Dschungelcamp an der Datumsgrenze

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Klara
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Klara » 17 Jun 2019 09:09

Danke, liest und guckt sich wieder sehr erbaulich.
LG
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Karambesi
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Karambesi » 17 Jun 2019 14:45

Einfach ein Wahnsinn, ich verschlinge euren Bericht förmlich, was für toller Urlaub, genau nach meinem Geschmack.

Die Campingdusche, ganz genau die gleich habe ich auch auf meiner Almhütte, nur bei mir ist das Wasser halt kälter .

Einfach nur ein ganz großes DANKE !!!! an Euch.

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mr.minolta
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 18 Jun 2019 01:17

Karambesi hat geschrieben:
17 Jun 2019 14:45
... genau nach meinem Geschmack.
Es freut uns sehr, daß es Dir so gefällt! Bild

Die Dusche war in unserem Fall übrigens nur bedingt tauglich. Am vorletzten Tag ist dieser unterdimensionierte Nippel des Ventils beim Betätigen abgebrochen. Wir behalfen uns dann mit einem der Wasserkanister, der in liegender Position mit nur halb vom Gewinde gedrehten Deckel die gleiche Funktion erfüllte. :wink:
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mr.minolta
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 18 Jun 2019 02:15

Dieses Drohnenfoto aus jüngerer Zeit zeigt die Insel in ihrer ganzen Pracht.

Irgendwie zu schön um wahr zu sein und dennoch Realität. Ein Paradies für die tierischen Bewohner und manchmal auch für zwei Menschen und eine Minolta... :wink:


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Viel wilder und landschaftlich abwechslungsreicher als erwartet empfängt uns die Insel und schon die erste von zahllosen noch folgenden Umrundungen mit der Kamera erscheint wie eine Offenbarung für jeden an der Natur interessierten Reisenden. Schnell wird dabei deutlich, daß es nicht die Vögel sind, die die Insel beherrschen, sondern die Einsiedlerkrebse und Krabben, die sämtliche topographischen Zonen besiedeln. Zunächst gibt es nur die Schätzung, daß es Tausende sein müssen, bis ich sie schließlich überschlägig zähle... Allein in direkter Nachbarschaft unserer Hütte krabbeln Tag und Nacht ca. 3000 Individuen über sandigen Boden, durch feuchtes Unterholz und in die untersten Etagen der Bäume, aus denen sie bei Verlust des Gleichgewichts herabfallen, um nicht selten mit lautem metallischen Knall auf der Wellblech-Umrandung der Feuerstelle zu landen.


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Die gesamte Population der Insel kann man nur schätzen, sie dürfte mindestens fünfstellig sein. Lebensmittelvorräte müssen akribisch verschlossen werden, um sie vor den gierigen Mini-Monstern zu schützen, die sich darüber hinaus über jede Art von Müll und Abfall hermachen. Den hängen wir deshalb in die Bäume, in verschlossenen Plastiktüten, die an jenem schrecklichen Tag, an dem man uns hier wieder abholen wird, ebenfalls auf dem Boot den Rückweg in die Zivilisation antreten werden. Unsere Müllstrategie ist aber nur bedingt erfolgreich. Nach einigen Tagen haben es die ersten Exemplare bis auf die unteren Äste geschafft und versuchen dort verzweifelt, die zugeknoteten Müllbeutel zu öffnen. Die Gefechte, die sie dabei untereinander um die besten Plätze austragen, enden früher oder später im Sturz vom Baum, was immer wieder für Belustigung sorgt.


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Als wäre dies noch nicht genug; auch der König der Krebse, der größte landlebende Arthropode der Welt, läßt sich blicken: Palmendiebe verlassen nachts das Dickicht des Regenwaldes und obwohl es sich noch um Jungtiere von der Größe einer abgeschälten Kokosnuß handelt, sind sie deutlich größer als ihre Verwandten, die sich hier zu Tausenden verbreitet haben. Wir verfolgen sie bei Dunkelheit mit Lampe, Kamera und Rollator im hohen Gras, sie sind sehr scheu und vorsichtig, wenn ihnen auch kein Artverwandter Konkurrenz machen kann. Anfassen verboten, das kostet schnell mal einen Finger...


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Auf allen Vieren kriechen wir unter die Hütte, wo sich nach Sonnenuntergang besonders viele Tiere versammeln. Auch der überwiegend nachtaktive Erdbeer-Einsiedler erscheint im Licht der Taschenlampe.


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Ein ganz ungewohntes Gefühl ist für mich als Wertgegenstands-Paranoiker die Tatsache, daß ich die Kameratasche völlig unbewacht überall auf der Insel herumliegen lassen könnte. Tatsächlich verbleibt der Rest der Ausrüstung immer im offenen Haus oder davor, wenn ich mich mit der Knipse und einem Objektiv meiner Wahl oder auch der Videokamera auf den Weg mache, die Insel zu umrunden, um eine weitere Expedition in's Tierreich zu unternehmen.
Zuletzt geändert von mr.minolta am 18 Jun 2019 03:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 18 Jun 2019 02:42

Genau 10 Minuten braucht es, mit zügigem Schritt einmal herumzulaufen und bis zu zwei Stunden dauert eine Fototour, wenn ich mich hier und da auf die Lauer lege. Gleich am ersten Nachmittag glaube ich, aus größerer Entfernung Papageien über die brandungsumspülten Felsen hüpfen zu sehen, aber nein, es sind Felsenkrabben von beträchtlicher Größe. Noch scheuer als ihre die Palmen bestehlenden Kollegen sind sie und es erfordert rund 10 Minuten Geduld und völlige Bewegungslosigkeit, bevor sie, zuvor in Felsnischen geflüchtet, sich wieder blicken und fotografieren lassen. Das bloße Drehen des Zoomrings am Teleobjektiv wird noch aus etlichen Metern Entfernung registriert und macht die Tiere in Sekundenschnelle wieder unsichtbar. Nach zwei bis drei Tagen haben sie sich jedoch an mich gewöhnt und sind deutlich gelassener.


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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 18 Jun 2019 02:52

Wie im Rausch starre ich durch den Sucher und warte auf den richtigen Moment, während mich Schwarznacken-Seeschwalben mit Scheinangriffen und schrillem Gezeter aus ihrem Brutrevier vertreiben wollen. Die knallbunten Krabben tanzen gerade zu Dutzenden auf den brandungsumspülten Felsen umher, da spüre ich ein Kribbeln und Zwicken an den Zehen. Die auch hier allgegenwärtigen Krebse untersuchen meine Füße auf mögliche Genießbarkeit. Tölpel stoßen aus großer Höhe herab und mustern mich. Neugierig drehen sie den Kopf und schauen mir im Vorbeiflug in die Augen. Ein paar Meter seitlich von mir windet sich eine meterlange Muräne durch einen Schwarm vom offenen Wasser isolierter Brassen hindurch aus einem Gezeitentümpel heraus und schlängelt über Land bis zur nächsten Pfütze.

Ich glaub, ich bin im richtigen Film! Mehr geht nicht. Herrlich!

Und deswegen sind wir hier. Irgendwie allein auf der Welt. Um uns herum nur Wasser, Wald und Wildnis.


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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Klara » 18 Jun 2019 09:36

mr.minolta hat geschrieben:
18 Jun 2019 02:52

Bild
Der gefällt mir besonders gut, klasse "erwischt". Ich hätte nie gedacht, dass die Krabben sich über Essensreste hermachen. Erstaunlich finde ich auch, dass die großen so scheu sind bei quasi unbewohntem Gelände.
Danke + LG
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 18 Jun 2019 13:05

Neben der überwältigenden Präsenz der Krebstiere sind es auch die landschaftlichen Eindrücke, die uns begeistern. Hinterlassen Satellitenbilder und Drohnenfotos zunächst noch den Eindruck, es handle sich um eines dieser kleinen Eilande wie man sie typischerweise auf den Malediven oder in Französisch Polynesien findet, vermittelt die Insel schon von Beginn an ein ganz anderes Bild. Nicht überwiegend Kokospalmen, gleichmäßig von Sandstrand umrahmt, bestimmen das Bild. Den gibt es auch, aber er kommt und geht mit den Gezeiten. Teilweise verschwindet er ganz, wie man es auch von einigen Buchten auf den Seychellen kennt. Auch wachsen Palmen nur in kleinen Gruppen und weit voneinander entfernt. An der Küstenlinie verändert die Insel ständig ihr Gesicht und bietet in jeder Himmelsrichtung auch unterschiedlich strukturierte Strände. Eben noch lieblich tropisch mit Palmen und Sand, ist es plötzlich rauh und wild und bei Niedrigwasser treten riesige fossile Korallenplatten zu Tage.


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Neben Totholz, Korallenbrocken und zahllosen Mördermuschelschalen findet man an jedem Morgen auch verendete Krabben, die die Dynamik der letzten Flut nicht überlebt haben und in Folge zur begehrten Beute von Vögeln und Artgenossen werden.


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Darunter gibt es immer wieder Exemplare, die noch unversehrt wirkend und wie von Menschenhand drapiert auf Felsen oder Ästen liegen. Kommt nun doch des Nachts ein Fremder auf die Insel, um uns an der Nase herumzuführen? Ich schwöre, daß nicht ich die Krabbe für's Foto dorthin gesetzt habe.


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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 18 Jun 2019 13:22

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Ich arrangiere die maritimen Fundstücke des Tages für ein kitschiges Foto und bekomme sofort Besuch von der Inselpolizei. Die ist einfach überall und läßt sich viel Zeit für eine ausführliche Inspektion.


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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 18 Jun 2019 13:36

Vor allem am Oststrand zeigt die Insel aufgrund der vorherrschenden Windrichtung ein zerklüftetes Gesicht. Hier lassen sich zu fast jeder Tageszeit die meisten Tiere beobachten. Vögel nutzen den Aufwind und die Krabben gehen bei Flut an der Wasserlinie auf die Jagd.


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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 18 Jun 2019 13:48

In jeder Nacht werden tonnenweise Korallenbruch und Muschelsplit auf den Strand geworfen. An der südlichen Hälfte Luahokos bildet sich dabei Tag für Tag eine neue dünenartige Abbruchkante, die an unsere heimischen Inseln erinnert. Ein bißchen Sylt in der Südsee. Aber nur ein bißchen... :wink:


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Farben und Formen begeistern immer wieder, sei es bei bestem Wetter am Oststrand oder nach heftigem Gewitter am Weststrand.



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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von foto-k10 » 18 Jun 2019 16:39

mr.minolta hat geschrieben:
18 Jun 2019 13:22
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Na, das sind doch Betonplatten von La Digue? :mrgreen:

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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von belize » 18 Jun 2019 19:59

Herrlich diese Fotos, besonders die grün-violetten Krabben find ich modelmäßig toll! Und die Farben!!!
Das Drohnenfoto zeigt genau die Landungsstelle...etwas gruselig, wenn man sich vorstellt, dort ins offene Meer gezogen zu werden! Konntet ihr von Luahoko Foa sehen? Und Uoleva?

Vielen Dank mal wieder.

Was Darren wohl für eine Drohne benutzt? Das sieht ja sehr professionell in der Richtung aus?

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Pico
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von Pico » 18 Jun 2019 21:30

Faszinierende Fotos, Mister!

Ich kann mir bildhaft vorstellen wie du völlig begeistert mit deiner Kamera - teilweise krabbelnd und ordentlich verrenkt - das Inselchen eroberst. Die Bilder sprechen jedenfalls dafür. :D

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mr.minolta
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Re: Dschungelcamp an der Datumsgrenze

Beitrag von mr.minolta » 18 Jun 2019 22:52

Pico hat geschrieben:
18 Jun 2019 21:30
Faszinierende Fotos, Mister!

Ich kann mir bildhaft vorstellen wie du völlig begeistert mit deiner Kamera - teilweise krabbelnd und ordentlich verrenkt - das Inselchen eroberst. Die Bilder sprechen jedenfalls dafür. :D
Vielen Dank! :oops:

Und wie Du es beschreibst... GENAU so ist es gewesen. :lol:
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