Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Alles über andere Länder abseits der Seychellen - Infos, Berichte, Anfragen...
Benutzeravatar
mr.minolta
Beiträge: 1447
Registriert: 04 Jun 2008 00:39
Wohnort: In den Sümpfen

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von mr.minolta » 24 Jul 2018 20:03

Frenki hat geschrieben:Die arme Suse sitzt daneben, und kann nicht tippen ...
Heute abend geht's weiter! :wink:


Bild
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

Aus der Traum.

Benutzeravatar
Suse
Beiträge: 1849
Registriert: 19 Aug 2009 22:07
Wohnort: zwischen Tegel und Trabrennbahn

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Suse » 24 Jul 2018 20:19

Lars hat geschrieben: OK, ihr mögt beide nicht den Flieger... :lol:
Ach, ich bin da eigentlich ziemlich schmerzfrei, was das Langstreckenfliegen angeht. Ich fand den Airbus auch nicht schlimmer oder besser als diese anderen fliegenden Legebatterien. Daß das nur 470 Leute sein sollen, kann ich aber gar nicht glauben (glaube ich Dir aber natürlich :wink: ), das wirkt so viel mehr. Wenn man schon diesen zweiten Aufgang ins Oberdeck sieht und nachher die Menschenmassen an der Immigration, ätzend.
Frenki hat geschrieben:Die arme Suse sitzt daneben, und kann nicht tippen ...
Keine Sorge, wir leisten uns jeder einen Schreibtisch für sich! :lol: Deshalb gehts jetzt auch weiter.
Wenn Du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

Benutzeravatar
Suse
Beiträge: 1849
Registriert: 19 Aug 2009 22:07
Wohnort: zwischen Tegel und Trabrennbahn

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Suse » 24 Jul 2018 20:56

Am nächsten Morgen geht es weiter gen Süden. Wir verlassen Miami Beach mit einem letzten Blick vom Balkon. Jetzt, wo wir abreisen, läßt der Wind langsam nach, war ja klar.

Wie viele andere Männer ist auch mr.minolta der Meinung, daß es eigentlich seiner unwürdig sei, ausgerechnet in einem USA-Urlaub irgendwas unter 300 PS geschweige denn einen Kompaktklassewagen zu fahren. Aber der Toyota iA erweist sich tatsächlich als Packesel, für den verhältnismäßig kleinen Wagen ist der Kofferraum erstaunlich geräumig und wir bekommen unsere Koffer und sämtliche Walmart-Neuanschaffungen problemlos hinein.

Im Chaos des Auszuges ist zwar meine brandneue Speicherkarte im Lexington zurückgeblieben, aber da noch kein Foto darauf war, ist der Verlust zu verschmerzen und außerdem habe ich das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bemerkt. Also fahren wir gut gelaunt los. Weil wir ein bißchen Landschaft gucken wollen, vermeiden wir den Turnpike und fahren durch Miami Downtown und seine schönen Alleen hinaus aufs Land.


Bild


Eine erste Pause gibt’s in Homestead, wo wir einen Burger essen, dann geht’s weiter hinaus auf die Keys.
Durch die vielen Ampeln zwischen Miami und Homestead kommt der Verkehr nicht so richtig in Fluß, aber auf dem Overseas Highway merkt man wieder deutlich, daß das Fahrverhalten der Amerikaner sich verändert hat. Obwohl wir immer am oberen Limit fahren, werden wir ständig überholt, auch im Überholverbot, wer nicht überholt, fährt dicht auf und drängelt. Geschwindigkeitsbegrenzungen scheinen keinen großen Geist mehr zu scheren, auch wird auf Schildern und unter Androhung einer über 100 Dollar hohen Fine auf das Rechtsfahrgebot für langsamere Fahrzeuge hingewiesen. Wir gucken erstaunt. Ich verstehe nicht so ganz, wie man auf manchen Strecken ein Rechtsfahrgebot vorschreiben kann, wenn die Gestaltung der Highways darauf ausgerichtet ist, daß es bislang so etwas nicht gab und sich auf den Mittelstreifen immer wieder Ladenzeilen, ganze Wohnblöcke und anderes befinden. Wie soll man die denn erreichen, ohne zuvor auf der linken Spur vor dem Ausfahren entsprechend abzubremsen? Wenn dies aber gleichzeitig die Spur für die schnelleren Fahrzeuge sein soll, paßt für mein Verständnis da etwas nicht zusammen, und es ist vorprogrammiert, daß man sich gegenseitig behindert.

Eine solche Stelle ist zum Beispiel das Shell World auf Key Largo. Die Einfahrt zu dem Souvenirshop liegt ein bißchen versteckt auf dem Median, wenn man es weiß, erkennt man das rosagrüne Schild aber bereits von weitem.

https://www.miami.com/things-to-do-in-m ... re-192544/

Hier haben wir beim letzten Besuch ein paar schöne Erinnerungsstücke gekauft und wollen mal wieder gucken. Das Ausfahren gelingt auch ohne angehupt zu werden, und wir stöbern ein bißchen im Laden herum. Schöne Sachen haben sie hier, auch wenn die vielen Muscheln und Sanddollars sicher nicht aus Florida stammen, sondern vermutlich eher von den Philippinen oder was weiß ich woher. Insgesamt sind die Souvenirs aber der gehobenen Kategorie zuzurechnen, wenig Plastik, aber die Preise sind auch entsprechend und die gleiche Begeisterung wie beim ersten Besuch, als ich den Laden hätte halb leerkaufen mögen, stellt sich diesmal nicht wieder ein. Was ja auch seine Vorteile hat.

Wir sind ziemlich gut in der Zeit und beschließen einen kleinen Abstecher in den Pennekamp State Park und einen Spaziergang durch die Mangroven zu machen. Vielleicht haben wir Glück und sehen ein verspätetes Manatee oder einen kleinen Hai. Aber wir haben Pech und sehen gar nichts, denn der Mangroven-Boardwalk ist nach den Schäden durch Irma 2017 immer noch geschlossen. Nun kosten die State Parks ja immer einen kleinen Obolus Eintritt und wo wir jetzt schon einmal da sind, wäre es blöd, einfach wieder zurück auf den Highway zu fahren, so daß wir zumindest einen kleinen Rundweg durch den Wald gehen.

Eingehüllt von den fremdartigen Gerüchen der permanent ablaufenden Fäulnisprozesse des Subtropenwaldes, die sich von denen eines deutschen Frühlingswaldes ja doch ein bißchen unterscheiden, ist es, als wäre mein letzter Tag auf La Digue im Witwenreservat gerade erst gestern gewesen, es ist ein richtiger Erinnerungsflash. Herrlich, jetzt fehlt nur noch ein offenes Laubfeuer und ein Schluck Rum.

Während wir langsam herumgehen, kommt die Sonne heraus und mit ihr die kleinen Rotkehl-Anolis. Wir halten uns eine ganze Weile hier auf, da die Tiere zunehmend die Scheu verlieren und sich immer besser fotografieren lassen.


Bild

Bild

Bild

Bild

Bild


Danach geht es zurück auf den Overseas Highway, an dem entlang sich die größeren Keys wie Perlen an einer Schnur aufreihen. Parallel dazu verläuft die alte Trasse der Florida East Coast Railway, die seit 1935 nicht mehr in Betrieb ist und langsam von der Natur erobert wird. Auf der 7 Mile-Bridge der unverwüstliche Fred mit Fred junior, zwei Kasuarinen, die sich insbesondere nach den Verwüstungen, die Hurrican Irma 2017 hinterlassen hat, zu einem kleinen Nationalsymbol der Keys ausgewachsen haben und vermutlich einer steilen Karriere als öffentliche Weihnachtsbäume entgegengehen. Aus „Guck mal, da wächst was!“, wie wir vor 5 Jahren im Vorbeifahren noch ausgerufen haben, ist inzwischen ein Baum mit Namen und Fanpost geworden. Wer Fred schreiben möchte, er hat eine eigene Facebookseite. Wie ich gelesen habe, antwortet er sogar:

https://www.facebook.com/FredtheTree1/


Bild

Bild
Zuletzt geändert von Suse am 25 Jul 2018 01:22, insgesamt 2-mal geändert.
Wenn Du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

Frenki
Beiträge: 857
Registriert: 18 Aug 2015 15:40
Wohnort: Osnabrücker Land

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Frenki » 24 Jul 2018 21:06

Ich hatte gerade 'ne Erscheinung! Ich glaub, ich brech zusammen ...

Suse hat geschrieben: Keine Sorge, wir leisten uns jeder einen Schreibtisch für sich! :lol:
Ätsch! Bei uns gibt's 3! Aber das sind meine! In U-Form. Und wenn ich Platz nehme, sieht mich keiner mehr :mrgreen:

Suse, hau rein! Ich muss ins Bett ...

... oder nach Hause! :mrgreen:

Benutzeravatar
Suse
Beiträge: 1849
Registriert: 19 Aug 2009 22:07
Wohnort: zwischen Tegel und Trabrennbahn

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Suse » 24 Jul 2018 21:14

Wir kommen ohne Stau nach Key West hinein und suchen unser Motel in einer Seitenstraße. In der hereinbrechenden Dämmerung passieren wir die kleinen karibisch anmutenden Holzhäuser mit ihren üppig bewachsenen Veranden und Zäunen. Key West hatte mein Herz bereits auf der ersten Floridareise im Handumdrehen erobert. Nicht nur die Häuser, es war eher die gesamte Atmosphäre, die ihr Althippieflair und ihren dörflichen Charakter bei allen Touristenmassen, die sich durch die schmalen Straßen wälzen, nie zu verlieren scheint. Wo sonst hat man jemals gesehen, daß ein Hausbesitzer ein einem tiefhängenden Ast vor seiner Gartenpforte ein Kissen umbindet, damit spätheimkehrende Partypeople sich nicht den Kopf stoßen.


Bild

Bild

Bild


Unsere Unterkunft ist das El Patio http://www.elpatiomotel.com/ und gefällt uns auf Anhieb. Das sollte es besser auch, denn es war nicht gerade günstig. In der Fassade finden sich die Stilelemente der Art Déco Gebäude des Ocean Drive wieder, der Patio, von dem es seinen Namen hat, ist üppig bepflanzt. Der Pool ist klein, aber den nutzen wir während unseres Aufenthaltes sowieso nicht.


Bild

Bild


Der ältere Herr an der Rezeption, der aussieht wie ein wachechter „Conch“, gibt uns ein Zimmer im Erdgeschoss. Das Zimmer ist von innen passend zum Stil des Hauses plüschig-tropisch eingerichtet mit Rattanbetten und bonbonfarben geblümten Überdecken. Was leider fehlt, ist eine Kaffeemaschine, mit der man sich mangels Frühstücksangebot bei Tagesanbruch wenigstens selbst den notwendigen Treibstoff zubereiten könnte. Somit endet der Tag, wie wir es aus Miami gewöhnt sind, mit einem Besuch im Supermarkt. Einen Walmart gibt es hier nicht, aber einen Publix und einen K-Mart, so daß es an Frühstückszutaten keinen Mangel hat. Wir decken uns mit Gebäckteilchen, Saft und Eiskaffee ein, dazu ein paar Breezer mit tropischen Geschmacksrichtungen, mit denen wir den Abend dann auch ausklingen lassen.

Untermalt vom Krähen der Key West’schen Hähne nuckeln wir an unseren Cocktails. Mein Mann zieht sich, draußen in seinem limettenfarbigen Klappstuhl rauchend, den Unmut des ortsansässigen Chef-Anolis zu,


Bild


der ihn aus der Farnrabatte mißtrauisch beäugt, während ich, angefixt von der Fahrt durch die Washington Street, das stabile W-Lan nutze und direkt mal die Immobilienangebote von Key West studiere. Hier zu leben, das wäre ein Traum. Aber es wird wohl einer bleiben, denn es ist nichts dabei, das zu unserem Ge…schmack passen würde. Hüstel.
Zuletzt geändert von Suse am 24 Jul 2018 21:29, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn Du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

Frenki
Beiträge: 857
Registriert: 18 Aug 2015 15:40
Wohnort: Osnabrücker Land

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Frenki » 24 Jul 2018 21:20

Die Beiträge haben sich überschnitten, somit danke ich für die Fortsetzung :D

Sehr schön geschrieben und wunderbar fotografiert!

Braucht ihr vielleicht einen Manager ...? I)

Robby
Beiträge: 140
Registriert: 18 Apr 2017 18:06

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Robby » 24 Jul 2018 21:38

mr.minolta hat geschrieben:
Dieses hier mag ich ja besonders gerne :wink: :

Bild
Ein wenig La Digue in Miami ...

Gefällt mir sehr gut Euer Bericht. Bin auf die Fortsetzung gespannt :).

LG Petra

Benutzeravatar
Lars
Admin
Beiträge: 224
Registriert: 24 Okt 2001 18:17
Wohnort: Paderborn
Kontaktdaten:

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Lars » 24 Jul 2018 21:45

Bei den ganzen kleinen Drachen kann ich auch einen dabei geben. Auch von den Keys. An einem Strand wo wir einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Key West gemacht hatten...

Bild

Den hatten meine Kinder entdeckt. Erst raschelte es, dann "Wow schaut mal". Und der "Kleine" war recht groß von Nase bis Schwanzende sicherlich >75cm. Keine Ahnung was das für einer war, aber der hatte etwas...

Ciao Lars

Benutzeravatar
mr.minolta
Beiträge: 1447
Registriert: 04 Jun 2008 00:39
Wohnort: In den Sümpfen

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von mr.minolta » 24 Jul 2018 21:57

Oh, vielen Dank! :D

Wir freuen uns sehr, daß es Euch gefällt.
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

Aus der Traum.

Benutzeravatar
mr.minolta
Beiträge: 1447
Registriert: 04 Jun 2008 00:39
Wohnort: In den Sümpfen

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von mr.minolta » 24 Jul 2018 22:14

Lars hat geschrieben:... kleinen Drachen...
Das ist ein Grüner Leguan!

Wann war Eure Reise? Möglicherweise hast Du da "Glück" gehabt, denn vor Jahren waren sie in Florida noch nicht sehr häufig. Sie sind Invasoren, also Fremdfauna! Und mit dem Thema hast Du unwissentlich etwas vorweggenommen, denn bis heute sind sie zu einer Plage geworden, die wir noch dokumentieren wollten/werden.

Im Ursprung entflohene oder ausgesetzte Terrarientiere, haben sie sich im Süden Floridas zu großen Populationen entwickelt, die beispielsweise Gemüsegärten plündern oder aufgrund ihrer teilweise massiven Präsenz einfach als lästig betrachtet werden. Auch einheimische Fauna ist durch sie bedroht, wenn ich auch diesen Faktor als bisher nicht gravierend ansehe und die zum Teil organisierte Verfolgung der artgeschützten Tiere nicht gutheißen mag.

Wir zeigen später noch Bilder eines ziemlich schrägen Auftritts der Leguane, irgendwie bizarr, aber auch zum Schmunzeln anregend... :wink:
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

Aus der Traum.

Benutzeravatar
Suse
Beiträge: 1849
Registriert: 19 Aug 2009 22:07
Wohnort: zwischen Tegel und Trabrennbahn

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Suse » 24 Jul 2018 23:37

Am nächsten Morgen hat sich der Wind, der auf der Fahrt von Miami hierher bereits stark nachgelassen hat, vollständig gelegt und es ist sehr heiß. Bei unserem letzten Besuch in Key West haben wir in einem Motel ganz in der Nähe gewohnt, aber der Marsch vom El Patio bis an den Hafen zieht sich weit mehr, als wir das in Erinnerung hatten. Die Simonton Street kommt uns endlos vor, und obwohl wir oft stehenbleiben, die Häuser bewundern oder mit Bedauern die Schäden betrachten, die Irma 2017 hinterlassen hat, geht uns das Latschen in der Hitze ziemlich bald auf den Keks.

Irgendwann sind wir am Hafen angekommen und der erste Weg führt uns direkt zum Tickethäuschen des Dry Tortugas Nationalparks. Die Dry Tortugas, so genannt, weil es auf ihnen kein Süßwasser gibt, sind eine kleine Inselgruppe einige Meilen vor Key West, und das auf einer dieser Inseln errichtete Fort aus Bürgerkriegszeiten ist einer der Lieblingsplätze meines Mannes mit für ihn unendlichen Fotomotiven.

http://www.drytortugasinfo.com/?gclid=E ... gJHFfD_BwE

Was mich betrifft, ist meine Begeisterung für das Gebäude nicht ganz so groß wie seine; es ist imposant und als historisches Denkmal natürlich interessant. Es lohnt sich, es mindestens einmal zu besuchen und auch eine Führung zu buchen. Als noch viel spannender empfand ich jedoch die ungefähr zweieinhalbstündige Fahrt mit der Fähre mit dem passenden Namen Yankee Freedom, von der aus ich so ziemlich alles gesehen habe, was es in den flachen Wassern der Karibischen See so zu sehen gibt, Delphine, Haie und wunderschön leuchtende rote Karettschildkröten. Ganz nebenbei kann man sich mit amerikanischer Haute Cuisine wie Toast mit köstlicher Erdnussbutter und Gelee vollstopfen, so daß ich nach etwas Überlegung doch noch mal für einen weiteren Ausflug zum Fort zu überreden war. Der Spaß ist nämlich nicht ganz billig, aber das muß uns letztlich nicht kümmern, denn wie wir erfahren, sind sämtliche Fähren für alle 5 Tage, an denen wir in Key West sein werden, ausgebucht. Die einzige Chance, so sagt die Dame am Schalter, sei es, wenn jemand sein Ticket storniere, so daß wir entscheiden, uns heute am Hafen aufzuhalten und regelmäßig nachzufragen.

Ein bißchen frustriert stapfen wir von dannen und hoffen, daß wenigstens unsere zweite Unternehmung klappen wird, bei der wir auf freie Plätze angewiesen sind. Einen Sunset-Sail mit der America 2.0.

http://www.sail-keywest.com/browse-by-t ... s-cruises/

Hier im Hafen von Key West liegen viele große und auch schöne Schiffe, aber dieses sticht heraus mit seiner klassischen Eleganz. Auch wenn es natürlich ein Nachbau der echten America ist. Am Steg ist ein kleiner Tresen aufgebaut, dahinter ein seemännisch aussehender älterer Herr, der gerade auf seinem Laptop irgendein Jahrzehnte altes Formel 1-Video guckt.



Bild

Bild

Bild


Wir haben Glück, es sind jede Menge Plätze frei auf der America, die Wetteraussichten für eine Fahrt in den Sonnenuntergang mit kleinen Hors d’Oeuvres sind sehr gut. Natürlich hat dies dann nichts mit richtigem Segeln auf einem Rennboot zu tun, aber das ist ja auch gar nicht der Sinn der Sache, man kann ja kaum Häppchen essen und ein Schampusglas in der Hand halten, wenn das Boot mit Schlagseite in der Dünung krängt, oder wie man das nennt.

Unser Kartenverkäufer ist entzückt, daß wir aus Deutschland sind. Einmal auf dem Nürburgring fahren, das sei sein Traum. Ich persönlich finde Formel 1 ja noch mehr gähn als Fußball, auch Ayrton Senna und seine außergewöhnliche Karriere sind an mir komplett vorbeigegangen, aber mr. minolta und er haben jede Menge Gesprächsstoff. Wir bekommen dann auch einen kurzen Exklusivblick auf das Schiff sowie ein paar technische Erläuterungen gewährt, betreten dürfen wir es aber aus versicherungstechnischen Gründen vorab nicht. Mit unseren Tickets für den heutigen Abend, wandern wir zurück zum Fort Jefferson-Schalter, aber bislang hat niemand die Lust auf einen Ausflug zum Fort verloren, keine freien Plätze.

Hier, im hinteren Bereich des Hafens, liegen nur noch wenige größere Schiffe, die meisten sind kleinere Boote, die ihre Ausbeute der morgendlichen Ausfahrt im Hafen ausnehmen und in die Kraals werfen. Die Kraals, ein Relikt aus den Zeiten des industriellen Schildkrötenfangs, dienten früher dazu, die Schildkröten bis zum Abtransport lebend zu verwahren, und bilden heute den historischen Mittelpunkt des Hafens von Key West. Um sie herum haben sich einige Einrichtungen etabliert, die Schildkröten im weitesten Sinne zum Thema haben, vor allem das Turtle Cannery Museum.

https://www.keywestturtlemuseum.org/


Bild


Das Turtle Museum, früher eine Privatinitative, gehört heute zur immer größer werdenden Gruppe der von Mel Fishers Nachkommen betriebenen Einrichtungen, ist aber immer noch kostenlos zu besuchen, lebt von Spenden, dient vor allem wohltätigen, der Sache der Schildkröten dienenden Zwecken und arbeitet eng mit dem Turtle Hospital auf Marathon Key zusammen.

Drinnen gibt es unregelmäßige Erläuterungen, die an keinen bestimmten Zeitplan gebunden zu sein scheinen, sondern immer dann stattfinden, wenn sich genügend Besucher gleichzeitig aufhalten, der aufsichthabende Conch Lust hat oder ihm entsprechendes Interesse signalisiert wird. Was man zu hören und zu sehen bekommt, ist allerdings nicht nur schön, denn der Fang und die Verarbeitung der Schildkröten zu Suppe und zu Dosenfleisch wurde hier in Key West bis in die siebziger Jahre hinein betrieben und es gibt einiges an drastischen Bildern. Ich habe selbst als Kind noch Schildkrötensuppe gegessen, sie galt als Delikatesse und wurde von meiner Großmutter zu besonderen Anlässen auf den Tisch gebracht. Sie war nicht einmal besonders lecker, eher sehr salzig.


Bild

Bild
Wenn Du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

Klara
Beiträge: 668
Registriert: 27 Okt 2016 18:02

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Klara » 25 Jul 2018 09:28

mr.minolta hat geschrieben:
Ich mag im Urlaub meine Zeit nicht damit verschwenden, Apps zu laden, ewig die Ziele einzutippeln, auf die Berechnung zu warten, die Ziele zu korrigieren usw. . Das kann in einem Land wie Florida auch richtig in's Auge gehen, wenn man aufgrund nicht aktualisierter Datensätze von der Sexy-Frauenstimme statt zur nächsten Shopping-Mall in den Sumpf geleitet wird. Parkwächter dort sind dann die Alligatoren... :lol:

Das Navi im Toyota haben wir nicht ein Mal aktiviert. Mit einer guten Karte geht das doch mindestens genau so schnell und man wird auch nicht zum blinden Vertrauen in die elektronische Ansage verführt. Übrigens: das Viertel mit den historischen Motels hätten wir mit (funktionierendem) Navi gar nicht erlebt.
Die Karten werden natürlich schon zuhause am PC runtergeladen. Aber sogar Navi im Auto, da hätte ich ja spätestens beim Suchen mal die Adresse eingegeben :mrgreen: Und verfahren kann man sich auch mit Navi, wenn man doch nicht schnell genug abbiegte,.... ich seh da auch so Manches am Nichtwegesrand :lol: , aber wie du sagst, jedem das Seine.

Wie immer, genüßlich zu lesender Bericht, super Fotos, Danke, ihr seid halt ein tolles Team, schön, dass ihr uns teilhaben lasst.

LG
Klara

Benutzeravatar
Pico
Beiträge: 570
Registriert: 14 Nov 2003 14:03

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von Pico » 25 Jul 2018 11:18

Weiterhin ein dickes Dankeschön für diese tolle Koproduktion! :D

Benutzeravatar
mr.minolta
Beiträge: 1447
Registriert: 04 Jun 2008 00:39
Wohnort: In den Sümpfen

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von mr.minolta » 25 Jul 2018 12:18

Ihr seid sehr lieb, vielen Dank! :D

Heute abend geht's weiter.
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

Aus der Traum.

Benutzeravatar
mr.minolta
Beiträge: 1447
Registriert: 04 Jun 2008 00:39
Wohnort: In den Sümpfen

Re: Kröten, Keys und Kannenpflanzen - Florida im Mai 2018

Beitrag von mr.minolta » 25 Jul 2018 12:54

Klara hat geschrieben:Aber sogar Navi im Auto, da hätte ich ja spätestens beim Suchen mal die Adresse eingegeben :mrgreen:
Ob Du es glaubst, oder nicht :wink: :


Bild


Der Toyota war das furchtbarste Teil, das ich in meinem Leben steuern mußte. Dem Zeitgeist entsprechend mit zahllosen elektronischen Bevormundungsfunktionen ausgestattet, die teilweise keinen manuellen Override zuließen. Angefangen beim nervigen Keyless Go über ein sich ungefragt und ständig einschaltendes, riesiges Entertainment-Display bis hin zur abgaseinsaugenden Klimaanlage...

Und 'ne zusätzliche Null an der PS-Zahl hätte ihm mal richtig gut getan.

Da hilft nur eins: ab auf die romantische floridianische Landstraße, Motor aus und den Atlas studieren! :lol:
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

Aus der Traum.

Antworten