der Welt 7 Milliarden Menschen (?). Und immer mehr haben die Mittel um um sich zu informieren und zu Reisen. Kein Wunder das die Sehnsuchtsorte so überrannt werden. :(

Wenn ich an die Touristenbusse an der Grand Anse denke, auweia. :roll: Da werden Bussladungen Asiaten und leicht bekleidete Italiener, mit Selfiesticks bewaffnet, an diesen wunderschönen Strand gefahren. Das Prozedere der Selbigen, dann am Strand ist sehr sehenswert. Hatte durchaus Mitleid mit den Herren die stundenlang ihre Gattin in den ausgefallendsten Posen in der prallen Sonne ablichten mussten, bis auch sie ihre verbrannten Muskeln mit den Granitfelsen in Einklang bringen durften.

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Suse
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von Suse » 05 Sep 2017 17:24

Daß die Einheimischen auch was vom großen Tourismuskuchen abhaben wollen, kann ich wohl verstehen. Wenn mir ein Stück touristisch verwertbares Land gehören würde, würde ich es auch nutzen. Daß sie halt klotzen und nicht kleckern, wie jetzt bei den Planungen an der Lazio zum Beispiel, hat meines Erachtens damit zu tun, daß sie es von ihrer Regierung nicht anders vorgemacht bekommen. Generell ist es ja so, daß die meisten Seychellois nur unverhältnismäßig am Tourismus partizipieren, die gucken von außen zu, wie die Devisen in die Hiltons und Emirates hinein- und gleich wieder aus dem Land hinausfließen, und krebsen sich irgendwie so durch. Und daß angesichts dessen überhaupt so viele Locals anfangen, sich gegen den Ausverkauf der Inseln zu stemmen, finde ich schon mal positiv. Die Petitionen gegen die Bebauung der Baie Ternay und der Police Bay sind von Locals initiiert und zu einem Großteil von Locals unterschrieben worden, das darf man nicht vergessen. Mich tröstet das irgendwie ein bißchen, auch wenn ich nicht glaube, daß sich damit verhindern läßt, daß die Seychellen irgendwann ihren Zauber verlieren. Dazu werden die einstmals selbst auferlegten Beschränkungen wie eine Kappungsgrenze der jährlichen Touristenzahlen oder auch das oftmals gerühmte "kein Hotel höher als die Baumwipfellinie" viel zu sehr aufgeweicht, das geht sukzessive peu à peu und ehe es einer merkt, sind die Seychellen ein zweites Mauritius. Wobei ich bei Mauritius immer noch staune, wieviel Natur und vor allem Tierbestand da im Inselinneren erhalten wird, was eben aber auch mit der Topographie der Insel zu tun hat, die da andere Möglichkeiten bietet als die Seychellen.

Deswegen finde ich den oben verlinkten Artikel auch gruselig, vor allem, was die Vermarktung des Witwenreservats angeht. Was immer mit "increasing the benefits" gemeint sein mag. Meinetwegen sollen sie dem Infohäuschen einen neuen Anstrich verpassen und einen Ranger einstellen, der dauerhaft vor Ort ist (früher war da nur sporadisch mal wer anzutreffen) und der Fragen beantwortet oder so. Aber muß denn auf Krampf immer alles gesteigert werden, muß immer "Wirtschaftswachstum" sein, auch in so fragilen Habitaten wie der Veuve Reserve? Der Paradiesschnäpper kommt nur noch auf La Digue vor, es gibt keine anderen Populationen mehr, nirgends. Wenn man da jetzt anfängt, den wenigen Tieren im großen Stil auf den Sack zu gehen, wie soll denn das gutgehen?
Aitutaki hat geschrieben:Wir sind auf der Welt 7 Milliarden Menschen (?). Und immer mehr haben die Mittel um um sich zu informieren und zu Reisen. Kein Wunder das die Sehnsuchtsorte so überrannt werden. :(
Ja, sehe ich auch so. Und man kann froh sein, daß man einige Orte der Welt noch so halbwegs unberührt hat kennenlernen dürfen. Verhindern kann man nicht, daß auch andere diese Orte sehen wollen, das Recht dazu hätte man auch gar nicht, finde ich. Aber ich muß die Ausbeutung dieser Regionen nicht auch noch unterstützen, indem ich ein nicht mehr der Realität entsprechendes Bild heraufbeschwöre. Und manchmal, wenn ich einen besonders schützenswerten Ort für mich entdeckt habe, auch einfach mal überlege in welchem Stil und über welches Medium ich das verbreite, oder eben auch nicht... :wink: Neulich war ja hier das Marron-Thema. Und ich will nicht ausschließen, daß die Marron irgendwann auch ohne die Eigeninitiative der Touristen so vermarktet worden wäre, wie sie es heute wird. Aber so, wie es sich für mich seinerzeit dargestellt hat, haben hier die Touristen die Entwicklung in Gang gesetzt, die in zunehmender Zahl auf eigene Faust losgepilgert sind, ihre Erfahrungen im Internet verbreitet und die Einheimischen so erst auf die Idee gebracht haben, daß hier ein Ort ist, der sich vermarkten läßt. Wenn man sich diesen alten Thread von 2009 durchliest, dann sind die Menetekel, die die "Unker" und "Schlechtmacher" damals entworfen haben, alle mehr als eingetroffen.
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Re: Seychellen 13 Jahre später

Beitrag von quaxi » 06 Sep 2017 10:30

Mir ist dazu auch noch ein sehr gutes Beispiel eingefallen, obwohl der Vergleich für Euch vielleicht banal klingt, aber:

Wir haben 2005 in Chalkidiki geheiratet. Chalkidiki - das klingt im ersten Moment so - O Gott - da sind ja vor 30 Jahre schon alle mit dem Wohnwagen hingefahren und die Bettenburgen dort! Die Bettenburgen gibt's nur auf dem ersten Finger, der Kassandra. Der zweite Finger, die Sithonia ist im Süden damals noch ganz einsam gewesen. Da gibt es Strände wie Vourvourou, Karidi, Platanitsi, Sarti und Kalamitsi usw... Und die Namen klingen so, wie die Strände in der Vorsaison auch ausgesehen haben, schneeweiß, menschenleer, keine Liegestühle. Damals war Sarti schon ein größerer Touristenort, der einzige dort, aber an dem langen Strand, mit Blick auf den Berg Athos, den dritten Finger, war trotzdem ohne Liegestühle. In Kalamitsi gabs nur ein paar alte Häuser, ein kleines Hotel, eine Taverne, eine kleine Appartementanlage und einen Zeltplatz und einen Traumstrand ohne Liegen, geparkt hat man im Sand.
Im Juli/August wurde es schon voll, weil da kam dann ganz Saloniki, das ist die zweitgrößte Stadt in Griechenland mit ca. 1 Mio. Einwohner. Aber die Griechen legen sich in den Sand, stecken ihr Sonnenschirmchen hinein und schlafen im Zelt oder einem günstigen Appartement, denen hat es auch so gefallen.
Wir fahren seit dem fast jedes Jahr mal in der Gegend, haben eine sehr nette kleine Appartementanlage gefunden, die immer noch sehr ruhig liegt. Dieses Jahr wollten wir mal wieder schauen, was aus Kalamitsi geworden ist. Wir wussten zwar schon, das alles anders ist aber so??? :?:
Jetzt gibt's einen zubetonierten Parkplatz, ein gepflasterte Fußgängerzone mit mehreren Tavernen (so wie man es sonst auch in Griechenland sieht), es wurde eine richtige Appartementsiedlung gebaut, und sonst auch - viele Baustellen. Und am schlimmsten: Liegestuhlreihen in mind. 6 Reihen hintereinander. Und was auch Sarti geworden ist - Oh je!
Es gibt auch keine Vor- u. Nachsaison mehr. Das ist deshalb, weil mittlerweile Bulgarien und Rumänien auch in Urlaub fährt. Die kommen mit dem Auto, weil sie halt auch wissen wo es schön ist. Und ich bin denen auch das vergönnt, wirklich. Aber es war halt so: früher war im Juni bis erste Juliwoche und ab 1.September der Strand leer, nämlich wirklich leer. Jetzt wird die Parkplatzsuche schon schwierig. :(
Ich hab mir auch vor kurzem gedacht, wie froh man sein kann, das man noch einige Plätze kennt, von früher. Aber umgekehrt, dann schmerzt die Veränderung natürlich umso mehr. :(

LG Quaxi
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