Die Seychellen im 3. Jahrtausend

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mr.minolta
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Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von mr.minolta » 08 Nov 2017 01:35

Die Seychellen führen nächsten Monat das Digitale Fernsehen ein und erhöhen das Programmangebot von zwei auf neun Sender:
http://www.seychellesnewsagency.com/art ... n+December


Außerdem gibt es einen Rekord zu feiern:

Man hat die meisten Gesichtsbuch-Abhängigen aller afrikanischen Länder! Das ist ja phantastisch! Also, darauf kann man wirklich stolz sein. 56 Prozent der Bevölkerung lassen für den Datenkraken aus Kalifornien begeistert die Hosen runter:
http://www.seychellesnewsagency.com/art ... eport+says
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eichenweg
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von eichenweg » 08 Nov 2017 10:56

Ja, das ist schon traurig. Aber wenn man auf einer Insel wohnt ist es schon verständlich dass man Kontakte zur "Außenwelt" sucht. Im Zweifelsfall eben virtuell. Kann das gut nachempfinden, da ich über 30 Jahre auf einer Insel wohnte und oft nach Kontakten außerhalb meiner Umgebung gierte. Wer hat auch schon so ein Bankkonto und nötige Zeit, um sich nach Lust und Laune Flüge oder Schiffspassagen leisten zu können. Da blieb mir nur anfänglich ein reger Briefverkehr und später das Internet. Übrigens, bei Facebook usw. bin und war ich nie.
Was mich aber mehr beschäftigt ist die touristische Zukunft der Seychellen.
Jedesmal wenn ich die Seychelles News Agency durchforste lese ich regelmäßig von Abkommen mit den verschiedensten Ländern bezüglich des Tourismus. Da werden neue Flugverbindungen eingeweiht, neue Investoren begrüßt, neue Touristenströme angeleiert usw. Seychellen als künftiges Massentourismusland? Eine Art gehobener Ballermann? Wenn da die Seychelles Hospitality and Tourism Association davon spricht, die aktuelle Zahl der Touristen zu verdoppeln, wird mir schwummelig. Auch die Bestrebungen den asiatischen Tourismus für die Seychellen zu begeistern lässt mich schon schaudern.
Ok., man kann den Seychelloirs den Fortschritt nicht verbieten, jedoch hoffe ich dass die Verantwortlichen sich der Gefahren bewusst sind und aus negativen Beispielen ihre Schlüsse ziehen. Ich selbst war über 20 Jahren im Tourismus tätig und kann ein Lied davon singen.

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Suse
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von Suse » 08 Nov 2017 18:41

Ja, die touristische Zukunft der Seychellen beschäftigt hier auch viele. Wir hatten einen Thread dazu:

http://www.seychellen-forum.de/viewtopic.php?f=1&t=9071

Ich war gerade auf den Inseln und habe mit vielen Locals gesprochen, die das ähnlich kritisch kommentieren, selbst diejenigen, die selber in irgendeiner Form im Tourismus tätig sind. Manche haben sich überraschend drastisch geäußert, was sie von bestimmten Auswüchsen des Touristenbusiness halten.
Wenn Du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
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mr.minolta
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von mr.minolta » 08 Nov 2017 19:20

eichenweg hat geschrieben: Kann das gut nachempfinden, da ich über 30 Jahre auf einer Insel wohnte und oft nach Kontakten außerhalb meiner Umgebung gierte.
Vielleicht bin ich ja einfach zu romantisch veranlagt, aber die Phantasie vom Leben auf einer (einsamen) Insel hege ich ja gerade deshalb ein Leben lang, weil ich die Nase voll hab von all dem Terror hier zuhause. Terror im denkbar weitesten Sinne. Warum also sollte ich mich dann ausgerechnet nach erfolgter Abwanderung der Gesichtsbuch-Verblödung oder ähnlichen "sozialen" Zwangsmaßnamen hingeben, nur um erfahren zu können, was nun da los ist, wo ich eben noch war und von wo ich unbedingt wegwollte?
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von eichenweg » 09 Nov 2017 13:42

Hallo Mr. Minolta
Ja, der Traum von "Robinson Crusoe" klingt natürlich romantisch und verführerisch, speziell wenn man dem hektischen, stessigen und weitgehend oberflächlichen Stadt-Leben entfliehen möchte. Das war vor Jahrzehnten auch (einer) meiner Beweggründe. Eigentlich hatte ich dann im Laufe der Zeit
auf meiner Insel alles was man so braucht(?). Familie, Kind, Arbeit , Haus mit sehr viel Grund, Anerkennung seitens der Einheimischen usw. Aber unsere menschliche Natur scheint da nicht ganz mitzuziehen. Irgendwann kommt die Zeit und man möchte mehr. Mehr, in Hinblick auf die Welt "außerhalb".
Man kennt fast jeden Stein, jede Bucht, jeden Berg. Die Gespräche mit den Freunden und Bekannten kreist naturgemäß (es ist ja eine Insel) meist um dieselben Themen bzw. Probleme. In der touristischen Saison, die ja nicht wie z.B. auf La Digue das ganze Jahr über dauert, bekommt man natürlich einen gewissen Input von außerhalb, aber gerade dieser ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits eine Bereicherung des Alltags, doch auch Begehrlichkeiten werden darurch geweckt. Will man ein Konzert, eine Veranstaltung, eine Austellung usw. besuchen, dann bleibt nur der Flieger oder die Fähre und die damit verbundenen Kosten und der Zeitaufwand. Von München z.B. bist Du in nullkommanix in Salzburg oder Stuttgart usw. Auf einer Insel musst Du planen und meistens eben verzichten. Da bleibt dann von der Romantik oft nicht viel über. Spontanität ist da klein geschrieben und mich hat es streckenweise von gefrustet. Nun habe ich meiner Insel vor über fünf Jahren den Rücken gekehrt und lebe in einem sog. Speckgürtel einer großen Stadt.
Natürlich nehme ich nicht alle urbanen Angebote die es da gibt an, aber ich könnte jederzeit......Das ist irgendwie der Unterschied.
Optimal wäre eine 50:50 Situation zwischen La Digue (oder Costa Rica, traumhaftes Land) und Deutschland, Österreich, aber dazu müsste ich erst im Lotto gewinnen :wink: .

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mr.minolta
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von mr.minolta » 09 Nov 2017 14:48

eichenweg hat geschrieben:Da bleibt dann von der Romantik oft nicht viel über.
Ich verstehe, was Du meinst.

Und ich denke, daß es vor allem auch vom Lebensalter und den damit zwangsläufig verbundenen Vorstellungen von beruflicher und familiärer Perspektive abhängt, ob man sich vollständig oder nur teilweise vom bisherigen Leben und der gewohnten Lebensart distanzieren kann. Soll heißen, je älter man ist, desto einfacher kann es fallen, wenn die Entscheidung erst einmal getroffen wurde, weil man nicht mehr das Gefühl haben muß, etwas verpaßt oder falsch gemacht zu haben.

Nach Deiner Beschreibung scheint Deine Insel eher klein und fern zu sein. Magst Du sagen, um welche es sich handelt oder wenigstens, in welchem Land sie liegt?
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von eichenweg » 09 Nov 2017 16:12

:D Weit gefehlt. Weder klein, noch weit! Da ist sichtlich ein etwas falscher Eindruck entstanden. Es war Sardinien. Doch Ende der 60er war diese
Insel (im Gegensatz zu Korsika oder den Balearen) noch echtes Entwicklungsland. Fast keine Infrastruktur, Strom außerhalb größerer Ansiedlungen noch fast ein Fremdwort, Einheimische die oft noch nie einen Ausländer sahen, noch am offenen Feuer (Kamin) kochten usw. Das war echt romantisch, der Tourismus steckte in den absoluten Kinderschuhen (der Aga Khan hatte gerade sein Projekt an der Costa Smeralda begonnen, Einheimischen war der Zugang damals verwehrt) und man hatte die schönen Strände praktisch alleine. Der Flughafen war noch eine Graspiste, jetzt gibt es mehrere Airports. Ich kam noch mit Fähren dorthin, zusammen mit Lastwägen, Schafherden usw. Aber alles wandelte sich innerhalb eines Jahrzehnts grundlegend! Jetzt ist Sardinien ein Fixpunkt im intern. Tourismus mit all seinen Schattenseiten. Trotzdem Insel bleibt Insel, auch in den Köpfen. Wenn Du es so willst, ich war ein sog.Aussteiger, bereue aber diesen meinen Schritt absolut nicht, habe auch nicht das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben. Nur - ich bin halt sehr
interessiert und noch immer abenteuerlustig, trotz der Herbstzeit meines Lebens. Deshalb beschloß ich das Inselabenteuer nach über drei, fast vier Jahrzehnten zu beenden und zu neuen Ufern (sprich Festland :D ) aufzubrechen.

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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von Klara » 09 Nov 2017 16:37

mr.minolta hat geschrieben: Soll heißen, je älter man ist, desto einfacher kann es fallen, wenn die Entscheidung erst einmal getroffen wurde, weil man nicht mehr das Gefühl haben muß, etwas verpaßt oder falsch gemacht zu haben.
Ich denke, die Entscheidung fällt in jungen Jahren leichter, wo man noch flexibler ist, den Eindruck hat, die Welt steht einem offen. Im Alter kommen doch viele (bisher) zurück, da ihnen die zivilisatorischen Leistungen hier dann wieder genehm sind, die ärztliche Versorgung, Sozialleistungen... Mir ist z. B. der Zahnarzt meines Vertrauens lieb und teuer :lol: , hier kenn ich die Mißstände, die ferne Insel müsste ich schon genau kennen, um umzusiedeln.

Aber ein Leben auf Sardinien klingt natürlich traumhaft, ich bin leider noch nie dagewesen obwohl ich schon viele hab' schwärmen hören.
LG
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von eichenweg » 09 Nov 2017 16:54

Ich werde auch öfters mit der Frage des Zurückkommens konfrontiert. Aber es waren weniger die zivilisatorischen Leistungen die mich zur "Rückkehr" nach Mitteleuropa veranlassten, als eben die Lust was Neues zu beginnen - und auch der Liebe wegen :D :D :D . Ich bin in meiner derzeitigen Situation
genauso zufrieden, wie ich es die meiste Zeit in Sardinien war und das ist schön. Zum Glück teilt meine Partenerin diesselbe Abenteuerlust. Die von Dir
angesprochene ärztliche Versorgung ist mir momentan egal, war noch nie ernstlich krank usw. und Sardinmien ist auch einer der drei Hotspots auf der Erde, wo die Leute steinalt werden, wahrscheinlich hat das abgefärbt bis jetzt :lol: . Außerdem finde ich das ital. Gesundheitssystem etwas besser als
das deutsche, kommt aber auf die Gegend an. Aber das ist ein anderes Thema.
Aber, ich machte die Erfahrung: wenn jemand genau eine Umsiedlung plant, wird meist nichts daraus. Zu viele Wenn und Aber's.... Wir haben z.B. im Hinterkopf eventuell nach Costa Rica mal auszuwandern. Wer weiß? Es ist nie zu spät, wenn man noch Pläne und Träume hat.

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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von Klara » 09 Nov 2017 17:01

eichenweg hat geschrieben: als eben die Lust was Neues zu beginnen - und auch der Liebe wegen :D :D :D .
na das beflügelt doch und ist ja dann ein Gefühl wie in jungen Jahren. Super!
LG
Klara

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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von mr.minolta » 09 Nov 2017 22:31

Klara hat geschrieben:
mr.minolta hat geschrieben: Soll heißen, je älter man ist, desto einfacher kann es fallen...
Ich denke, die Entscheidung fällt in jungen Jahren leichter...
Ja klar, beides ist richtig. :wink:

Ich meinte folgende Situation: In höherem Alter muß ich ggf. nicht mehr auf berufliche und familiäre Planung Rücksicht nehmen, die in jungen Jahren Vorrang hat. Der Wunsch nach Auswanderung wird da eher zurückgestellt, wenn ich nicht weiß, ob für meinen zu erwartenden Nachwuchs die medizinische Versorgung auf der kleinen Tropeninsel gewährleistet sein wird. Wenn ich nicht weiß, ob mir mein Arbeitgeber aus der Automobilindustrie tatsächlich für die nächsten 30 Jahre Beschäftigung im eben aus dem Boden gestampften Produktionswerk für SUVs auf Sardinien garantieren kann.

Hätten also meine Liebe und ich heute diesen Wunsch und wäre die Finanzierung gesichert, dann würd ich jetzt nicht hier sitzen und Beiträge schreiben. Ich säße auf einer kleinen Südseeinsel und es wäre mir völlig egal, was gerade im Gesichtsbuch diskutiert wird oder welcher Kinofilm in Europa gerade angesagt ist.

Konkret wäre ich in den 90ern gern in mein Traumland ausgewandert und es scheiterte tatsächlich am Berufswunsch meiner damaligen Partnerin.
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von mr.minolta » 10 Nov 2017 00:29

eichenweg hat geschrieben: Doch Ende der 60er war diese Insel (im Gegensatz zu Korsika oder den Balearen) noch echtes Entwicklungsland.
So bezieht sich Deine Aussage bezüglich des Wunsches nach Kontakt zur Außenwelt also auf die 60er und 70er Jahre?

Dann verstehe ich noch besser. An Sardinien hätte ich ansonsten echt zuletzt gedacht, wie gesagt, sonst wäre es wohl eher klein und fern gewesen. Heute hätte man dieses Problem wohl kaum noch, egal wo man hinginge, zumindest aber nicht in Europa. Und sogar auf La Digue wird es nicht mehr lange dauern, bis man dort in's Kino gehen kann...
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von eichenweg » 10 Nov 2017 09:38

Mit dem persönlichen Exkurs in meine Vergangenheit haben wir uns vom eigentlichen Thema etwas entrfernt. Ich bin ja kein Freund der sog. social media, kann nur schwer nachvollziehen das eben gekochte oder frisch lackierte Fingenägel in die Welt zu posten. Da erschließt sich mir kaum der Sinn der Sache. Aber sich mit Freunden und Bekannten auszutauschen wenn man selbst in einer beschränkten Umwelt befindet, geht in Ordnung. Mit beschränkt meine ich eine Insel oder irgendwo weitab in der Pampa wo Du nicht spontan mal kurz entfernte Freunde/Bekannte besuchen, oder Kulturangebote wahrnehmen kannst. Aber die Zeiten ändern sich und auf Sardinien sagte man: Was die Phönizier, Karthager, Römer, Spanier und Italiener nicht schafften, hat Coca Cola und der Tourismus innerhalb kurzer Zeit vollbracht. Eine etwas resignative Anspielung auf die rasante Entwicklung und den Ausverkauf der Insel. Das sehe ich leider auch für die Seychellen kommen. Über 300.000 Besucher derzeit, Tendenz rasant steigend. Dazu große Probleme der Müllentsorgung, der Trinkwasserversorgung, schleichende Aushöhlung der Baubestimmungen bzw. Umweltschutznormen. Diese und weitere Probleme habe ich ja hautnah auf Sardinien miterlebt und wenn einmal der "Rubel" rollt, ist der Weg vorgezeichnet. Da werden Investoren und im Sog auch Einheimische unheimlich kreativ um Gesetze und Vorgaben zu umgehen.
Du kennst ja die Grand Anse in La Digue? Da gibt es die Bretterbude mit Grill usw. Nun (ver)ziert ein ziemlich großer neuer Bau diesen Stand. Die Betreiber der Holzbaracke und Erbauer der neuen Struktur leiteten auch den Strom mittels Masten dorthin, ohne Genehmigung der Besitzerin der Grundstücke. Diese war absolut nicht mit dem Bau vereinstanden und es gibt einen Rechtsstreit, indem es wahrscheinlich darauf ankommt, wer die besseren Beziehungen zu den "großen" Familien hat die auf La Digue und auf den Seychellen überhaupt, das Sagen haben. So und ähnlich funktionierte es auch auf Sardinien, mit einer gewissen "Salamitaktik" Tatsachen schaffen und abwarten.

Übrigens: manche Stände im Nord-Osten von Sardinien mit ihren imposanten Granitformationen haben eine frappierende Ähnlichkeit mit La Digue. Die Palmen muss man sich natürlich wegdenken. Leider heutzutage oft verbaut und überlaufen. Kein Wunder bei 2,9 Millionen Ankünften im Jahr 2016, die sich zum Großteil nur an den Küsten tummeln.

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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von Suse » 10 Nov 2017 10:16

Das, was Du da schilderst, habe ich in ähnlicher Form auch über Grundstücke und die darauf stattfindende Entwicklung touristischer Einrichtungen an anderen Stränden der Ostküste gehört. Ich habe auf La Digue kürzlich einen ehemaligen Mitarbeiter des Umweltministeriums kennengelernt, der mir eine zornige Rede über die Gier seiner Mitmenschen hielt und mir speziell von einem Beispiel berichtete, dessen Bau er zu verhindern versucht habe, dabei aber durch den direkten Draht des Betreibers zur Regierung ausgehebelt wurde. Die Geldsumme, die geflossen sein soll, nannte er auch.

Was das scheibchenweise Schaffen von Tatsachen anbetrifft, kann man dies gut an den Ansen Petite und Cocos beobachten. Da entstehen im Moment kleine Palmhüttensiedlungen, die von findigen Saftbudenbetreibern für ein Sümmchen vermietet werden, das dem Eintrittspreis ins l'Union Estate entspricht. Eine Trinknuss gibt's obendrauf. :wink:
Wer den Anblick dieser Strände als unberührt gewöhnt ist, dem blutet das Herz. Und dabei prognostiziere ich, dass dies nur der Anfang ist. Aus den Palmwedelhütten, sofern sie nicht unterbunden werden, werden nach und nach große Beach Bars und Souvenirbuden werden, so wie man es derzeit an der Source beobachten kann, die schon in die zweite Evolutionsstufe der Strandentwicklung eingetreten ist.
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Re: Die Seychellen im 3. Jahrtausend

Beitrag von eichenweg » 10 Nov 2017 12:49

Ja, die Welt ist ein Dorf....Die Mechanismen gleichen sich überall. Was Du schilderst, habe ich live miterlebt in all den Jahren. Es beginnt z.B. das ein Strand, eine Bucht entdeckt wird, dann kommt das Problem der Zufahrt (auf Privatgrundstücke werden Autos, Mofas, Räder usw. abgestellt - Proteste seitens der Eigentümer, dann kommt eine Straße, erst unbefestigt und später befestigt. Dann kommt der Müll der Touristen der natürlich nach Lösung schreit, erste illegale Buden werden errichtet (weil der arme Tourist braucht ja Verpflegung und bei den Buden werden Mülleimer aufgestellt (damit ist dann eine Halblegalität erreicht), dann fließt reichlich Geld in diverse Taschen und die Buden sind plötzlich nicht mehr "dekorativ". Also wird was fix gebaut - inzwischen schon fast legal. Alle jubeln weil der Tourismus floriert, die Touristen dann auch eine adequate Bequemlichkeit vorfinden möchten und flugs hast-du-nicht-gesehen, steht im Jahr darauf ein Restaurant dort. Da die Gäste natürlich auch übernachten möchten (Wildcampieren ist ja aus Umweltschutzgründen verboten...) benötigt man passende Unterkünfte - und so wird (with a little help from the goverment) langsam ein ganzes
Feriendorf daraus,mit Sonnenschirmvermietung, Bootanlegestelle usw. So enstehen Infrastrukturen wo eigentlich im Grunde genommen gar nichts sein dürfte. Ich fürchte in einiger Zeit werden Strände auf La Digue wie Petite Anse oder Anse Cocos mit gut befestigten Pfaden versehen werden und das weitere, siehe vorher.....
Wenn es soweit ist, wohin werden wir dann ausweichen? :lol: :lol:

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