Bird Island & La Digue

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Frenki
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Frenki » 30 Jun 2016 10:33

Moin webgambler,

ein wunderbares Bild, finde ich. Aber wo hast du das ganze Seegras gelassen? Geerntet oder gestempelt? :mrgreen:

Frenki

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webgambler
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von webgambler » 30 Jun 2016 21:18

Hallo Frenki,

Seegras in grössen Mengen haben wir eigentlich nur an der Grand Anse auf Praslin gesehen, dort war das Wasser auch recht trübe.

Am La Source waren wir 2 mal, beim ersten Mal hatten wir ganz wenig Seegras, beim 2. Mal war das Wasser tatsächlich so klar wie auf dem Foto.

Wir hatten sogar Seehunde dort! :bounce:
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Frenki
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Frenki » 01 Jul 2016 10:07

Hi webgambler,

das wird mir langsam unheimlich: Bilder dieser Art hat meine bessere Hälfte gemacht, über und unter Wasser! Die Motive scheinen doch langsam irgendwie begrenzt ... :lol:

Echte Seehunde stehen in 14 Tagen bei mir auf dem Programm. Ein dänischer Freund von mir hat einen alten Fischkutter restauriert. Damit wollen wir ein paar Tage lang den Limfjord unsicher machen - hoffentlich spielt das Wetter mit!

Frenki

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Pico
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Pico » 01 Jul 2016 13:39

Genieße weiterhin gerne den Bericht hier und die Fotos.
Auch wenn so manche Details erschreckend sind. Ja, auch auf den Seychellen ist der Fortschritt nicht aufzuhalten. In vieler Hinsicht verständlich, wir wollen ja zu Hause auch nicht drauf verzichten, aber in mancher Hinsicht auch übertrieben und unsinnig (Beispiel Taxis). So auf dicke Hose zu machen haben die Inseln und ihre Bewohner doch nicht nötig, oder kommt man deswegen dorthin? Ist es nicht doch eher die mehr oder weniger ursprüngliche Landschaft... ?!? Strände ohne Infrastruktur, einfach nur ein Bilderbuchstrand? Ich weiß, weshalb ich so viel Geld für diese Reisen ausgebe; aber wenn das so weitergeht...
Wozu Saftbuden am Strand?!? Dass die Einheimischen etwas von der dicken Touristenkohle abhaben wollen, keine Frage. Aber zu viel Infrastruktur macht doch die Einzigartigkeit dieser Inseln kaputt. Ein Alptraum, wenn all die - mittlerweile enorm vielen - Unterkünfte tatsächlich mal (nahezu) ausgebucht sein sollten...

Und Marston will auf seine alten Tage noch mehr auf die Beine stellen! Ja, ein komischer Vogel, aber ein netter. Wir können uns noch gut an ihn erinnern - und er aufgrund gewisser Vorkommnisse auch noch an unseren Junior. Jedenfalls fragte er bei unserem letzten Besuch gleich nach ihm. Und eine Angestellte auch. Das fand ich schon echt erstaunlich. Und einfach echt und herzlich.

Ein Paradies mit Schatten. Auch wenn die Schatten länger werden, ich freue mich schon wieder auf La Digue!

Viel Spaß in Dänemark, Frenki! *Neid*

Frenki
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Frenki » 01 Jul 2016 14:37

Vielen Dank, Pico. Du sprichst mir - in sämtlichen Punkten - aus dem Herzen. Das hätte ich nicht treffender formulieren können ...

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Torsten
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Torsten » 01 Jul 2016 18:17

Wieso nur entdecke ich diesen phänomenalen Reisebericht erst heute? Wieso?? Seeeehr schön geschrieben, Frenki! Und ganz tolle Fotos!!

Im weißen Elektrotüren-Taxi saß ich auch bereits. Entweder hast Du die gefühlt 8.000 Duftbäume im Taxi vergessen zu erwähnen oder Cliff hat sie endlich entsorgt. Wi-der-lich!!

Das mit dem Jetski sollte meiner Meinung nach gegen dort geltendes Recht verstoßen. Ich habe soeben bereits eine entsprechenden "Hilferuf" abgesetzt. Mal sehen, ob es was bringt. Bei der Vermietung der bunten Sonnenschirme an der Grand Anse hat es ja seinerzeit sofort gefruchtet. Je mehr Reisende sich über solche Missstände beschweren, desto größer die Wahrscheinlichkeit, etwas zu bewirken! Hier im Forum darüber zu schimpfen und dann den Kopf in den Sand zu stecken, hilft jedenfalls niemandem.

Die Saftbude von Marcelo an der Petite Anse gibt es nun seit bereits rund 1,5 Jahren. Und an der Anse Cocos begann Mitte Februar 2016 ein Local damit, Kokosnüsse zu verkaufen. Ob er dies noch immer macht, weiß ich nicht. Ende Februar war er jedenfalls noch "im Coconut-Business".

Mir sind all die Saftbuden und Fruchtverkäufer und Baustellen - wie wohl jedem Touri - ein Dorn in Auge. Aber so ist es nun mal: Wir Seychellenreisenden wünschen uns die Idylle der frühen 70er zurück - und diese soll gefälligst bis zu unserem Ableben bestehen bleiben. Danach is´ja dann egal... :twisted: Die jungen Locals hingegen wünschen sich den Fortschritt möglichst schnell und teils auch gerne in den extremsten Ausprägungen. Die Drohnen der einheimischen Surferboys sind da ja nur die Spitze des Eisberges. Ich hoffe noch immer, dass weder Motorroller, geschweige denn Motorräder die nächste große Revolution auf der "autofreien Insel" ausmachen werden.

Nur ganz am Rande: Der große Supermarkt neben dem Bolzplatz gehört übrigens schon lange nicht mehr Gregoire und heißt demnach auch nicht mehr "Gregoire´s".

Ich zitiere mal Pico: "Wozu Saftbuden am Strand?!? Dass die Einheimischen etwas von der dicken Touristenkohle abhaben wollen, keine Frage. Aber zu viel Infrastruktur macht doch die Einzigartigkeit dieser Inseln kaputt." Ja ja, schon - aber wie egal ist das denn den geschäftstüchtigen Einheimischen? Die möchten heute was Leckeres auf dem Teller - oder auch den Monitor in der Kopfstütze. Also wollen sie heute an Dein Geld kommen - und dies schaffen sie, indem sie heute leckere Säfte an den Mann und die Frau bringen. Hier kann man nur selbst den berühmten Tropfen auf dem heißen Stein spielen, indem man diese Verkaufsbuden boykottiert. Wenn die anderen 98% der Reisenden aber nicht mitziehen, so ist das vergebene Liebesmüh´.. :roll:

In 72 Stunden bin ich bereits auf Mauritius und schon gespannt, was mich dort erwartet. Gegen Mauritius sollen die Seychellen ja ein "verschlafenes Nest" sein. Ein paar Zahlen aus der Hochzeitswelt:

Auf La Digue gab es 230 Eheschließungen im Jahr 2014. Wenn man die Sonntage abzieht, an denen nicht geheiratet wird, so kommt man auf 0,6 Hochzeiten täglich auf La Digue. Auf Mauritius hingegen sind es 39 Hochzeiten täglich (Sonntage bereits ausgeklammert). Auf Mahé gibt es übrigens statistisch gesehen 3 Hochzeiten täglich. Ich bin wirklich gespannt, ob ich "vom Ausmaß des Tourismus auf Mauritius erschlagen sein werde", wie es mir bereits angekündigt wurde.

Frenki, wie sieht es aus mit dem Forumstreff in Düsseldorf am 30. Juli? Ihr wärt eine wahre Bereicherung! :D

Viele Grüße
Torsten

Frenki
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Frenki » 01 Jul 2016 23:17

Moin Torsten (okay, n'Abend)!

Danke! Ich werde auf deinen Beitrag in Kürze näher eingehen. Da gibt es einiges zu kommentieren ...

Du gehst fremd? Also Mauritius, meine ich. Wenn die Sonne lacht, nimm'ste Blende 8! Versuch's mal :mrgreen:

Forumtreffen? Torsten, hatten wir schon! Ich bin auf'm Fischkutter und lasse mir meine Mahlzeiten vermutlich mehrmals durch den Kopf gehen, während ihr am Rheinufer grillt ...

Holen wir nach! Denk an die Blende ...

Frenki

amsel
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von amsel » 02 Jul 2016 12:22

Auch ich möchte mich für deine pointiert geschilderten Eindrücke bedanken, Frenki.

Die Saftbudenentwicklung sehe ich nicht ganz so kritisch. Ich empfand die Saftstände als relativ zurückhaltend geführt und sie waren auch einigermaßen dezent in die Umgebung integriert. Berühmten Stränden wie der Source D'argent muss man bei dem Publikumsinteresse mittlerweile wohl ein Mindestmaß an Infrastruktur zugestehen. Solange keine Duschen, Schirme, Liegen und Jetskis angeboten werden, kann ich noch damit leben.

Mein Genuss der Seychellenstrände wird eher von den Social Media-Trends gestört. Zu viele sind ausschließlich damit beschäftigt, die Freundin für Instagram auf einem Felsen räkelnd in Szene zu setzen, riesige Herzen fürs Facebookprofil in den Sand zu ziehen, mit dem Selfiestick durchs Wasser watend Selbstgespräche zu führen und die gesamte Umgebung mit rasenmäherlauten Drohnen zu belästigen. So herrscht ständig Betrieb.
Ich glaube (hoffe) aber, dass sich das auch weiterhin im Wesentlichen auf die berühmten Buchten beschränken wird, da man sich mit einem No-Name-Strand nicht so gut schmücken kann...

Beachasaurus
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Beachasaurus » 02 Jul 2016 13:42

Vielen Dank für den supertollen Reisebericht - sehr gut und interessant geschrieben - und die wunderschönen Fotos! Schade, dass ihr so ein Pech hattet mit dem Wetter...und den Moskitos/Sandflöhen...hat das DEET denn nicht geholfen?
LG Beachasaurus

Cherry
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Cherry » 02 Jul 2016 19:19

Torsten hat geschrieben:Wieso nur entdecke ich diesen phänomenalen Reisebericht erst heute? Wieso?? Seeeehr schön geschrieben, Frenki! Und ganz tolle Fotos!!

Das mit dem Jetski sollte meiner Meinung nach gegen dort geltendes Recht verstoßen. Ich habe soeben bereits eine entsprechenden "Hilferuf" abgesetzt. Mal sehen, ob es was bringt. Bei der Vermietung der bunten Sonnenschirme an der Grand Anse hat es ja seinerzeit sofort gefruchtet. Je mehr Reisende sich über solche Missstände beschweren, desto größer die Wahrscheinlichkeit, etwas zu bewirken! Hier im Forum darüber zu schimpfen und dann den Kopf in den Sand zu stecken, hilft jedenfalls niemandem.
Thorsten, wo kann man sich deswegen hinwenden, hast Du eine (E-Mail)Adresse dafür?

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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Frenki » 03 Jul 2016 12:03

Hi zusammen!

@ Amsel: Vielen Dank. Die Ansicht bzgl. der Entwicklung der Saftbuden kann ich nicht teilen. Der berühmte Trampelpfad an der Source führt nicht mehr an ihnen vorbei, sondern mittendurch! Aus unscheinbaren Ständen wurden kleine Restaurants (mit Aschenbechern auf den Tischen)! Die Betreiber erreichen per Jetski ihren Arbeitsplatz. Das habe ich noch anders in Erinnerung. Richtig ist, dass sich die Verkaufsstrategie noch nicht geändert hat, die angenehme Unaufdringlichkeit gibt es noch. Die Taktik "du kriegst jetzt 'nen Saft oder 'was auf die Nase" hat sich noch nicht durchgesetzt!

Zu den Selfienisten: Den Herrn, der seinen Goldfisch an der Leine führte, erwähnte ich bereits im Bericht. Da kommt in Kürze noch mehr ... :lol:

@ Beachasaurus: Auch dir vielen Dank! Ich glaube schon, dass die chemische Keule geholfen hat. Die Frage ist, wie hätten wir ohne DEET zugestanden? :lol: Calamine, wenn's denn passiert ist, kann ich nur wärmstens empfehlen. D'rauf und gut und weg!!! Also Platz für neue Stiche!
Die Tinktur bzw. Lotion ist auch in Europa erhältlich (in den bekannten Onlineshops z:B.) Soll sogar bei Windpocken helfen.

@ Cherry: Ich vermute, Torsten hat das Ministerium für Tourismus kontaktiert. Eine Adresse findest du auf den offiziellen Seychellenseiten.

Beste Grüße
Frenki

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mr.minolta
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von mr.minolta » 03 Jul 2016 16:39

Hast Du Bilder von den Restaurants und den Jetski-Rasern an der Source? :(
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

Aus der Traum.

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mr.minolta
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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von mr.minolta » 03 Jul 2016 16:40

Oder von dem Drohnenwahnsinn?
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

Aus der Traum.

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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von Frenki » 03 Jul 2016 19:53

Moin, mr.minolta!

NEIN, sorry! Ich habe diesen Blödsinn nicht dokumentiert. Ich hatte nicht die Absicht, aus meinem Urlaub einen journalistischen Reißer zu machen (uupps, eigentlich schon. Aber in einem anderen Sinne!). Die Veränderungen auf La Digue - mit einer erkennbaren Tendenz - sind leider nicht von der Hand zu weisen.

Auf Bird habe ich mich abends lange Zeit mit Roby unterhalten. Über die Insel, natürlich. Hochinteressant! Die Devise lautet: Back to the roots", man könnte sagen "zurück in die Steinzeit"! Wer hier versucht, eine Drohne zu starten, schläft anschließend auf dem Gelände der Farm bei den Schweinen! Die Überlebenschancen dürften sehr gering sein - ich habe niemals zuvor eine so riesige Sau gesehen! Und der Nachwuchs ist nicht zu bändigen!

La Digue war ebenfalls ein Thema unserer Unterredungen. Man kann es zusammenfassen: Will ich nach La Digue, ist das mein Problem, nicht seines! Ich glaube, ein solcher Ton lässt tief, sehr tief blicken. Ich vermute, es wäre ein sehr interessanter Gesprächspartner für dich (Kontaktdaten gebe ich gerne per PN weiter).

Wer die "Restaurants" an der Source erstmals sieht, wird angenehm überrascht sein. Keine Aufdringlichkeit, kein Zwang. Ich hätte den Zustand von vor drei Jahren gerne zurück. Somit frage ich mich natürlich, wie du dieses Fleckchen Erde erlebt haben musst!?!

Hatte ich eigentlich erwähnt, dass die nächtliche Straßenbeleuchtung fast durchgehend ist? Mit dem Bau der Radwege hat man übrigens noch nicht begonnen. Vorher werde ich mich um die Eröffnung einer Hertz-Filiale bewerben ...

Trotzdem 'ne ruhige Nacht
Frenki

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Re: Bird Island & La Digue

Beitrag von mr.minolta » 04 Jul 2016 01:22

Frenki hat geschrieben: Somit frage ich mich natürlich, wie du dieses Fleckchen Erde erlebt haben musst!?!
Die Frauen wuschen ihre Wäsche in einem Bach. Die der Männer natürlich auch. Sie schlugen sie über die Granitfelsen, die er umspülte. Also die Wäsche, nicht die Männer. Das war 1997, nahe der Straße irgendwo zwischen dem Calou und dem Chateau. Die Wanderung zur Marron war praktisch unmöglich. Touristen kannten sie nicht und Einheimische ebensowenig oder sie verweigerten eine Führung trotz angebotener Bezahlung. Sie hatten Angst, dabei um's Leben zu kommen. Dafür waren sie unglaublich geil auf Devisen! Deutsche Mark waren der Renner. Man tauschte sie im Gebüsch von La Passe und bekam Traum-Kurse. In drei Wochen auf La Digue hab ich damals, was die Nebenkosten für Ernährung etc. betraf, praktisch umsonst gelebt. Im glasklaren Wasser des noch nicht ausgebauten Hafenbeckens lebten dermaßen viele Korallenfische, daß wir die Tauchgänge direkt dort machten und nicht unbedingt weiter rausfahren mußten. Unnötig zu erwähnen, daß man die Source wieder verließ, sobald dort mehr als 10 weitere Personen erschienen. Das war einem dann einfach zu voll. Und an der Cocos war man selbstverständlich von morgens bis abends vollkommen allein...

Abenteuerlich war die Versorgungslage. Außerhalb der morgendlichen und abendlichen Speisezeiten des Gästehauses war es fast unmöglich, etwas zu essen zu bekommen. Mittags ging das nur im Tarosa, falls man dort gerade mal Bock hatte, einem Touristen ein Omelette zu braten, und nachmittags gab es im Zerof eventuell ein Sandwich. Die Läden der Insel hatten außer Bohnenkonserven und Corned Beef so gut wie nichts. Fünf Autos gab es auf der Insel und es waren tatsächlich immer wieder dieselben fünf, die ich in den drei Wochen hier und da auf der Insel antraf.

Zahlreiche Bilder aus dieser guten, alten Zeit findest Du übrigens hier in meiner Klageschrift:
viewtopic.php?f=9&t=7166

Einige wenige Dinge haben sich allerdings bis heute nicht geändert: für einen Besuch im Tarosa muß man nach wie vor drei Stunden einplanen. Eine, bis die Bestellung aufgenommen wird, eine weitere, bis das Essen gebracht wird und eine letzte, bis die Rechnung kommt. Und leider gab es auch damals schon zahllose tragische Todesfälle unter Touristen, die dann für lange Zeit Inselgespräch waren. So erinnere ich mich an den Fall eines japanischen Brautpaares. Der Bräutigam stürzte an der Petite Anse in einen Felsspalt und wurde erst nach langer Zeit dort gefunden. Schwer verletzt und bewegungsunfähig fraßen ihn Krabben bei lebendigem Leib auf.

Diese und ähnliche Geschichten sowie die allgegenwärtige visuelle Wucht der damals fast unberührt erscheinenden Natur der Insel waren respekteinflößend und faszinierten mich zugleich. Bei einem eventuellen, zukünftigen Besuch der Insel müßte ich aber nun schon fast ein schlechtes Gewissen haben, Oktopussalat bei Jules zu essen. Der ehemalige kulinarische Geheimtip ist keiner mehr, alle kennen ihn und alle kriegen ihn. Und Jules läßt die Tiere längst tonnenweise aus dem Meer holen. Direkt bei ihm vor der Hütte holen angeheuerte, einheimische Taucher sie mehrmals wöchentlich aus dem Riff. Mit einem großen Boot und zahllosen Plastiksäcken, in denen er sie dann gleich einfriert. Mehrere Zentner gleichzeitig passen in seine Kühltruhen, die ich mir ansehen durfte...

Ansehen durfte ich mir 2001 auch den Sklavenkeller des Chateaus! Mit den Eisenringen an den Wänden, an denen die Dame des Hauses, so wurde gemunkelt, noch zu diesem Zeitpunkt gelegentlich arbeitsfaule Bedienstete festgebunden hat... Aber denen muß dann wohl die Flucht gelungen sein, die "arbeiten" heute alle im Tarosa.

In diesem Sinne, Gute Nacht!

La Passe 1997:
Bild

PS:
All denjenigen, die ein bißchen das Flair vergangener Zeiten spüren wollen, empfehle ich, während ihres La Digue-Aufenthalts einen einzigen Besuch im Tarosa zu machen: die unverhohlen lustlos und in ihrer schier unbeschreiblichen Langsamkeit schneckengleich über den sandigen Hof dieses Etablissements schlurfenden Bedienungen dürften weltweit einzigartig und ein erholsamer Gegensatz zu Selfiesticks, Drohnen und Jetski sein...
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

Aus der Traum.

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