Literatur von den Inseln

wie z.B. TV, Literatur, Werbung, usw.
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SeyShelley
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von SeyShelley » 25 Jan 2015 08:13

Hi Catie,

das freut mich riesig! ^^ Ich lese die meisten meiner Bücher auch auf dem Kindle. Ich hatte hier einen Thread eröffnet zu eBooks der Seychellen. Er war auf einmal weg, weshalb habe ich nicht mitbekommen, weil ich hier nicht regelmäßig bin. (War da was los ?)

Hi Suse, zwei Bücher habe ich mir schon heruntergeladen, die werde ich bald endlich mal auch lesen (zumindest habe ich den Autoren schon mal unterstützt mit dem Kauf ;) ). Das Kinderbuch hätte ich auch liebend gern, obwohl mein Kleiner eher ein Teneriffa-Fan geworden ist, da wir dort recht oft sind und die Seychellen sagen ihm nicht so viel, da war er noch so klein...

LG SeyShelley
*Mein kleines eBook auf Amazon: Reisetagebuch: 2 Wochen La Digue (Seychellen) 2012 - unsere Reise mit unserem fast 2-jährigen Sohn* :)

schildifan
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von schildifan » 01 Mär 2015 18:22

Ich habe gerade das Buch "Ein neuer Tag im Paradies" gelesen. Weiß jemand wie es mit ihnen weiter ging? Ob sie immer wieder mal die Inseln besuchten und ob die Insel-Freundschaften erhalten blieben....oder hatten sie "für alle Zeiten die Nase voll"? Lg Sandra

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Suse
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 04 Jun 2015 00:56

Ist ja nun schon eine Weile her, daß ich hier zuletzt ein Buch vorgestellt habe, was nicht zuletzt daran liegt, daß ich glaubte, mit der Seychellenliteratur so ziemlich durch zu sein.

Wie mir selbst schon beim Verfassen des Threads aufgefallen ist, sind, abgesehen von Gilbert Pool, alle Autoren europäischer oder US-amerikanischer Herkunft. Literatur nativer Seychellois/es scheint es kaum oder gar nicht zu geben. Ich forsche da aber (schon aus Eigeninteresse) mal weiter und würde mich freuen, etwas Derartiges hier dann mal vorstellen zu dürfen. Falls sonst jemand etwas kennt oder gelesen hat, immer her damit. :D

Das Seychelles Tourism Board, sofern man das als "einheimischen Autoren" bezeichnen darf, hat mehrere wirklich schöne kleinformatige Bildbände herausgegeben; wie ich in früheren Beiträgen bereits angedeutet habe, hätte ich diese gern genauer vorgestellt, sofern man mir denn mitgeteilt hätte, wie man diese Bücher aus Deutschland beziehen kann, denn ohne Bezugsquelle macht es nach meinem Dafürhalten wenig Sinn. Das STB, das sage ich hier mal so ganz unverblümt, stellt sich beim Marketing seiner Bücher jedoch leider reichlich dämlich an, so daß ich bislang wenig dazu sagen kann.

So gibt es ein sehr nettes Buch gleichen Titels über die Coco de mer, das in allen Buchläden auf den Inseln vergriffen ist, eine Freundin hat sich vor Ort redlich bemüht etwas in Erfahrung zu bringen, mehr als "Das ist ausverkauft" war aber leider nicht das Ergebnis.

Ein wirklicher Hammer ist Seychelles unexpected Treasures mit Fotos von Imran Ahmad:

http://www.pfsr.org/books-for-sale/seyc ... treasures/


Das Buch ist unfaßbar schön. Das STB hat es zu Recht als "Sammlerstück" bezeichnet, bloß über Vertriebswege haben sie sich keine Gedanken gemacht. ?(

Ich sach nix... Gerade dieses Buch dürfte für viele Seychellenreisende ein tolles Souvenir sein. Wer es während seines Seychellenaufenthaltes irgendwo sieht: Zuschlagen! Es lohnt sich! Es ist eine limitierte Auflage und aus dem Ausland bestellen kann man es derzeit leider nicht. :?

Eventuell erhalte ich noch ein paar Informationen über drei Ecken, mal sehen. Dann schreibe ich es hier.

Derzeit erwarte ich eine Lieferung ein paar etwas antiquarischer, aber nichtsdestotrotz noch über Amazon oder andere Quellen lieferbarer Seychellenromane aus England. Sobald ich sie gelesen habe, stelle ich sie vor. Fest steht schon jetzt, daß es sich dabei um eher romantische Schilderungen Auswandererlebens in den Tropen handeln wird.

Wer sich eventuell tiefer mit den Seychellen und ihrer doch faszinierenden politischen Geschichte, die fernab von reiner Strandromantik die abenteuerlichsten politischen Verwicklungen gesehen haben, beschäftigen möchte, dem empfehle ich folgenden Artikel:

http://adst.org/2015/04/seychelles-gangstas-paradise/

David Fischer war in den 80er Jahren US-amerikanischer Botschafter auf den Seychellen, das Interview wurde bereits 1998 geführt, der Artikel 2014 erstmals veröffentlicht. Wenn mal nur die Hälfte von allem, was er da erzählt, sich so abgespielt hat, ist es mehr als schade, daß er seine Memoiren dann doch nie geschrieben hat. Es wäre mit Sicherheit ein Buch geworden, das ich sofort gekauft hätte. Mich haben "Kolonialgeschichten" von jeher fasziniert und die Seychellen, wenn man diese teils bizarren Anekdoten aus den Zeiten des kalten Krieges im weitesten Sinne denn mal dazuzählt, haben davon eine ungeheure Menge geliefert. Unkontrollierbare Präsidentengattinen und Russen, die im Hafen von Victoria aus atomaren U-Booten US-amerikanische Satelliten mit Laserstrahlen zu blenden versuchen. Der Artikel ist ein Knaller, die Wirklichkeit ist am Ende eben doch immer verrückter als jede Fiktion, wobei meine Phantasie kaum ausreicht mir vorzustellen, wie 120 nordkoreanische Söldner sich auf den Seychellen gefühlt haben müssen. Wahrscheinlich wie die Pahlavis auf d'Arros, bloß umgekehrt. :lol:
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 06 Nov 2015 20:16

Ein Buch, das vermutlich den geschichtlich interessierten Silhouette-Besuchern gefallen dürfte, und vielleicht nicht nur denen:

http://www.seychellesnewsagency.com/art ... ge+to+life

Gelesen habe ich es nicht, ist auch gerade erst erschienen. Ich vermute anhand des Artikels aber, daß es, abgesehen davon, daß man die Hintergründe zu manchen heute touristisch genutzten und anderen historischen Gebäuden auf Silhouette erfährt, sicher auch an sich eine spannende Lektüre ist. Gespenstergeschichten inklusive... :wink:

Wenn ich es irgendwo mal kriegen sollte, würde ich wohl chronologisch vorgehen und zuerst dieses und danach dann Ron Gerlachs Buch lesen wollen. Bloß ist der Erwerb mal wieder nicht so ganz einfach, wenn man nicht gerade selbst auf Silhouette ist. Der Antigone Bookshop hat ja leider keinen Online-Handel und andere Vertriebswege habe ich jetzt so auf die Schnelle nicht ermitteln können.

Der Verkaufserlös fließt übrigens an eine Stiftung der Dauban-Nachkommen, die Gelder werden zur Unterstützung von Umweltprojekten, vor allem auf Silhouette, verwendet.

Gruß,

Suse
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 21 Feb 2016 20:49

Nach epischen Romanen, Kurzgeschichten und Bilderbüchern für die ganz Kleinen jetzt mal was für die Altersgruppe dazwischen:

Hill of Darkness

http://www.amazon.de/Hill-Darkness-Jan- ... 0571174078

Jan Michael ist eine britische Jugendbuchautorin, die einige Jahre ihrer Kindheit auf den Seychellen verbracht hat.

http://www.jan-michael.co.uk/hillofdarkness.html

In dem 155 Seiten umfassenden Buch hat sie ein Kindheitserlebnis verarbeitet, das sie, nach eigenen Angaben, für das Buch jedoch einigermaßen dramatisiert hat; so ist die Hauptprotagonistin des Buches dann auch keine Ich-Erzählerin, was ich persönlich geschickt gewählt finde, da so eine größere Bandbreite an Eindrücken und Gedankengängen transportiert werden kann, als das glaubwürdigerweise die Ansichten einer Grundschülerin hätten tun können, ohne altklug zu wirken.
Wie die meisten Seychellenromane lebt auch dieses Buch vor allem vom Exotismus der Inseln, dem unter dem dünnen Firnis des Katholizismus verborgenen zweiten geheimen Leben der Einheimischen, Greegree (oder Grisgris) genannt, von dem die Kinder zwar mitbekommen, worüber aber offen nicht gesprochen wird. Julia und ihr Bruder wollen schließlich selbst herausfinden, was es mit dem Greegree-Mann oben auf dem Hügel auf sich hat und klettern eines Nachts hinauf...

Anders als in "Edge of Eden", das ja immer wieder anklingen läßt, das Einlassen mit schwarzer Magie führe zu nichts Gutem (und dies ja dann am Ende auch dramatisch enden läßt), ist "Hill of Darkness" vollkommen wertfrei. Wenn das Buch überhaupt eine Botschaft vermitteln möchte, als nur einen Ausschnitt aus dem aufregenden, naturverbundenen Leben eines aufgeweckten, liebenswerten Mädchens auf den Seychellen zu erzählen, dann ist lediglich diese bei mir angekommen, daß man, wenn man Mist gebaut hat, dafür gerade stehen muß und das halt Mut erfordert. :wink:

Überhaupt kommt das gesamte Buch ohne oberlehrerhaften pädagogischen Zeigefinger aus und schafft es dennoch, eine Fülle an Informationen über die Seychellen zu vermitteln, die unauffällig in die Handlung eingebaut werden.
Was die Autorin, wie eben alle Engländer, meisterhaft versteht, ist, die Schönheiten der Natur zu schildern, ohne dies wörtlich auszuformulieren. Das vermittelt sich einfach durch die Erlebnisse des Kindes. Die Handlung ist in den 50er Jahren angesiedelt und einiges, was an Eindrücken vermittelt wird, sind Dinge, die so heute auf den Seychellen nicht mehr zu erleben sein werden, und das ist nicht nur negativ.
So nimmt das Buch beispielsweise auf die kaum jemals irgendwo erwähnte Tatsache bezug, daß an der gräßlichen Krankheit Elephantiasis tropica Erkrankte früher kein ungewöhnlicher Anblick waren, wohingegen diese Krankheit heute bis auf Madagaskar in den entwickelteren Ländern des indischen Ozeans gut behandelbar und dadurch an sich ausgerottet ist.

Eine deutschsprachige Version des Buches gibt es leider nicht, das Englisch ist aber leicht zu lesen, die Formulierungen entsprechen den Gedankengängen eines ungefähr 10jährigen Mädchens, man kann dem Inhalt sehr leicht folgen, auch mit nicht elaborierten Englischkenntnissen.

Für alle, die selbst gern nochmal richtig tief in die Seychellenatmosphäre eintauchen möchten oder mit Jugendlichen auf die Insel gereist sind, ist das Buch eine absolute Empfehlung. Die Handlung ist spannend, teilweise auch gruselig, aber niemals richtig grausig. Es ist auch für Erwachsene absolut lesenswert. Für mich eines der schönsten Bücher über die Seychellen, das ich bis jetzt gelesen habe.

Man bekommt das Buch nur noch antiquarisch beim Ausbeuter mit dem A oder mal bei Ebay. Es gibt auch Seiten, die das Buch zum Download anbieten, wie seriös oder virenfrei das ist, möge bitte jeder, der sich dafür interessiert, selbst überprüfen. I)
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von SeyShelley » 08 Mär 2016 10:51

Vielen Dank, Suse! Kurz nach deinem Posten habe ich mir das Buch bestellt, und mich wegen des "leichten" Englischs gefreut, aber es kommt trotzdem erst in ein paar Wochen. :roll:
Nachdem ich mir damals "Voices" bestellt hatte und gleich beim Vorwort wegen meiner eingerosteten Englisch-Kenntnisse aufgegeben hatte, lese ich es nun. Seit ein paar Wochen frischen mein "Schatz" und ich unsere Englisch-Kenntnisse auf und siehe da, jetzt klappts. Es sind zwar immer noch jede Menge fremder Vokabeln für mich vorhanden, aber das meiste verstehe ich.
Die persönliche Geschichte, vom Leben in Teheran zu der kleinen Seychellen-Insel, fand ich beeindruckend. Aber fast noch mehr mochte ich die Geschichte um Johnson, das Thema Neurodiversität finde ich sowieso unheimlich spannend. Ich vermute, Epilepsie ist dabei nur ein Symptom des beschriebenen Johnson.
So wie ich es verstanden habe, sind die Geschichten eine Mischung aus Erinnerungen und Erlebnissen des Autors, sowie Phantasie, oder? Ob es diesen Johnson wirklich gibt?
Weiter habe ich noch nicht gelesen. Ich finde es aber auch klasse, dieses andere Seychellen-Bild vermittelt zu bekommen, was abseits vom "Urlaubs-Erleben" existiert. Der Autor kann wirklich sehr gut schreiben, er hat eine tolle Beobachtungsgabe und Umsichtigkeit, es macht Spaß es zu lesen.
Ich freue mich aber auch auf das andere Buch, mit der schwarzen Magie. :-)

LG SeyShelley
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 14 Mär 2016 22:45

Hallo SeyShelley,

ob Johnson ein reales Vorbild hatte, weiß ich nicht, vielleicht ist er auch reine Phantasie. Das hast Du richtig verstanden, die Geschichten basieren nicht alle auf realen Erlebnissen. Das ist jetzt schon so lange her, daß ich das Buch gelesen habe, ich mußte jetzt erstmal nachsehen, welche Geschichte das überhaupt ist. :oops: Das ist die mit dem streunenden Hund, jetzt weiß ich's wieder, ja, die ist schön. Am liebsten mochte ich allerdings die Geschichte mit den drei Zimmermädchen im Hotel, die durchdrehen, weil sie auf dem Fußboden im Speisesaal einen undefinierbaren Gegenstand gefunden haben. Da bist Du dann wohl noch nicht, deswegen laß ich den Rest mal weg. Das ganze Theater in der Geschichte und die Auflösung fand ich richtig witzig. :D

Wenn Du mit Voices jetzt gut klarkommst, dann wird Hill of Darkness ein Kinderspiel. Das Buch wird Dir gefallen. Wenn Du Dich danach wieder an etwas Erwachseneres wagen magst, dann schlage ich nochmal The Edge of Eden von Helen Benedict vor. Das Buch habe ich weiter vorne schon vorgestellt, allerdings hab ich dann wohl gar nichts weiter dazu geschrieben, ist irgendwie untergegangen.

http://www.amazon.co.uk/Edge-Eden-Helen ... n+Benedict

Ich habe das Buch zweimal lesen müssen, bevor ich mir wirklich eine Meinung bilden konnte, schlußendlich kann ich sagen, daß es mir doch gut gefallen hat. Zuerst war ich gar nicht so angetan. Helen Benedict ist Amerikanerin, die Eltern waren Anthropologen, die in den 60er Jahren auf den Seychellen Feldforschung betrieben haben, und das merkt man dem Buch auch irgendwie an. Anfangs fand ich die Figuren als dermaßen klischeehaft gezeichnet und vor allem die in der Geschichte vorkommenden Amerikaner als so überlegen fortschrittlich dargestellt, daß ich mich richtig geärgert habe. Beim zweiten Lesen, als ich meine Vorbehalte dann beiseite gelegt hatte, fand ich die Geschichte weit weniger "platt". Die Entwicklng der Protagonisten ist doch schlüssig, vor allem den Kampf der Hauptfigur Penny gegen ihre Depressionen empfand ich keineswegs mehr als klischeehaft, sondern im Gegenteil als sehr intensiv und glaubwürdig dargestellt.
Die Geschichte ist auch spannend und das Englisch wesentlich leichter verständlich als beispielsweise in Voices. Da Du ja wohl viel auf dem Kindle liest, könnte ich mir vorstellen, daß das auch was für Dich wäre.

Ein paar Bücher hab ich noch in der Pipeline. Rosie Tirant-Longhurst, die Echoes from the Oasis geschrieben hat, schreibt aktuell wohl auch an einem neuen Seychellen-Roman.

Gruß,

Suse
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von SeyShelley » 29 Mär 2016 06:25

Hallo Suse,

Gris Gris auf den Seychellen, ich hätte nicht gedacht, dass das so ein Thema dort ist. Voodoo auf Haiti, na klar. Aber auf den Seychellen?
Es lohnt sich auf jeden Fall die Bücher zu lesen, da man völlig neue und andere Eindrücke vom Leben dort und der Geschichte erfährt. Ich habe mal nach Gris Gris gegoogelt und es gibt noch ein wohl sehr interessantes Buch, wo das auch drin vorkommt: Anthalie Ducrotoy, "Beautiful Isles, Beautiful People – A family in olde Seychelles 1780 – 1995". Mal sehen, ob ich das irgendwann ergattern kann.

Hill of Darkness hat mir sehr gefallen. Die beiden englischen Kinder in dem Buch haben mich im Verhalten und in ihrer Art zu sprechen sehr an meine damaligen Au Pair-Kinder in England erinnert, das war niedlich. So viele schöne, typische Eindrücke von Mahé werden vermittelt, von den Stränden, den Einheimischen, der Gefährlichkeit der Strömungen, der Fauna etc. Die Geschichte ist spannend und alles ist schön nachfühlbar beschrieben und eingebunden. Ich hebe das Buch nicht zuletzt für mein Söhnchen auf, wenn er dann mal Englisch lernt, wird es ihm gefallen. Wie schön, seine Kindheit inmitten so viel Natur und Freiheit verbringen zu können!

Ich lese immer noch in "Voices". Die Geschichte "Gris Gris" hatte ich schon gelesen, als du das geschrieben hattest. Ich war so gespannt, wer nun Recht behalten würde, der Manager mit seiner europäischen "Vernunft" oder die Angestellten, die an Gris Gris glauben. Das Ende war doppelt lustig, die Auflösung, was das nun war und die Bemerkung "Just as I thought.". Dieses Gris Gris haben wir auch öfter mal hier zu Hause, lach.

Ich finde faszinierend, wie unterschiedlich die Geschichten in "Voices" sind, jede ist ein Schatz für sich. Leviathan war unheimlich spannend und hat mich so ein bisschen teilweise an Hemingways Story mit seinem Marlin erinnert. Nur The Lament of Angeline werde ich kein zweites Mal lesen. Das war schockierend. Nicht das Unheimliche in der Geschichte, sondern ihr Leben davor. Puh!
Die Amirantes sind ja ein gutes Stück weg von den Hauptinseln, fast ein kleine eigene Welt, die Glynn Burridge so gut kennt. Und in die es unheimlich Spaß macht einzutauchen und kennen zu lernen. Die letzte Geschichte spielte jetzt aber zur Abwechslung mal nur auf Mahé. Und als nächstes lese ich, dass die Russen kommen. ;)

Ich habe mir Edge of Eden notiert, das klingt auch spannend. Ja, ich lese schon lieber auf dem Kindle. Ich finde es einfach bequemer. Und es spart Holz. ;)

LG SeyShelley
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 27 Apr 2016 22:59

Neues Buch, gerade erschienen. Vertriebswege - wie gehabt - keine. Man kann es also wohl aktuell nur vor Ort beziehen.

Es ist obendrein mordsteuer, aber wenn man sieht, was es ist, will man es trotzdem haben (ich jedenfalls :wink: )

Island Souls

http://www.seychellesnewsagency.com/art ... f+drawings

Für alle, die kreolische Portraits mögen und obendrein ein Faible für Michael Adams haben, ist das natürlich der Knaller. Der Preis aber eben auch.

Literatur ist es auch nicht wirklich, wenngleich das Vorwort von Glynn Burridge und somit sicher lesenswert ist, aber ich wollte es trotzdem vorstellen. Es ist bestimmt ein richtig tolles Souvenir.

Für alle, die das Buch nicht erwerben möchten: Die Originale der Portraits sind in Michael Adams Galerie an der Anse aux Poules Bleues anzuschauen. Sowieso ein Muß für jeden auch nur peripher an lokaler Kunst interessierten Seychellenbesucher. :D

http://www.michaeladamsart.com/blackandwhite.html

@SeyShelley: als nächstes habe ich ein mal ausnahmsweise vollkommen grisgris-freies Buch, vielleicht komme ich schon morgen dazu, was zu schreiben :wink:
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 29 Apr 2016 00:38

Leichte Lektüre für zwischendurch:

http://www.amazon.com/Stranded-Seychell ... B00IPJ9BIK

Stranded in the Seychelles ist die Geschichte zweier junger Engländerinnen, die in den 80er Jahren für einige Monate als Englischlehrerinnen auf den Seychellen leben. Das Buch ist Teil einer dreiteiligen Reihe, in der die Autorin ihre mit ihrer (übrigens fiktiven) Freundin Carol verbrachten wilden Jahre schildert. Die Seychellen selbst stehen hier nicht eigentlich im Fokus des Interesses der beiden Partygirls, das ist eher Zufall und dem Jobangebot geschuldet, daß sie dorthin verschlagen werden, es hätte genausogut irgendwo anders sein können, solange es dort Palmenstrände gibt.

Die Seychellen der 80er des vorigen Jahrhunderts, damals ja noch sozialistisch, sind dann auch in weiten Teilen nicht das, was die beiden Protagonistinnen erwartet haben. So führt der Mangel an Wissen über Land und Leute zu einigen skurrilen Situationen, die die Autorin mit viel Witz schildert. Dabei verschenkt sie zwar einiges an Potential (ein gescheiterter Putschversuch auf den damaligen Einparteienstaat, der während ihres Aufenthaltes stattfand, wird nur in einem Nebensatz erwähnt), aber die Intention des Buches ist es auch vor allem, einfach unterhalten zu wollen.

Der Schreibstil ist temporeich, manchmal sarkastisch, aber nie herablassend. Am Ende des Buches hat man einen Haufen englischer Schimpfwörter gelernt. Und ich war an einigen Stellen überrascht, wie anders es sich seinerzeit auf den Seychellen gelebt haben muß. Bev und die ja nicht real existierende Carol sind, so oberflächlich wie sie auf den ersten Blick wirken mögen, am Ende doch zwei ganz patente Frauen, die man ganz gern um sich hätte, wenn man in irgendeiner Bananenrepublik mit der Regierung aneckt - was die beiden übrigens tatsächlich tun.

Ganz abgesehen davon, daß es seinen ganz eigenen Charme hätte, mit einem Buch mit dem Titel "Stranded in the Seychelles" beispielsweise an der Marron zu liegen, wenn ein einheimischer Guide mit einem Trupp Italiener im Schlepp aus dem Gebüsch stürmt :wink: , ist das Buch eine großartige Strandlektüre.

Wer mehr über die Autorin wissen möchte, Interview hier:

http://www.seychellesnewsagency.com/art ... e+eighties
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 12 Jul 2016 20:13

Rosie Tirant-Longhurst, die "Echoes from the Oasis" geschrieben hat, veröffentlicht demnächst eine Fortsetzung. "Under stormy Skies" wird sie heißen und die Fortsetzung der Krankenschwesterngeschichte bis in die Gegenwart sein.

Die Autorin hat ihren Internetauftritt ziemlich gut überarbeitet. Auch wer sich für die Bücher nicht interessiert, mag hier vielleicht mal reingucken. Sind ein paar interessante historische Fotos in der Bildergalerie.

http://tirant.seychelleshistoricalnovel ... w-gallery/
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 05 Sep 2016 21:48

Zum richtigen Lesen komme ich im Moment leider gar nicht, aber ein paar Anregungen für die Leute, die sich Reiseerinnerungen gern in Buchform bewahren, hab ich zwischendurch trotzdem.

Da wurde ich zum einen auf dieses hier aufmerksam:

http://store.fabrica.it/products/the-pe ... mago-mundi

Wer vielleicht schon mehrere Inseln des Indiks bereist hat und sich für Kunst interessiert, wird das sicher zumindest mal anschauen wollen. Ich habe es kurz virtuell durchgeblättert und war überrascht, wie viele unbekannte Maler es auch auf den Seychellen noch gibt. Manche der Bilder würde ich mir am liebsten direkt an die Wand hängen.

Bestellen kann man es über amazon.it, da gibt es aber nur eine Beschreibung auf Italienisch, deshalb fand ich die oben verlinkte Seite besser.

Damit der andere Vorschlag nicht untergeht, bekommt er gleich einen eigenen Beitrag.
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 09 Dez 2016 12:31

Nachdem ich mal wieder Zeit zum Lesen gefunden habe, hab ich mir gleich einen dicken Wälzer vorgenommen. Und konnte ihn nicht mehr weglegen, was nur zum Teil damit zu tun hat, daß es sich um einen Seychellenroman handelt:

Sweet Seduction and the Third Mermaid von Catherine Olsen

Bei dem Titel denkt man jetzt unweigerlich an irgendeinen Schundroman, auf dessen Titelbild ein langhaariger Kerl mit abnormem Bizeps eine zerzauste Schönheit in zerrissener Rüschenbluse schützend in die Arme nimmt. Aber weit gefehlt.

https://www.amazon.de/Sweet-Seduction-T ... rd+mermaid

Das Buch kommt, wie man sieht, mit einer Michael Adams-Umschlaggestaltung daher und auch inhaltlich hat es nichts Schmuddeliges, wenngleich ein paar explizite Bettszenen vorkommen (die aber für die Entwicklung der Handlung erforderlich sind, wie man so schön sagt :wink: ).

Die Handlung ist in den Grundzügen ähnlich wie bei "Edge of Eden", es geht um eine junge Engländerin, die ihrem Ehemann auf die Seychellen folgt, als dieser dort die Stelle des High Commissioners übernimmt. Aus verschiedenen Gründen ist sie nicht sehr glücklich über diese Tatsache, nicht zuletzt deshalb, weil ihre beiden Vorgängerinnen beide auf den Seychellen unter ungeklärten Umständen den Tod gefunden haben. Ohne allzuviel zu spoilern kann man sagen, die Geschichte ist richtig spannend, vermischt dabei die - wie ich finde - recht gelungene Darstellung einer psychischen Erkrankung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen auf den Seychellen. Da die Handlung mehr oder weniger in der Gegenwart angesiedelt ist, begegnet man vielen Szenen, Hotelbeschreibungen und Stränden und Situationen, die man vielleicht im Urlaub selbst erlebt und gesehen hat. Es ist nicht so, daß die Seychellen hier nur als tropischer Hintergrund für einen Thriller dienen, die Inseln sind Teil der Geschichte.

Die Schilderungen des "diplomatischen Parketts" der Seychellen dürften durchaus authentisch sein, wenn man weiß, daß es sich bei "Catherine Olsen" um den Autorennamen von Kate Mancham, der Frau des Ex-Präsidenten James Mancham handelt. Kate Mancham selbst war allerdings nie die "First Lady" der Seychellen, sondern hat ihren Mann erst nach dem Putsch kennengelernt, lebt inzwischen aber schon seit den 90er Jahren mit ihm auf Mahé. Von der offenen Gesellschaftskritik und Bennennung einiger Auswüche des Tourismus war ich allerdings verblüfft.

Das Buch ist leicht zu lesen, auch mit mittleren Englischkenntnissen. Die Sprache ist nicht allzu elaboriert, die Sätze kurz, man kann der Handlung leicht folgen. Der einzige Kritikpunkt, den ich hätte, wäre, daß vielleicht zu viele Seitenhandlungen eröffnet werden, von denen einige am Ende etwas "wunderheilungsmäßig" gelöst werden. Aber das ist ein Problem, vor dem wohl jeder Autor steht, wenn er sein Buch nicht mit einem offenen Ende schließen lassen möchte. Die Figuren der Handlung sind alle gut ausgearbeitet, selbst die, die eigentlich gar nicht wirklich existieren... Und nicht zuletzt ist es schon überraschend, welche Person am Ende wessen süßer Verführung erliegt und wer die "dritte Meerjungfrau" ist. :wink:

Das Buch ist ein echter Pageturner.
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 14 Feb 2017 20:19

Worauf ich so lange gewartet habe, ist nun endlich erschienen: Ein Seychellenroman, geschrieben von einem gebürtigen und auf den Seychellen lebenden Seychellois. Ein "richtiger" Seychellenroman sozusagen und brandneu.

Beyond the Horizon von Robert Grandcourt

https://www.amazon.de/Beyond-Horizon-En ... Grandcourt

Wie man dem (übrigens von Michael Adams gestalteten) Umschlagbild bereits entnehmen kann, ist es ein historischer Roman. Robert Grandcourt, selbst Creole, vermischt hier die historischen Fakten, beginnend irgendwo zwischen dem Ende des 7jährigen Krieges und der Französischen Revolution, bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, so um den Zeitpunkt der Abschaffung der Sklaverei herum, mit der fiktiven Geschichte zweier Frauen, der auf Mahé und später Praslin lebenden Pflanzers- (und natürlich Sklavenhalters-)tochter Geneviève und ihrer Kinderfrau, der Ende des 18. Jahrhunderts (vermutlich aus Tanzania) verschleppten Sklavin Guga.

Das Buch ist einfach zu lesen, auch mit Schulenglischkenntnissen. Die ungefähr 350 Seiten hat man schnell durch, denn, wie viele historische Romane, die umfangreiche historische Fakten über einen langen Zeitraum in epischer Breite abhandeln, bleibt das Buch recht oberflächlich in der Ausarbeitung der Protagonisten. Wobei mir die erste Hälfte, die Schilderung des Schicksals der entführten Guga, die ihre neue Zwangsheimat voller Angst und mit einer gewissen Naivität wahrnimmt, besser gefallen hat, als die spätere Schilderung der Geneviève, die so allerhand Dinge erlebt, denkt und tut, die für eine Frau ihrer Epoche, streng katholisch erzogen und selbst auch gläubig, so nur schwer vorstellbar sind. Ohne zu spoilern kann ich es nur so zusammenfassen, daß der Autor anhand dieser Figur - vermutlich - seine Vorstellungen einer idealen Seychelloise entwirft, frei von Vorurteilen, mit wenig Selbstzweifeln und moralischen Bedenken und mit ein wenig zu viel Selbstvertrauen, so daß sie gesellschaftliche Konventionen und vor allem Rasseschranken anscheinend mühelos überwinden kann. Dies mag aber auch dem Umstand geschuldet sein, daß das Buch sich für Introspektionen im zweiten Teil nur wenig Zeit nimmt, da einfach zu viel passiert. Und das ist auch die Stärke des Romans, denn - soweit ich weiß - ist dies das erste Buch, das sich aus Sicht eines Nachkommens der ersten Creolen mit dieser Phase der Geschichte der Seychellen in Form einer Erzählung beschäftigt. Sachbücher zu diesem Thema gibt es zahlreiche, aber hier, und das macht der Autor wirklich gut, wird die Geschichte lebendig anhand der von den historischen Uwälzungen zum Zeitpunkt der französischen Kapitulation betroffenen Pflanzer und ihrer Sklaven.

Wenngleich manches auch ein wenig utopisch-idealisiert daherkommt, ist das Buch schon ziemlich spannend und die Figuren, auch die, die eher oberflächlich bleiben, gewinnt man schnell "lieb". Auffällig fand ich in diesem Zusammenhang, daß die Schönheit der Umgebung, anders als in den vorherigen Romanen, die ja allesamt nicht von gebürtigen Seychellos bzw. nicht im Lande lebenden Autoren verfaßt wurden, nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Die Inseln selbst werden eher mit einem gewissen Pragmatismus geschildert, der den Menschen ja vermutlich zu der Zeit, in der der Roman spielt, auch zu eigen war.

Natürlich bekommt man die Druckversion des Romans nur vor Ort in Victoria im Antigone Bookshop, über Kindle unlimited ist er derzeit aber noch kostenlos herunterzuladen. :wink:

Einen offiziellen Zeitungsartikel über die Buchveröffentlichung hab ich jetzt auch noch gefunden, da gibt's dann auch ein Bild des Autoren, falls das jemanden interessiert. Besonders schön finde ich aber das Zitat “Without the knowledge of the past, which the book is about, a nation is like a tree without roots: one which does not live and does not bear fruit.”

http://www.seychellesnewsagency.com/art ... arly+years
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Re: Literatur von den Inseln

Beitrag von Suse » 24 Apr 2017 17:14

Ein Buch, das zu den aktuellen rasanten Veränderungen auf den Inseln paßt, wie die Faust aufs Auge, ist

Poems and Short Stories of Seychelles and beyond von Marion Zarqani Gendron.

https://www.amazon.com/Poems-Short-Stor ... 0754117189

Das Buch ist auf englisch verfaßt, die Wortwahl ist recht elaboriert, ich mußte da so einige Male das Wörterbuch bemühen, weitaus überwiegend ist die Prosa aber mit Schulenglischkenntnissen zu verstehen; beim lyrischen Teil wäre ich mir nicht so sicher, aber Gedichte sind ja sowieso so eine Sache für sich. :wink:

Das Buch ist schon vor 15 Jahren erschienen, viele der Kurzgeschichten sind aber weitaus früher entstanden und spiegeln den für Einheimische bereits damals wahrnehmbaren zunehmenden Einfluß des Tourismus wider. So schildert die Autorin, eine gebürtige Seychelloise, verschiedene "letzte Gelegenheiten", liebgewonnene Orte noch einmal zu besuchen, bevor Privatisierung, Eröffnung touristischer Einrichtungen oder infrastrukturelle Erschließung sie wenig später vollständig veränderten. So erfährt man von geheimen Reisfeldern im Bergwald hinter der Police Bay, die vor unbefugtem Betreten durch allerlei Gris Gris-Zauber bewahrt wurden, bis die gesamte Region schließlich durch den Ausbau der Landstraße zugänglich gemacht wurde. Oder die Schwierigkeiten, North, früher einmal eine der landwirtschaftlich ertragreichsten Inseln der Seychellen, von aggressiven verwilderten Rinderherden zu befreien, derer nicht einmal südafrikanische Profijäger Herr werden konnten, so daß schließlich das Militär zu einer Großaktion anrücken mußte. Es sind diese, wie so oft, skurrilen Geschichten, die das Buch vor allem lesenswert machen und mich darüber hinwegtrösteten, daß die Prosa leider größtenteils recht platt heruntergeschrieben ist und über weite Teile an etwas lieblos verfaßte Reiseberichte erinnert, in denen die Ereignisse einfach chronologisch aufgezählt werden, ohne sich die Mühe zu machen, mal hier eine elegante Überleitung oder da eine humorvolle Vokabel einzubauen.

Etwas inspirierter wird der Stil, wenn die Autorin Naturbeobachtungen schildert, wie ein um seine Balance ringendes Schwalbenküken auf einem Kasuarinazweig. Da gibt es dann auch gelegentlich Inneneinsichten in ihre Wahrnehmung, Gedanken und Empfindungen, da gibts dann auch mal eine Metapher oder eine humorvolle Einlage, wie sich das eigentlich für eine ordentliche Kurzgeschichte gehört, in der, wenn sie fesselnd sein soll, aufgrund ihrer komprimierten Form eigentlich jeder Satz sorgfältig formuliert sein muß.

Im Lyrik-Teil des Buches, der den Kurzgeschichten vorangestellt ist, wird die Autorin, genrebedingt, sicher den meisten Tiefgang zeigen, nur war Gedichtanalyse leider nie mein Favourite, ich habe es immer gehaßt, Gedichte anhand Metrik und Reimschema auseinanderzupflücken und mir dann einzubilden, ich hätte jetzt verstanden, was der Poet mir sagen will, deshalb verzichte ich lieber darauf, dies hier auch nur beispielhaft zu tun, sondern beschränke mich lieber auf ein paar allgemeine Anmerkungen. Es ist ganz hilfreich zu wissen, daß die Autorin einer der führenden Köpfe der Baha'i-Bewegung auf den Seychellen ist. Es ist überdies nützlich, ein wenig über diese Universalreligion zu wissen, die sich ebenfalls auf das Alte Testament stützt. Die Baha'i sind auf den Seychellen recht aktiv, die Gemeinde ist insbesondere auf Mahé groß und auch einflußreich. Anderenorts, insbesondere im Ursprungsland des Glaubens, Iran, sowie zahlreichen anderen Ländern, sind die Mitglieder jedoch als religiöse Minderheit Verfolgungen und Repressalien ausgesetzt und davon wird einiges hier thematisiert und verarbeitet. Es macht es leichter, die Texte zu verstehen, wenn man dies weiß. Ich hatte das Glück, daß ein ehemaliges Forumsmitglied enge Kontakte zu der Baha'i-Gemeinde auf Praslin hat und mir mit ein paar Hintergrundinfos weiterhelfen konnte, ansonsten ist man auf ihre offiziellen Seiten angewiesen oder halt Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bahaitum

Da ich diesen Thread ja ursprünglich mal eröffnet habe, um Seychellen-Romane und ähnliche Literatur zu empfehlen und nicht zu verreissen, hätte ich jetzt eigentlich dieses Buch eher komplett unerwähnt gelassen, denn stilistisch hat es mir eher nicht so gefallen. Daß ich es hier dennoch erwähne hat vor allem damit zu tun, daß ich es aufgrund der Beschreibungen der zum Zeitpunkt der Entstehung der Geschichten touristisch noch nicht erschlossenen Inseln North, Cousine, der völligen Einsamkeit einer Police Bay und einiger doch recht gelungener Schilderungen seychellischen Lebens insgesamt für lesenswert halte, vor allem für Nostalgiker.

Wer sich näher mit den Baha'i beschäftigen möchte, könnte sich ein älteres Buch von Marion Zarqani Gendron zu Gemüte führen, The Seed is sown, das kenne ich allerdings nicht.

http://www.nation.sc/article.html?id=219167
Wenn Du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

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