die armen Kettenhunde von La Digue...

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Flugwelpe
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die armen Kettenhunde von La Digue...

Beitrag von Flugwelpe »

Ich sitze gerade auf der Terasse meines Häuskens auf Cerf, füttere ein Sperbertäubchen und denke an ein Phänomen, dass mich schon letztes Jahr beschäftigte: Die "armen" Kettenhunde auf La Digue. Als wir damals nach Unterkünften suchten, fiel eine potentielle Behausung allein deshalb weg, da sich in den Rezensionen Hinweise auf einen Kettenhund fand. - aus damaliger Perspektive ein No-Go. In La Digue angekommen, hatten wir die Möglichkeit, den Alltag eines solchen Hundes aus der Nähe zu beobachten. Dieser lebte mit zwei Hundekumpels bei den einheimischen Nachbarn unserer Unterkunft. Wir lernten ihn am Strand kennen - ein verschmitzter Bursche, der mit seinen Kumpels an den Stränden unterwegs und scheinbar der Chef in dieser Gegend war. Bemerkenswert fand ich besonders seine sehr
souveräne Technik, frechen Kollegen in der Manier eines Chiropraktikers die Pfoten auf den Rücken zu stellen und so lange sanft zu drücken, bis der Widerstand gebrochen und er als der ranghöhere anerkannt war. Dieser Hund machte also den lieben langen Tag das, was ihm behagte- am Strad herumtollen, spielen und schlafen - und natürlich betteln, was wie bei allen beobachteten Hunden auf La Digue in sehr diskreter Weise vonstatten ging. Nachts dagegen war Zeit für den "Dienst", was so aussah, dass der Hund an der Kette war und anschlug, sobald sich einer dem Haus näherte. Jede Nacht hatte ein anderer der drei Hunde Dienst, die anderen pennten ebenfalls auf dem Gelände und warteten morgens ungeduldig, bis die Kette gelöst und der Kollege zum Strand mitgenommen werden konnte. Dieses Muster haben wir noch bei anderen Tierhaltern beobachtet. Insgesamt wirkten die Hunde auf La Digue einschliesslich der "Strassenhunde" (oder wohl eher Strandhunde) alle ausgesprochen souverän und zufrieden. Ich wüsste nun gerne, ob ihr meine - sicher nicht repräsentativen - Beobachtungen teilt. Oder: wie gut geht es den Hunden von La Digue aus eurer Sicht? LG von Cerf! Flugwelpe
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foto-k10
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Re: die armen Kettenhunde von La Digue...

Beitrag von foto-k10 »

Und warum "die armen Kettenhunde"?
Klingt doch eher nach einem passablen Hundeleben.

Meine Erfahrungen betreffen eher Mahé und sind 10 Jhre alt: nach einer Wanderung am Kofferaum des Mietautos gestanden und das durchgeschwitzte TShirt gewechselt, auf der anderen Straßenseite stürmen drei Hunde an den glücklicherweise hohen Zaun und gebärden sich so, als wollen sie mich am liebsten zerfleischen.
Flugwelpe
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Re: die armen Kettenhunde von La Digue...

Beitrag von Flugwelpe »

dat sollte Ironie sein :)
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Suse
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Re: die armen Kettenhunde von La Digue...

Beitrag von Suse »

Flugwelpe hat geschrieben: 21 Mär 2019 05:00 Ich wüsste nun gerne, ob ihr meine - sicher nicht repräsentativen - Beobachtungen teilt. Oder: wie gut geht es den Hunden von La Digue aus eurer Sicht?
Das kann man so pauschal nicht beantworten. Seit diesem (oder letztem?) Jahr, also jedenfalls seit Kurzem gibt es einen überarbeiteten Dog Control Act (dazu gibts auch schon einen Thread hier), also eine Art Tierschutzgesetz für Hunde. Das verhindert nicht, daß die Seychellois, wie vermutlich jedes Volk, eine ambivalente Haltung zu den Tieren haben.

Es werden regelmäßig Hunde (und natürlich auch Katzen) auf La Digue vergiftet und mißhandelt. Verletzte Hunde liegengelassen, Personen, die den Hunden aus eigenen und spendenfinanzierten Mitteln helfen wollen und die Tiere auf ihrem Grundstück behandeln und bis zur Vermittlung an einen neuen Besitzer bei sich beherbergen, wegen des daraus resultierenden Lärms angezeigt. Auf der anderen Seite liebt man kleine fellbüschelartige Zwergspitze oder irgendwelche Mischungen aus diesen, für das Klima völlig ungeeignet, aber süß anzusehen, dabei aggro und laut, die in Massenzuchten überall auf den Inseln in Drahtkäfigen hocken (laut Dog Control Act verboten), die Halter werden dann aber eher nicht angezeigt :wink: . Viele Hunde liegen zum Teil zeitweise an fest installierten Ketten, man hat gern Rassehunde, die ebenfalls zum Klima nicht passen, wie Huskys, oder auch Schäferhunde, repräsentativ muß es sein. Diese Hunde werden meist sorgfältig behandelt und am Streunen gehindert, weil wertvoll. Der gemeine Mischlingshund wird tagsüber laufen gelassen, gemessen an unseren europäischen Standards sehen die Tiere dann einem Streuner ähnlich und verhalten sich auch so, so ist es durchaus schon vorgekommen, daß ein unfreiwillig nach Europa geretteter Hund von seinem einheimischen Besitzer später überall gesucht wurde.

Es gibt eben dort, genau wie hier, Hundehasser oder Leute, die einfach ihren Nachbarn hassen und das über den Hund ausagieren, und tierliebende Menschen, die ihren persönlichen Besitz investieren, um Tieren in Not zu helfen. Es kommen seit ein paar Jahren ein- oder mehrmals im Jahr südafrikanische Tierärzteteams auf die Seychellen, um in großangelegten, spendenfinanzierten Aktionen Massenkastrationen und Behandlungen von allen Hunden und Katzen, die man ihnen so heranschleppt, ob nun von Besitzern oder Hilfsorganisationen, die sich der herrenlosen Tiere annehmen, durchführen.

Es wird also einiges getan und ich würde meinen, den Tieren geht es deutlich besser als vielleicht noch vor 10 Jahren. Die meisten Hunde, die zumindest auf La Digue so vermeintlich herumstreunen, haben, genau wie die Schildkröten, einen Eigentümer. Ich glaub es gibt nur sehr wenige wirkliche herrenlose Hunde auf La Digue, an der Source d'Argent lebt so eine Gruppe, die sehen aber sehr gut aus, ich glaub, die ernähren sich recht gut von Fischen, abgesehen vom Betteln. Wenn man wirklich mal irgendwo miterleben sollte, daß ganz offensichtlich ein Tier mißhandelt wird, dann kann man auf den Dog Control Act verweisen, der die Mißhandlung unter Strafe stellt. Andererseits würde ich in dem von Dir geschilderten Fall davon ausgehen, daß der Besitzer, wenn der Hund nachts als Wachhund fungiert, eher seine Pflichten aus dem Dog Control Act wahrnimmt, der regelt nämlich auch, daß der Besitzer des Tieres zu verhindern hat, daß Dritte durch den Hund zu Schaden kommen. Es hat nämlich durchaus schon einige Vorfälle gegeben, in denen auch Touristen von Hunden angegriffen wurden.
Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

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naizit
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Re: die armen Kettenhunde von La Digue...

Beitrag von naizit »

Trotz aller neuen Gesetze. Hab noch nichts davon mitbekommen dass die auf La Digue umgesetzt werden. Habe seit kurz vor Weihnachten wieder viele Hunde dort verloren, 2 in der letzten Woche, 1 heute, die ich seit Jahren kannte und einen besonderen Bezug hatte. Alle vermutlich vergiftet.
Was Suse erwähnt hat, ist absolut richtig. Und es gibt nur Wenige, die Hunde dort wirklich als gute Seelen erkennen. Und glaubt mir, die sind viel lernbegieriger, einfühlsamer als alles was ich zuvor kannte, bis auf meinen Hund natürlich. :-P
Es gibt ein paar Leute, die sogar Trainer nun beauftragen für ihre Welpen und auch um Rat fragen. Finde ich bewundernswert. Die kann man leider im Moment an 2 Händen abzählen. Für alle Anderen sind die Hunde mehr oder weniger geduldet. Oder erfüllen ihren Zweck. Und wenn man ein Problem hat, warum auch immer, wird halt vergiftet.
Den Dog Control Act kann ich dort noch nicht erkennen, ist relativ neu, dauert vermutlich. Wäre schon klasse wenn ab und zu Tierärzte von Mahé geschickt werden und nicht nur 1 mal im Jahr dort eine Sterilisation statt findet. Tja, der andere Weg ist schneller. Kurz mal wieder etwas Gift ausstreuen. Mehr sag ich dazu nicht mehr.
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Suse
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Re: die armen Kettenhunde von La Digue...

Beitrag von Suse »

Zum Dog Control Act gabs schon irgendwann im Januar einen Filmbeitrag auf der SBC. Die Registrierung und das Chippen der Hunde ist wohl bis jetzt gar nicht verpflichtend. Die zwei Beispiele da im Film sind dann auch Hundehalter, die sich freiwillig gemeldet haben.

https://www.facebook.com/watch/?ref=sav ... 1518312748
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