Die Seychellen im 3. Jahrtausend

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foto-k10
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von foto-k10 »

"Wetlands" gibt es auch beim Lemuria auf Praslin - meine mich zu erinnern, dass es dort vor vielen Jahren Zank gab. Inzwischen bemühen sie sich zumindest um gute Presse: http://www.seychellesnewsagency.com/art ... ith+hotels

Und es gibt auch dort, wo die Küstenstraße an der Cote d'Or ins Landesinnere abbiegt, ein Feuchtgebiet, hinter der Straße im Landesinneren. Von der Bushaltestelle aus sieht man jede Menge Müll und es stinkt!!! Es würde mich nicht wundern, wenn da einfach Abwässer hineingeleitet werden. Die Misachtung der Natur beginnt bei jedem Einheimischen, der seinen Müll dort hineinwirft. :(

Was ist mit dem Marschland beim Plantation Club geworden?

The Seychelles' vice president highlighted the $250 million project will bring the island nation a needed injection of investment during the downturn brought about by COVID-19.
Wie kommen die Politiker auf die Idee, dass eine Investition von 250 Millionen Dollar gleichbedeutend mit Investitionen in den Seychellen ist?

Wird Armierungsstahl auf den Seychellen prduziert? Nein.
Wird Zement auf den Seychellen produziert? Nein. (Lafarge importiert Zement und lagert ihn in großen Silos zum Verkauf)
Werden die ganzen Frischwasser/Abwasserrohre auf den Seychellen produziert? Nein.
Werden die Stromkabel, Schalter, Steckdosen usw. auf den Seychellen produziert? Nein.
Werden die Möbel bei einem einheimischen Schreiner bestellt? Nein.

Vielleicht muss der Investor das Material über einen "Agenten" bestellen, der dann einen kräftigen Preisaufschlag nimmt?



600 Arbeitsplätze - wow!
Aber nur ein Anteil davon für Einheimsiche?
Wenn Corona bis zur Eröffnung vorbei ist, wird das Hotel mit den üblichen Eröffnungsrabatten sicherlich voll werden. Irgendwann gehen die Buchungen zurück und es wird weniger Personal benötigt.
development of the 120-room hotel
When the hotel, which will have 160 rooms, opens, this will create 600 jobs, a percentage of which will be occupied by Seychellois," said Afif.
Also wie jetzt: 120 oder 160 Zimmer?
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mr.minolta
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von mr.minolta »

Hierfür hab ich mal Morddrohungen bekommen... :wink:


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Das ist nun obsolet! Uff...

Die Seychellois haben es nämlich selbst gemerkt:


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Minolta-Utopien 2017?

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Gesichtsbuch-Realitäten 2021:

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Aber so lang das Wasser auf La Digue noch türkis ist, geben wir die Hoffnung nicht auf! :bounce:


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Es scheint, daß es neben der Republik der Seychellen auf der Welt kein zweites Land gibt, das für sich selbst derart ausdrücklich mit besonderem Umweltschutz wirbt und in der Realität so unfaßbar dreist das absolute Gegenteil davon praktiziert.
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mr.minolta
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von mr.minolta »

2021: Gesichtsbuch hat geschrieben: 15 Feb 2021 21:10Heading towards a concrete tourism industry

2016: mr.minolta hat geschrieben: 15 Feb 2021 21:10

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Es scheint, daß es neben der Republik der Seychellen auf der Welt kein zweites Land gibt, das für sich selbst derart ausdrücklich mit besonderem Umweltschutz wirbt und in der Realität so unfaßbar dreist das absolute Gegenteil davon praktiziert.
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mr.minolta
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von mr.minolta »

The Seychelles' vice president highlighted the $250 million project will bring the island nation a needed injection of investment during the downturn brought about by COVID-19.
http://www.seychellesnewsagency.com/art ... oGn30u07MQ



Ich weiß jetzt, worauf der Ramkalawan scharf ist! :shock:




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Es scheint, daß es neben der Republik der Seychellen auf der Welt kein zweites Land gibt, das für sich selbst derart ausdrücklich mit besonderem Umweltschutz wirbt und in der Realität so unfaßbar dreist das absolute Gegenteil davon praktiziert.
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Suse
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von Suse »

mr.minolta hat geschrieben: 15 Feb 2021 21:10

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Das Ding ist so dermaßen der Knaller, das ist so gut wie seinerzeit der "Blick aufs Wasser".
Müßte man eigentlich als Profilbild tragen. I)
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foto-k10
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von foto-k10 »

Während man sich in Berlin noch an Fotomontagen berauscht ...

In Deutschland gibt es eine Umweltverträglichkeitsprüfung.
In englischsprachlichen Ländern ist das der Begriff EIA: environmental impact assessment.

Man findet dazu in der Presse einen Artikel: http://www.nation.sc/archive/230791/env ... evelopment

Und einen UN-Bericht https://wedocs.unep.org/bitstream/handl ... isAllowed=, der neben Kritik an der Umsetzung auch Fallstudien für das Banyan Tree und das Ste Anne Resort enthält.

Beim Seychelles Legal Information Institute (SeyLII) findet man den Text des Environment Protection Act: https://seylii.org/sc/legislation/consolidated-act/71 Der enthält in Teil IV das EIA. Und danach soll die Öffentlichkeit die Möglichkeit zur Einsicht erhalten. Ich kenne mich mit englischen Gesetzestexten nicht wirklich aus, ob "shall" da die Bedeutung von "verpflichtet" oder eher von "beabsichtigt" hat.

IM EIA sollen die Auswirkungen auf Bevölkerung, Flora und Fauna, Boden, Luft, Wasser, Landschaft und andere physische Vermögenswerte einschließlich historischer, künstlerischer und archäologischer Faktoren beschrieben werden. Welches Gewicht sie für eine Entscheidung für oder gegen ein Projekt haben, ist unklar.

Gegen eine Entsscheidung kann Berufung beim Minister eingelegt werden. Der bestätigt, widerruft oder ändert die Entscheidung. Zu einer Klagemöglichkeit findet sich nichts.

Der UN-Bericht moniert, dass Einsicht in einen EIA-Report nur montags bis freitags 8:00 bis 15:00 Uhr im Botanischen Garten möglich ist (sofern er ein Vorhaben auf Mahé betrifft) und die Frist zur Einsichtnahme nur 2 Wochen beträgt.


Beim Banyan Tree Beach Resort gab es keine Kommentare, beim Ste Anne Resort 2 Kommentare.
Wenn die Seychellois erst aufwachen, wenn der Bagger anrückt, dann dürfen sie sich über den "Ausverkauf" von Grundstücken nicht wundern. Da bleibt nur der Trost: in 99 Jahren ist der Pachtvertrag zu Ende. Dann darf die zukünftige Regierung den Wert der Gebäude bezahlen und sie wieder abreissen I)
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Suse
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von Suse »

Während man in Hessen noch Doktorarbeiten zusammenstellt, kann man in Berlin das Thema EIA bezogen auf das Anse la Mouche-Projekt schon im Schlaf aufsagen. Ich bin schon seit Jahren Mitglied bei Preserve Seychelles.

https://m.facebook.com/todayinsey/posts ... 653784331/

Daß überdies die zweite Sitzung, in der die Gutachterstimmen normalerweise nochmals angehört werden, in diesem Fall komplett ausgefallen ist, stört ja auch keinen großen Geist. Warum wohl. I)

Die erste Petition haben nur 44 Leute unterschrieben, auch zu der Demonstration sind nur ungefähr die gleiche Anzahl erschienen. Aber den wenigen hört halt auch niemand zu.

Und genau deshalb sind die Memes großartig, denn das zeigt, daß die Problematik endlich anfängt, größere Kreise zu ziehen.

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foto-k10
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von foto-k10 »

Es freut mich, dass man in Berlin Projektinformationen im Schlaf aufsagen kann. Hoffentlich wird der werte Ehegatte dadurch nicht in seinem Schlaf gestört. Und wenn mein letzter Beitrag als Doktorarbeit taugt, kann ich Lars ja mal fragen, ob er meinen Usernamen in Dr. foto-k10 ändert ... :wink:

Die Forumsstatistik meldet 316 gleichzeitige Besucher im Mai 2020. Da werden Bagger-Memes wohl keine weiten Kreise ziehen?

Eine Anhörung von Experten beim Anse la Mouche-Bauprojekt ist ausgefallen. Und?
Was haben die Partei des jetzigen Präsidenten - die damals in der Opposition war - und diese United Seychelles-Partei gemacht?
Dagegen protestiert oder den Schlaf der Gerechten gepennt? Sonst können die sich doch immer gegenseitig ans Bein pinkeln.

Und wo er nun Präsident ist, hat er eine Unterschrift geleistet und damit den nächsten Schritt beim Bauvorhaben genehmigt. Nach erneuten Protesten sollen seine Ministerien den EIA-Prozess überprüfen. Die umgekehrte Reihenfolge wäre evtl. cleverer gewesen? Er widerspricht aber Aussagen, dass im Bereich des Wetlands gebaut würde. Die Karten, die ich bisher gesehen habe, sind so klein, dass man nicht einmal die Legende lesen kann.

Die Richtung, die die neue Regierung beschreitet, dürfte eh eine andere sein:
We need to relook at the moratorium as everything is quite dynamic during this time that we need to attract investments.
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Suse
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von Suse »

Nee, für copy and paste-Doktorarbeiten gibt's keine Titel.
foto-k10 hat geschrieben: 16 Feb 2021 12:47 Die Forumsstatistik meldet 316 gleichzeitige Besucher im Mai 2020. Da werden Bagger-Memes wohl keine weiten Kreise ziehen?
Die Minolta-Memes kennt man raus, denke ich. Die anderen sind doch alle von Seychellois verfaßt, das sieht man doch auch genau, und an denen ergötzt sich die Bevölkerung. Wir dürfen die hier auch verwursten, mit Zustimmung der Verfasser natürlich. :wink:
foto-k10 hat geschrieben: 16 Feb 2021 12:47 Die Richtung, die die neue Regierung beschreitet, dürfte eh eine andere sein:
We need to relook at the moratorium as everything is quite dynamic during this time that we need to attract investments.
Ganz genau das ist ja das Problem, deshalb sage ich ja, er ist der König der ausweichenden Antworten. Das Moratorium wird er am Ende noch rückgängig machen, die Police Bay-Verträge mit Emirates werden mit genau den gleichen Begründungen eingehalten wie jetzt die Mouche-Verträge, und wenn die Inder Assumption nicht wollen sollten, dann nicht, weil es dort keine Verträge gegeben hätte, sondern weil Mauritius ihnen vielleicht etwas Attraktiveres angeboten hat. :wink: Ich hoffe so sehr, daß die Zukunft zeigt, daß ich Unrecht habe.

Ich würde den Seychellois wünschen, daß ihre erste frei gewählte Regierung ein Erfolgsmodell wird, daran geglaubt habe ich allerdings von Anfang an nicht, weil man von dem Priester im Vorfeld nix Gutes gehört hat. Ich hoffe nur, daß die Seychellois ein wenig, ach was, sehr viel aktiver werden, was die Mitgestaltung ihrer Inseln angeht. Und ich glaube, daß eine gute satirische Karikatur dazu sehr viel beitragen kann.

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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von foto-k10 »

In Sachen Canopy ist der Drops gelutscht.

Für weitere Projekte wie die Police Bay werden Memes nichts bringen. Da müssten einige Leute die Zeitungsarchive der letzten Jahrzehnte sichten, welche EIAs der Klasse 1 seit Inkrafttreten 1996 durchgeführt wurden. Und dann wären Rechtsanwälte gefragt, die die Offenlegung der Dokumente und Auskünfte zum Stand der Vertragsabschlüsse erzwingen. Irgendwelche Klagefristen dürften längst überschritten sein und bei den wachsweichen Bestimmungen im EPA hätten Klagen wohl auch keinen Erfolg.

Was die Police Bay selber angeht: Baumaschinen werden wohl nicht über die schmale Straße, sondern über die Küste antransportiert. Also keine Bauarbeiten von Einablage bis zum Schlüpfen der jungen Schildkröten. In den Folgejahren keine nächtliche Beleuchtung in der Schlupfzeit. Ansonsten sind Meeresschildkröten kein Hinderungsgrund, sonst dürfte es auch kein Hotel auf Cousine Island geben.



Was mich auch wundert:
Wieso soll es bei 120 Zimmern 600 Arbeitsplätze geben? Also ein Verhältnis von 1:5?

Mango House (ca. 720 € pro Nacht) wird 41 Zimmer+Suiten haben, die suchen aktuell 150 Mitarbeiter. Schon dieses Verhältnis von 1:3,7 erscheint recht hoch. In Europa rechnet man mit 6:1 bei Mittelklassehotels oder 2:1 bei 5Sterne-Hotels. Auch auf den Malediven sind mir nicht solche Massen an Mitarbeitern aufgefallen.
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Anubis
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von Anubis »

Suse hat geschrieben: 15 Feb 2021 17:11und die Inder sich auf Assumption niederlassen dürfen.


🐢🦀🌴☹️🐢🦀🌴☹️🐢🦀🌴😢🐢🦀🌴😢🐢🦀🌴😢
Das darf auf keinen Fall passieren, das würde die Rifflandschaft dort total verschandeln.
Mahé. Praslin. Silhouette. La Digue. Bird. Cerf. Sea Shell. Maya's Dugong. Life is a journey and experience is more valuable than money.
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foto-k10
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von foto-k10 »

El Presidente hat gesprochen:
SeychellesNation hat geschrieben:I would like to thank the youths of Seychelles; many young people have showed an interest in this project and I want to assure the young environment activists that they have a partner. This administration is here to protect our environment at all cost and that together we can continue to protect it.
http://www.nation.sc/articles/7898/anse ... el-project


"Macht euch die Erde untertan", sprach Gott in seiner Schläue, "baut Autobahnen und Atomkraftwerke, ich mach' mir dann 'ne neue".
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von foto-k10 »

Um den Puls noch etwas höher zu treiben:

Aus der Broschüre http://www.rdcuae.com/wp-content/upload ... ochure.pdf der Royal Development Company am Ende unter der Überschrift

... and a vision for the future
PoliceBay.jpg
PoliceBay.jpg (45.89 KiB) 3664 mal betrachtet

Wird es bei einer Realisierung anschließend überhaupt noch einen Strand geben???
Ich habe nichts gegen Luxushotels. Aber ungeachtet der Frage, wieviele davon es auf den Seychellen geben muss, scheint dieser Entwurf der feuchte Traum eines durchgeknallten Arabers und mit den polierten Steinplatten völlig deplatziert zu sein ...
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Suse
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von Suse »

foto-k10 hat geschrieben: 16 Feb 2021 22:51 Um den Puls noch etwas höher zu treiben:

Aus der Broschüre http://www.rdcuae.com/wp-content/upload ... ochure.pdf der Royal Development Company am Ende unter der Überschrift

... and a vision for the future

PoliceBay.jpg


Wird es bei einer Realisierung anschließend überhaupt noch einen Strand geben???
Ich habe nichts gegen Luxushotels. Aber ungeachtet der Frage, wieviele davon es auf den Seychellen geben muss, scheint dieser Entwurf der feuchte Traum eines durchgeknallten Arabers und mit den polierten Steinplatten völlig deplatziert zu sein ...

Wessen Puls soll damit in die Höhe getrieben werden? Das ist den Personen, die sich damit schon lange beschäftigen, doch alles bekannt, steht doch alles im Police Bay Thread.

Die Baugesellschaft (Royal Development Company) ist die gleiche wie beim Anse la Mouche-Hotel, der Käufer der Police Bay ist aber Emirates (die Hotelkette) selbst, die sind nicht so blöd, so einen kitschigen Entwurf so umzusetzen, dazu sind die schon viel zu lange auf den Seychellen mit ihrer selbsternannten Umweltschutz-Vorreiterstellung etabliert, auch dort wird ein erkleckliches Alibistückchen Süßwassergebiet bestehen bleiben, auf dem man dann vielleicht sogar Kanu fahren kann oder sowas. Nächtliche Beleuchtung während der Schlupfzeiten hält das Hilton auf Silhouette auch nicht ein, da liest man immer wieder Reiseberichte, in denen Leute schreiben, daß sie die Schlüpflinge von ihrer Terrasse gesammelt haben. Das Wohl des Gastes in einem 5-Sterne-Hotel geht am Ende immer vor.

Was ich falsch in Erinnerung hatte, ist, daß das Moratorium auf große Hotels nicht Anfang 2020 endete, sondern erst jetzt im Dezember 2020. Es gab 18 Ausnahmen von dem Erlaß, das Anse a la Mouche-Projekt gehörte nicht dazu! I) Die neue Regierung hätte das also schon allein darüber noch verhindern können, daß der Bebauungsplan genehmigt wird. Bislang hat der Präsident sich nicht geäußert, ob das Moratorium verlängert/neu aufgegriffen wird, auszugehen ist davon aber nicht, obwohl er Anfragen von NGOs dazu in der Pipeline hat. Damit rechnen tut aber niemand, den ich kenne.

Ob die Police Bay entwickelt werden wird, steht in den Sternen, Aktivisten und lokale NGOs gibt es genügend, die das verhindern wollen. Die Tür wäre dem Projekt jetzt jedenfalls wieder geöffnet. Und wer weiß, wie vielen noch dazu.

Zur Erinnerung:

http://m.seychellesnewsagency.com/artic ... 8VQAHod2aY

Ich glaube ja, die Seychellois sind es, vielleicht historisch und später durch politische Unterdrückung bedingt, gewohnt, daß aus dem Ausland die Aktivisten kommen, die die Sache in die Hand nehmen, und daher rührt möglicherweise diese langwährende Passivität. Die Naturschutzorganisationen auf den Inseln sind Legion, aber fast alle beschäftigen sich mit medienwirksamen Betätigungsfeldern wie Korallen oder Meeresschildkröten, wofür der generöse Hollywoodschauspieler oder die Clintons dann auch gern mal was springen lassen. Um den brackigen Rest müssen sich die Seychellois schon selbst kümmern, und bis vor einigen Jahren ging das zumeist nur in Form anonym agierender Blogger oder krimineller Aktivisten wie dem "Syndikat".

Mich macht das alles einfach nur traurig und es ist mir auch inzwischen egal, ob man mir reflexartig widerspricht, wenn ich die Hoffnung äußere, daß Memes oder die Petitionen, die ich verlinke, etwas bringen, oder versucht, meine Postings ins Lächerliche zu ziehen. Daß man sich jetzt offen kritisch mit der Politik auseinandersetzen darf, es satirische Karikaturen und Collagen gibt, ist für mich ein gutes Zeichen. Wenn jetzt eine aktivere Generation von Seychellois heranwächst, vielleicht ist es ja noch zu verhindern, daß der schöne Süden von Mahé auch bald eine einzige Betonwüste ist wie der Norden. Ich werde das unterstützen, so gut ich kann. :bounce:

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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von foto-k10 »

Ich ändere meine reflexartige Bemerkung gern in ein "Memes allein werden keine Änderung herbeiführen" um. Politiker stören sich wenig an Karikaturen oder ähnlichem. Aber sie wollen bei der nächsten Wahl wieder einen Sitz im Parlament. Also muss man sie unter Druck setzen, Auskunft verlangen, wie sie abstimmen wollen usw.

In meinem Posting, das von einer bestimmten Person sofort als "Doktorarbeit" verspottet wurde, hatte ich einen Link zu einem UN-Bericht gepostet, der die EIAs als zu schwammig kritisiert. Es müssten meiner Meinung nach z.B. Vorschriften hinein, dass ein Gebiet unangetastet bleiben muss, wenn dort gefährtdete Arten gefunden werden. Im Grunde müste es damit anfangen, dass Land gar nicht verpacktet werden darf, bevor nicht die Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen wurde und der Präsident somit auch nichts unterschreiben darf.

Viel Hoffnung habe ich da nicht. Die Partei von St. Ange hatte nur minimal Stimmen und es bleibt quasi bei einem Zweiparteiensystem. Die Partei des Ex-Präsidenten Faure hat es keineswegs besser gemacht. Wenn es keine Alternative gibt, muss ein Abgeordneter auch nicht um seinen Sitz fürchten. Bis sich eine breitgetragene Umweltbewegung bildet und parlamentarischen Einfluss gewinnt, dauert es mind. ein Jahrzehnt. Bis dahin wird es evtl. keine Strand ohne Luxushotel mehr geben. Man nimmt derzeit lieber die Steuereinnahmen, die beim Bau und Betrieb anfallen und hofft auf neue Arbeitsplätze.

Auf der Seite vom RCD hatte ich letzte Woche nach einem detailierten Plan für das Anse La Mouche-Projekt gesucht. War alles leer. Was man da jetzt sieht - incl. dieser Monstrosität für die Police Bay - ist also neuer Upload.
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