Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Alles über andere Länder abseits der Seychellen - Infos, Berichte, Anfragen...
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Suse
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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Suse » 25 Nov 2019 18:04

Pico hat geschrieben:
25 Nov 2019 15:03
Suse hat geschrieben:
25 Nov 2019 08:10
Eure Unterkünfte sehen alle recht idyllisch aus, die zweite gefällt mir noch besser als die erste, auch wegen der Strauße.

Was gabs denn so zu essen?
Ja, die Unterkünfte waren alle top. Wir haben unserem Veranstalter gesagt dass wir einfache kleine Gästehäuser / B&B möchten. Tja, und die hat er uns herausgesucht... Das Landhaus beim Addo Park sowie die Straußenfarm waren aber auch die Top-Unterkünfte. Aber insgesamt waren alle toll.

Ähm ja, das Essen...
Manchmal hatten wir Frühstück, manchmal nicht. Mittagessen oder Abendessen nie. Auf der Straußenfarm gab es abends aber Dinner, so richtig schick. Das war nichts für uns. War kein Schnäppchen, und das Menue entzückte keinen von uns Dreien.
Nun, wir waren meistens.... eher amerikanisch essen. Oder´ne Pizza. :oops:
Richtige Restaurants waren schon relativ teuer und wir hatten eh nur Jeans, Trekkinghosen oder Shorts dabei. Wir wären also nicht gerade stilecht gekleidet gewesen, und wir brauchen so´n schickes Essen auch nicht. Und Junior will eh am liebsen zum goldenden "M"...
Wir haben dann Wimpy´s für uns entdeckt. Eine Fast-Food-Kette mit echtem Geschirr und Besteck! Das war eine akzeptable Alternative... :lol:

Und wir hatten manchmal ja auch eine kleine Küche, dann haben wir eben eingekauft und uns selbst versorgt.
Wie weit mußtet Ihr dann immer so fahren, um zur Goldenen Möwe zu kommen? Und wie fährt es sich da so über Land, vor allem abends? Man hört ja Unterschiedliches darüber, wie riskant das Fahren in Südafrika am Abend sein soll. Nicht nur für Touristen, sondern generell. Viele fahren ohne Licht, heißt es, viele irgendwie Berauschte, die auf der Straße herumlaufen, von Überfällen, die ja wohl eher in den Städten passieren, mal ganz abgesehen. Ich war noch nicht dort, ist auch nicht geplant, es interessiert mich nur so allgemein, weil man über Südafrika so voneinander abweichende Berichte hört.
Wenn Du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Ronny2 » 25 Nov 2019 20:19

Pico hat geschrieben:
25 Nov 2019 15:05

Wow, ein tolles Geburstagsgeschenk!
Ich hatte mal Delfine zum Geburtstag (auf den Seychellen). :D
Auch schön! :D

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Pico
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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Pico » 26 Nov 2019 13:25

Suse hat geschrieben:
25 Nov 2019 18:04

Wie weit mußtet Ihr dann immer so fahren, um zur Goldenen Möwe zu kommen? Und wie fährt es sich da so über Land, vor allem abends? Man hört ja Unterschiedliches darüber, wie riskant das Fahren in Südafrika am Abend sein soll. Nicht nur für Touristen, sondern generell. Viele fahren ohne Licht, heißt es, viele irgendwie Berauschte, die auf der Straße herumlaufen, von Überfällen, die ja wohl eher in den Städten passieren, mal ganz abgesehen. Ich war noch nicht dort, ist auch nicht geplant, es interessiert mich nur so allgemein, weil man über Südafrika so voneinander abweichende Berichte hört.
Fresstempel à la Goldene Möwe gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen in jeder größeren Stadt. Man darf halt nicht zu anspruchsvoll sein. Aber richtige Restaurants gibt es natürlich auch. Aber wenn man das jeden Tag mittags und abends vorhat geht´s halt ganz schön ins Geld. Da waren uns andere Dinge/Ausflüge wichtiger.

Autofahren ist überhaupt kein Problem. Für mich als Beifahrer schon gar nicht. :P
Nein, Autofahren ist dort entspannter als hier. Die Fahrweise nicht so aggressiv, viel rücksichtsvoller.
Richtig, von mehreren Seiten wurde uns gesagt möglichst nicht in der Dunkelheit zu fahren. Ja, wegen Fußgängern, manchmal auch Betrunkenen, aber auch wegen plötzlich die Straße kreuzenden Tieren.
Uns wollte "nur" gleich am ersten Tag in Port Elizabeth direkt am Zebrastreifen ein heruntergekommen aussehender Mann vor´s Auto springen. Wohl in der Hoffnung auf Geld/ Entschädigung. Wir sind aber eh schon da besonders vorsichtig gefahren weil uns der so komisch vorkam.
Anschließend sind wir immer mit einem komischen Gefühl und reaktionsbereit an Fußgängern vorbeigefahren. Aber die haben sich alle vernünftig benommen, und dann waren wir auch entspannter.
War nur blöd, gleich am ersten Tag...

Ein Schulfreund hat 6 Jahre mit seiner Familie in Südafrika gelebt, seine Kinder sind da quasi aufgewachsen. Alle heil, gesund und munter.
Aber stimmt schon, die Kriminalität ist da natürlich höher. Auch wir waren oftmals voreingenommen deswegen, obwohl wir sicherlich den Menschen dort damit Unrecht getan haben.
Einen Kontakt zur Bevölkerung (außer den Leuten im Gästehaus oder irgendwelchen Guides) hatten wir leider nicht, was ich sehr schade finde.

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Suse
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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Suse » 26 Nov 2019 16:50

Pico hat geschrieben:
26 Nov 2019 13:25
Aber stimmt schon, die Kriminalität ist da natürlich höher. Auch wir waren oftmals voreingenommen deswegen, obwohl wir sicherlich den Menschen dort damit Unrecht getan haben.
Einen Kontakt zur Bevölkerung (außer den Leuten im Gästehaus oder irgendwelchen Guides) hatten wir leider nicht, was ich sehr schade finde.
Das ergibt sich halt nicht immer.
Die Voreingenommenheit kann ich gut verstehen. Was Südafrika an Musikern und vor allem Schriftstellern von Weltrang hervorgebracht hat ist ja enorm, und wenn man ein paar der Bücher liest, naja, dann entsteht da so ein allgemeiner Eindruck eines gespaltenen Landes voller Gewalt und extremer Brutalität der einzelnen ethnischen Gruppierungen untereinander. Das entspricht ja mit Sicherheit nicht dem, was man da im ganz normalen Alltag dann erlebt, aber irgendwie hat man das doch im Hinterkopf. Also ich jedenfalls. Ich finde, es ist ein ungeheuer spannendes Land. Aber so richtig hingezogen hat es mich noch nicht.

Jetzt bin ich gespannt auf die weiteren Highlights, die Ihr erlebt habt.
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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Pico » 26 Nov 2019 19:24

Suse hat geschrieben:
26 Nov 2019 16:50


Das ergibt sich halt nicht immer.
Die Voreingenommenheit kann ich gut verstehen. Was Südafrika an Musikern und vor allem Schriftstellern von Weltrang hervorgebracht hat ist ja enorm, und wenn man ein paar der Bücher liest, naja, dann entsteht da so ein allgemeiner Eindruck eines gespaltenen Landes voller Gewalt und extremer Brutalität der einzelnen ethnischen Gruppierungen untereinander. Das entspricht ja mit Sicherheit nicht dem, was man da im ganz normalen Alltag dann erlebt, aber irgendwie hat man das doch im Hinterkopf. Also ich jedenfalls. Ich finde, es ist ein ungeheuer spannendes Land. Aber so richtig hingezogen hat es mich noch nicht.
Die Armut war schon teilweise wirklich extrem. Gedanklich waren wir darauf vorbereitet. Es dann aber mit eigenen Augen zu sehen ist schon eine andere Nummer. Da merkt man erst recht wie gut es einem selber geht.
Die Apartheit ist ja offiziell abgeschafft - aber in den Slums (beim Vorbeifahren) haben wir nur Schwarze gesehen (obwohl dort ja auch Weiße leben sollen). Mich wundert es enorm dass es dort nicht ständig zu Unruhen kommt. Auf der einen Straßenseite Slums - auf der anderen Straßenseite dicke Mauern hinter denen die Wohlhabenden wohnen oder Hotels. Das muss für die Slumbewohner doch erniedrigend sein.
Einmal, in Hermanus, haben wir uns auf dem Weg zu unserer Wohnsiedlung verfahren und sind mitten im Slum gelandet. Das war schon unangenehm, nicht nur weil man um sich selbst etwas Schiss hat, nein auch weil man sich wie ein Gaffer vorkommt.
Wir wurden aber gar nicht groß beachtet.
Auch mussten wir an anderer Stelle immer einen Slum passieren auf dem Weg zum Gästehaus. Aber die am Straßenrand, im Dreck spielenden Kinder haben uns nur angelacht und gewunken...
Also erstaunlich wie gelassen die Slumbewohner auf den ersten Blick diese Ungerechtigkeiten hinnehmen.
Der Schlüssel zur Gleichberechtigung liegt m.E. in der Bildung. Und die Chancen dort sind sehr unterschiedlich. Das gibt es hier natürlich auch, aber nicht ganz so extrem.
Die Spanne zwischen arm und reich in Deutschland empfinden wir schon als groß, letztes Jahr in den USA noch schlimmer - aber in Südafrika extrem. Das macht doch sehr betroffen.

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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Pico » 26 Nov 2019 19:34

11.10.2019; Oudtshoorn – Hermanus

Wir verlassen Oudtshoorn, unser nächstes Ziel Hermanus liegt ca. 370km entfernt. Wir haben also einiges an Strecke vor uns. Los geht es über Südafrikas berühmte Route 62 durch die Kleine Karoo wieder über die Berge Richtung Küste.

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Und als wäre die Strecke nicht eigentlich schon lang genug, machen wir auch noch einen Abstecher zum Cape Aghulhas, dem südlichsten Punkt Afrikas. Ja, reine Kopfsache, aber egal, dort wollen wir hin. Hier treffen der indische und atlantische Ozean aufeinander.

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In Hermanus angekommen, beziehen wir unser Appartment in einer direkt am Meer gelegenen Wohnanlage, gehen noch kurz einkaufen und machen uns unser Abendessen in der eigenen Küche. Nach der langen Fahrt machen wir es uns noch ein wenig gemütlich und gehen wie meistens früh ins Bett. Ab 19 Uhr ist es hier dunkel, und dann bleiben wir auch meist in der Unterkunft. Ein wenig lesen, Fotos sichten, so verbringen wir meistens den Abend.

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Blick von der Terrasse
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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Pico » 29 Nov 2019 17:17

12.10.2019; Hermanus

4 Uhr. Der Wecker klingelt.
Äh, wie jetzt? 4 Uhr?!? Wecker?!? Im Urlaub?!? Noch eine Stunde früher als für Familie Erdmännchen? Jetzt sind sie völlig durchgeknallt…
Ja, unser dritter vorgebuchter Ausflug soll wieder ein echtes Highlight werden.

In der Dunkelheit fahren wir zum anderen Ende der Bucht. Gegen 6h kommen wir an, und es wird schon hell. Wir haben Gaansbai erreicht.

Gaansbai? Ja, wer auf große Fische steht, der weiß wofür Gaansbai steht und was nun folgt.
Richtig, wir haben ein Date. Hoffentlich jedenfalls. Denn wir wollen ihn treffen. Ihn - den Großen Weißen Hai.
Schon lange reizt mich der Gedanke diese Tiere einmal live zu sehen. Und wenn wir tatsächlich schon mal hier in der Nähe sind – ganz klar, dann MÜSSEN wir dahin!
Ja, und natürlich haben wir uns Gedanken gemacht und uns vorher damit auseinandergesetzt, ob das richtig ist. Als zahlende Touristen dort mit rauszufahren und die Haie anlocken zu lassen. Ist das zu verantworten? Ist das ökologisch vertretbar? Bedeutet das nicht langfristig die Tiere auf Menschen zu konditionieren, mit all den möglichen fatalen Folgen für Mensch UND Tier?
Und nach den aktuellen Diskussionen hier um Käfigtauchen und Freitauchen hier habe ich kurz überlegt ob ich hiervon überhaupt berichte.
Aber doch, denn wir haben uns nicht in die Hände irgendwelcher Seelenverkäufer begeben. Wir haben eine Organisation gefunden, die uns vorab und erst recht vor Ort absolut überzeugt hat.
Wir sind mit einer Organisation gefahren, die sich für die Erforschung, Schutz und Aufklärung über die Weißen Haie einsetzt und aktive Forschung betreibt. Und ja, sie nehmen zahlende Gäste mit. Gäste, die somit einen Teil ihrer Forschung, die Ausbildung ihrer Mitarbeiter und ihr Projekt finanzieren. Aber nicht ohne die Gäste schon vorher in die faszinierende Welt der Haie eintauchen zu lassen; sie über die Bedeutung der Haie zu informieren und für deren Schutz zu plädieren.

Diese Organisation nennt sich White Shark Projects / www.whitesharkprojects.co.za
Sorry Lars, sollte dieses als Werbung nicht erwünscht sein, kannst du das gerne löschen!!!

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Wir sind also pünktlich um 6h dort, um 6:45h soll es losgehen. Der Hafen ist tideabhängig, also muss man die Abfahrt- wie auch Anlandungszeiten danach richten. Was uns später einerseits zum Vorteil, aber auch zum Nachteil wird.
Aber erst einmal: ran ans Frühstücksbuffett! Nicht nur um den Hunger zu stillen, sondern auch um später dem Magen etwas zu tun zu geben - nicht dass der auf blöde Gedanken kommt! Die Crew weiß schon warum. Auch ich bin alles andere als seetüchtig, und ohne Reisetablette würde ich so etwas nie wagen, aber meine Jungs sind da nicht so empfindlich wie ich. Mir ist ziemlich klar dass mir der Seegang zu schaffen machen wird, daher esse ich auch ohne Appetit.

Nach einer kurzen Besprechung über den Trip packen wir unsere Sachen und gehen die paar Schritte zum Boot. Und das Pech der anderen bedeutet: wieder haben wir Riesenglück und wir Drei sind die einzigen Gäste an Bord! Die anderen Gäste die heute mit rausfahren sollten, hängen im Stau, (ja, Baustelle hinter Hermanus, kennen wir, daher sind wir extra pünktlich los!). Aber aufgrund der Tide können wir nicht länger warten, zusammen mit einigen Mitarbeitern und Voluntären (für die ist heute Platz!) klettern wir bereits an Land ins Boot – so eine kleine Nussschale wie im Film „Der Weiße Hai“ - dann werden wir ins Wasser geschoben und los geht´s!

Blick auf dem Fenster von White Shark Projects:
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Schnell merke ich wie unruhig die See ist. Eigentlich ist die Oberfläche glatt, aber die langgezogenen hohen Wellen haben es in sich. Tapfer sein, denke ich. Das kann nicht lange gut gehen…

Kurz und gut. Wir alle Drei (!) hingen später mehrmals über der Reeling. Ja, selbst meine hartgesottenen Jungs. Aber das sei völlig normal, sagt die Crew. Das ginge sehr vielen so. Und hey, super, das locke die Haie an, dann brauchen sie weniger CHUM!

In der Tat, neben uns steht eine Kiste mit stinkenden Lachsresten (die sind so schön ölig und legen daher eine gute Spur!) und ein Crewmitglied schaufelt das stinkende Zeug in ein mit Wasser gefülltes Fass. Dieses Wasser wird schaufelweise ins Meer gekippt. So ziehen wir schon seit einiger Zeit eine für Haie verführerische Spur hinter uns her. Für uns ist bereits diese stinkenden Kiste direkt neben uns eine weitere Herausforderung nicht sofort unseren Mageninhalt hinterherzukippen.

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Unser Junior macht den Anfang. Mit dem Fischefüttern. Brav über die Reeling. Hah, ich bin in diesem Punkt mal nicht die Erste und ab sofort muss ich mir hoffentlich keine derartigen Sprüche mehr anhören!

Während Junior also bereits die Fische füttert, wird der Käfig ins Wasser gelassen. Junior ist eine Mischung aus grün und weiß und schaut das Crewmitglied, das ihm einen Neoprenanzug reicht, nur entgeistert an. Es tut mir in der Seele weh, aber das hätte ich nie geahnt. Wir haben auch keine Wahl mehr. Die Tide lässt uns jetzt eh nicht mehr zurück in den Hafen. Wir müssen wohl oder übel (!) auf dem Meer bleiben. Tapfer hält er durch, aber ins Wasser?!? Keine Chance.
Also zwängen sich wir beide sowie eine Voluntärin in die Neoprenanzüge.

Und siehe da: Der erste Hai ist da!!!
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Zu Hause haben wir uns durchaus gefragt, ob uns im letzten Moment der Mut verlassen würde in den Käfig zu steigen. Und wenn, auch egal, man muss die Haie ja nicht unbedingt unter Wasser sehen. Allerdings, den Gedanken an das kalte Wasser fand ich damals schon schlimmer.
Und jetzt? Ich kämpfe mit der dritten Komponente, die ich zwar annähernd ahnte aber von der ich hoffte sie mit der Reisetablette im Griff zu haben: MIR IST SOOOOOO SCHLECHT!

Egal, rein da in den Käfig, das kalte Wasser wird hoffentlich ablenken.
Die Voluntärin und meine bessere Hälfte sind schon drin. Igitt, das eiskalte Wasser läuft sofort in die Schuhe. Von Angst keine Spur, was soll da auch passieren. Aber kalt ist es. Saukalt.
Das Wasser ist trüb und aufgewühlt.
Mit Hilfe eines leckeren Thunfischkopfes der an einer Leine ins Wasser geworfen wird sollen die Haie ans Boot gelockt werden. Zu Fressen gibt es aber nichts. Kommt der Hai dem Köder zu nahe, wird der Köder weggezogen.
Sicher, auch das ist eine gewisse Art der Konditionierung. Aber so weit draußen sollte man hier eh nicht mehr schwimmen.
Und wenn man Menschen auf diese Art für Haie und ihren Schutz sensibilisieren und begeistern kann, dann habe ich auch kein Problem damit. Die Crewmitglieder gehen förmlich in ihrem Job auf und begeisterte „Aaahs“ und „Ooohs“ hallen über das Meer, so als würden sie das hier alles zum ersten Mal sehen.

Das kalte Wasser lenkt leider nicht wie erhofft von der Übelkeit ab, und so füttere ich noch im Käfig die Fische. Ich muss mich mehr darauf konzentrieren mich an den richtigen Stellen im Käfig festzuhalten und nicht zu ertrinken sodass ich, zusätzlich zum trüben und aufgewühlten Wasser, von den Haien nicht viel mitbekomme. Es tummelt sich ein Großer Weißer sowie ein Bronze Whaler Shark um uns herum. Es wurmt mich total, aber ich verlasse den Käfig, es hilft nichts. Die andern beiden halten aber noch durch.

Also versuche ich mich vom Boot aus auf die Haie zu konzentrieren. Hier sieht man sie auch viel besser. Inzwischen sind vier Haie da. Die Crew ist begeistert, heute sei ein Glückstag, und die Haie richtig gut drauf. Tja, wenn es uns mal auch so gehen würde…
Ich schaffe es kaum Fotos zu machen. Leider. Und der Junior fragt wann wir endlich zurückfahren. Laut Auskunft der Crew sei es wegen der Tide erst in etwa einer Stunde möglich im Hafen anzulanden. Meine Gefühle sind gespalten – einerseits ist mir und dem Junior hundeelend, andererseits habe ich mich schon so lange auf das hier gefreut und möchte hier noch nicht weg.
So dümpeln wir noch eine knappe Stunde auf dem Wasser bevor es mit großem Auf- und Abhüpfen über die Wellen wieder zurück in den Hafen geht.

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Bronce Whaler Shark:
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Habe ich dich doch einmal richtig erwischt! Gestatten: Ranebo, ein ca. 4m langes Weibchen. Süß, die Kleine... :lol:
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Was für ein mächtiges Tier! Aber die Wellen schubsten es sogar bis an den Käfig!
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Auf wackeligen Beinen erreichen wir das Gebäude von WhiteSharkProjects. Dann raus aus den Neoprenanzügen, eine heiße Dusche und eine heiße Suppe. Wir alle wecken wieder unsere Lebensgeister, und dann sehen wir uns gemütlich auf dem Sofa das Filmchen an das die Crew von dem Trip gedreht hat. Genial, von unserer Übelkeit kommt eigentlich nichts rüber, alles ganz harmlos. Dort sieht es gar nicht so schaukelig aus, nur unser Lächeln wirkt manchmal etwas gequält. Und na klar, natürlich kaufen wir auch den Film. Kostet nicht die Welt und geht abgesehen von den Betriebskosten alles an die Organisation und ist für uns eine fantastische Erinnerung!
So bleiben wir noch bis mittags dort bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen.

Was für ein Erlebnis! Einerseits zum Ko…, andererseits wirklich ein Hai-Light!!!
Zuletzt geändert von Pico am 29 Nov 2019 17:40, insgesamt 10-mal geändert.

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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Pico » 29 Nov 2019 17:19

Auf dem Rückweg fahren wir direkt an De Kelders vorbei, bekannt für seine gute Sichtung von Walen von Land aus. Und siehe da, dort zieht auch schon einer vorbei, ganz nah an der Küste. Springen oder elegant die Fluke beim Abtauchen zeigen geht hier natürlich nicht.
Aber wir sind uns einig – eine Bootstour zu den Walen werden wir nicht mehr machen. ;-)

Der lange schwarze Klumpen ist ein Wal...
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Aber wir sind uns einig – eine Bootstour zu den Walen werden wir nicht mehr machen. ;-)

Wieder in Hermanus angekommen, bin ich für den Rest des Tages platt. Die Jungs sind soweit wieder fit, gehen etwas an den Strand und stöbern im Supermarkt nach Abendessen.
Währenddessen genieße ich die Ruhe und erhole mich um für den nächsten Tag wieder fit zu sein. Reisetabletten machen auch sooooo müde.
Das war der einzige Nachmittag an dem wir eigentlich mal NICHTS gemacht haben.

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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von foto-k10 » 29 Nov 2019 17:48

Pico hat geschrieben:
29 Nov 2019 17:17
Ja, und natürlich haben wir uns Gedanken gemacht und uns vorher damit auseinandergesetzt, ob das richtig ist. Als zahlende Touristen dort mit rauszufahren und die Haie anlocken zu lassen. Ist das zu verantworten? Ist das ökologisch vertretbar? Bedeutet das nicht langfristig die Tiere auf Menschen zu konditionieren, mit all den möglichen fatalen Folgen für Mensch UND Tier?
Und nach den aktuellen Diskussionen hier um Käfigtauchen und Freitauchen hier habe ich kurz überlegt ob ich hiervon überhaupt berichte.
1. Du hast Dir anscheinend Gedanken darüber gemacht. Das ist doch positiv!
2. Ich habe hinsichtlich des Füttern von Fischen Bedenken, das beschränkt sich aber nicht auf Haie. Wenn Muränen gefüttert werden, dann verbinden sie das mit dem Menschen, der ihnen das Futter hinhält und könnten andere Personen im Wasser "anbetteln". Napoleons, die mit hartgekochter Eiern angefüttert wurden, reagieren ebenfalls auf Taucher.
3. Ob Haie Futter, das an Leinen ins Wasser gelasen wird, mit dem Käfig voller Taucher in Verbindung bringen und die Taucher als einzelne Wesen erkennen, kann ich Dir nicht sagen. Tauchen ohne Käfig und den Haien dann Futter anzubieten, halte ich da für bedenklicher.

Der Käfig wurde nicht komplett ins Wasser gelassen?
Also kein Tauchen mit Pressluftflasche und Atemregler, Maske usw. ?

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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Pico » 29 Nov 2019 19:10

foto-k10 hat geschrieben:
29 Nov 2019 17:48
Tauchen ohne Käfig und den Haien dann Futter anzubieten, halte ich da für bedenklicher.
Ich habe befürchtet dass das auf eine solche Diskussion hier hinauslaufen wird.

Ich halte es nicht nur für bedenklich, sondern für Wahnsinn.
So faszinierend es sein mag, direkt mit Haien zu schwimmen – ich finde es potentiell lebensgefährlich und auch ein Stück rücksichtslos. Auch wenn nicht zwingend ein Angriff erfolgen muss, Haie sind große Raubtiere, und sie sind nun mal potentiell gefährlich. Warum sollte man also einen Angriff bewusst ermöglichen oder gar provozieren. Das schadet nicht nur dem Taucher, sondern letztendlich auch den Haien.
Ein möglicher Angriff wird nicht gerade für weltweites Verständnis und damit zum Schutz von Haien beitragen.
foto-k10 hat geschrieben:
29 Nov 2019 17:48
Der Käfig wurde nicht komplett ins Wasser gelassen?
Also kein Tauchen mit Pressluftflasche und Atemregler, Maske usw. ?
Nein, nur mit Taucherbrille und Luft-Anhalten.

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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von foto-k10 » 29 Nov 2019 22:14

Pico hat geschrieben:
29 Nov 2019 19:10
Ich habe befürchtet dass das auf eine solche Diskussion hier hinauslaufen wird.
Ich halte es nicht nur für bedenklich, sondern für Wahnsinn.
Du hast vermutlich keinen Tauchschein und kommst nie in Versuchung. Ich habe zwar ein Tauchbrevet, aber viel zu viel Respekt vor Haien, um mich großen Exemplaren zu nähern. Suse würde das auch nicht machen (wenn ich mich richtig erinnere). Bleibt nur Anubis, der sich kein Problem damit hat, sich von Weißspitzen-Hochseehaien anrempeln zu lassen. :wink: Aber aus der Richtung kommen keine Äußerungen wie "ihr seid Spaßbremsen".

Haben die Leute von White Shark Projects etwas dazu gesagt, welche Einstellung die Bevölkerung von Südafrika zu Haien hat?

Wie lange wird es Haie überhaupt noch geben?
Unfälle mit Tauchern sind vermutlich das geringste Problem :(


Also: wo ging es als nächstes hin auf der Süfafrikatour?

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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Ronny2 » 30 Nov 2019 09:09

Moin moin,

ehrlich gesagt hatte ich vor unserer Reise nach SA auch kurz überlegt, ob ich mir den großen Weissen aus dem Käfig anschauen sollte, hab mich dann aber doch dagegen entschieden. Schaue mir beim Tauchen sehr gern Haie an, immer wieder schön, aber halt Haitauchgänge ohne anfüttern!
Hatte die Hoffnung am Robberg vielleicht welche zu erspähen wenn sie sich ne Robbe schnappen, kommt ja öfters vor, hatten leider kein Glück.

Aber da es ja einer der weltbesten Wal Spots war, wo man die Tiere vom Ufer aus beobachten kann, lag unser Fokus eher darauf.
Und außerdem, hey, um 4 Uhr morgens aufstehen und das gute Frühstück in unserem B&B auslassen wäre gar nicht gegangen. :wink:

Warst Du auf dem Farmermarkt in Hermanus, Pico, (glaube nur Samstags) sehr nette Location und sehr angenehme Atmosphäre?

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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Pico » 30 Nov 2019 12:14

foto-k10 hat geschrieben:
29 Nov 2019 22:14
Haben die Leute von White Shark Projects etwas dazu gesagt, welche Einstellung die Bevölkerung von Südafrika zu Haien hat?
Wir hatten den Eindruck, dass durchaus Kontakt zur Bevölkerung gesucht wird, vor allem durch Bildungsangebote. Und offenbar hat die Bevölkerung auch keine Probleme mit dem Weißen Hai. Sie wissen, dass er dort ist.
Uns wurde auch gesagt, dass durch Drohnenaufnahmen festgestellt wurde, dass oft Haie in der Nähe sind wo auch Menschen im Wasser sind. Zu Angriffen kommt es aber so gut wie nie, wer aber an der Küsten von Südafrika ins Wasser geht, sollte das Risiko kennen. Es gibt bewachte Strände, dort gibt es auch spezielle Flaggen die symbolisieren, ob in letzter Zeit dort ein Hai gesichtet wurde, das Wasser zu trübe ist und daher ein Hai evtl. nur spät erkannt werden kann oder ob der Strand aktuell aufgrund von Haien gesperrt ist.
Die Menschen wachsen praktisch mit dem Hai auf, er gehört offenbar dazu, und es herrscht keine Panik deswegen.
Eine gesunde Einstellung! :-)

Auf der Homepage von White Shark Projects kann man viel über die Organisation und ihre Arbeit lesen.
Und in dem Eingangsfilmchen kann man auch gut sehen, wie so ein Ausflug abläuft. Auch kann man ganz gut die Schaukelei erkennen, obwohl das Meer an sich ruhig ist...

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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von Pico » 30 Nov 2019 12:18

Ronny2 hat geschrieben:
30 Nov 2019 09:09
ehrlich gesagt hatte ich vor unserer Reise nach SA auch kurz überlegt, ob ich mir den großen Weissen aus dem Käfig anschauen sollte, hab mich dann aber doch dagegen entschieden. Schaue mir beim Tauchen sehr gern Haie an, immer wieder schön, aber halt Haitauchgänge ohne anfüttern!
Wir sind leider keine Taucher, außer beim Schnuppertauchen auf den Malediven waren wir noch nie mit Haien im Wasser. Hier war es eine einmalige Chance mit dem Großen Weißen. Daher hat uns das mehr gereizt als die Wale.
Zumal wir hier das Gefühl hatten, dass es ein wissenschaftliches Projekt ist das Touristen mitnimmt. Die Crew fährt sowieso raus. Sicherlich durch die Touristen öfter, ja.
Bei unserer Tour tauchte ein Hai auf den sie zuvor noch nie gesehen haben. Der wurde gleich für die Datenbankn notiert und fotografiert.

Bei den Waltouren fährt man ja meist wirklich wegen der zahlenden Touristen raus, und es gibt ja immer wieder Berichte wo den Walen auf die Pelle gerückt wird, oft mit mehreren Booten.
Die Haie lassen sich nicht auf die Pelle rücken. Sie kommen, oder sie kommen nicht.
Außerdem, genau wie du sagst, bestand ja die Chance die Wale von Land aus zu beobachten. Und wir haben sie ja auch von Land aus gesehen, nur leider nicht in Großaufnahme.
An eine Waltour haben wir also nur wenn spontan vor Ort gedacht; aber nach der Schaukelei auf dem Ozean war von uns dann keiner mehr am nächsten Tag auf´s Boot zu bewegen. ;-)

Ich denke beides, mit den "richtigen" Organisationen, sind unbeschreiblich tolle Erlebnisse.

Und wie immer: sobald mit Tieren Geld verdient wird, wird es schwierig und man muss schon genauer, ob man da das Richtige tut?
Es gibt Dinge, die würde ich niemals machen oder unterstützen (Ponyreiten auf dem Jahrmahrkt, Delfinshows, Straußenreiten...)
Ronny2 hat geschrieben:
30 Nov 2019 09:09
Warst Du auf dem Farmermarkt in Hermanus, Pico, (glaube nur Samstags) sehr nette Location und sehr angenehme Atmosphäre?
Nein, den Samstag waren wir bei den Haien. ;-)

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Re: Südlich, südlicher - Südafrika 02.-18.10.2019

Beitrag von mr.minolta » 30 Nov 2019 14:03

Da frag ich Dich nach Krokodilen und dann kommst Du mit sowas... :shock:

Geil!
Pico hat geschrieben:
29 Nov 2019 19:10
Ich habe befürchtet dass das auf eine solche Diskussion hier hinauslaufen wird.
Von mir hast Du jedenfalls keinen Diskussionsbeitrag in Sachen umweltpolitischer Pseudo-Korrektheit zu erwarten. Schade nur, daß Du/Ihr es nicht richtig genießen konntet. Ich hab ja null Probleme mit Seekrankheit, aber tatsächlich geht das vielen so wie Euch.

Gerne noch mehr Fotos, falls vorhanden! :D

Bild
Man sieht es und man glaubt es kaum:

Seychellen?

Aus der Traum.

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