Reiseversicherungen in Zeiten von Corona

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foto-k10
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Reiseversicherungen in Zeiten von Corona

Beitrag von foto-k10 » 03 Nov 2020 12:24

Hallo,

ich hatte bisher so eine Komplettreiseversicherung besteheend aus Rücktrittversicherung, Abbruchversicherung, Auslandskrankenversicherung. Dummerweise teilten die mir 2 Tage nachdem ich auf den Seychellen war mit, dass durch die Pandemie der Versicherungsschutz erloschen ist. Habe den Quatsch nach Rückkehr dann gekündigt.

Inzwischen hat die Versicherungsbranche wohl gemerkt, dass sie sich mit solchen Regelungen ins Knie schießt und bietet Corona-Zusatzversicherungen an. Bei zwei Anbietern habe ich mittlerweile die FAQ gesichtet.

1. Bin ich versichert, wenn ich kurz vor Abreise ein positives Testergebnis auf Covid-19 erhalte und deswegen meine Reise nicht antreten darf?
Ist eine typische Frage, weil man für eine Reise auf die Seychellen einen PCR-Test 72/48Stunden vor Abflug braucht.

Antwort von Versicherung E: Ja, ein positives Testergebnis in Bezug auf Covid-19 stellt ein versichertes Ereignis dar.
Antwort von Versicherung H: Ja, wenn es sich bei der Infektion um eine unerwartet schwere Erkrankung handelt, werden die Stornokosten erstattet.

Die FAQs behandelt auch die Frage, was bei der Erkrankung eines Angehörigen passiert. Dabei scheint es aber nicht um einen Reisepartner zu gehen. Grundsätzlich gilt:
- kein Versicherungschutz, wenn es eine (Teil)Reisewarnung gibt
- kein Versicherungsschutz bei Verdachtsfällen oder Quarantäne, egal ob zu Hause oder am Urlaubsort.

3. Sind evtl. Mehrkosten für Hotel sowie Rückreise bzw. entgangene Reiseleistungen abgesichert, wenn ich am Zielflughafen wegen erhöhter Temperatur nicht einreisen darf?
Eine Temperaturmessung wird auf Mahé bei allen ankommenden Touristen durchgeführt. Vermutlich werden die einen nicht einfach zurückschicken, aber die Antworten der Versicherungen lassen nichts gutes ahnen.

Antwort von Versicherung E: Versichert ist die unerwartet schwere Erkrankung, die durch ein ärztliches Attest mit Diagnose nachgewiesen werden muss. Allein die Messung einer erhöhten Temperatur am Flughafen ist kein versichertes Ereignis. Wir empfehlen Ihnen, sofort einen Arzt aufzusuchen und sich auf Covid-19 testen zu lassen.
Antwort von Versicherung H: Um die Reise abzubrechen, benötigen Sie ein ärztliches Attest mit Diagnose und Behandlungsdaten. Wir empfehlen Ihnen daher bei Abweisung am Flughafen direkt einen Arzt aufzusuchen um alles Weitere zu besprechen und eine ärztliche Bescheinigung einzuholen. Nur so kann die HanseMerkur prüfen, ob ein Versicherungsfall vorliegt.

Gibt es auf Mahé vor dem Immigrationsschalter eine Arztpraxis?
Das wäre mir neu. Üblicherweise muss man zunächst in ein Land einreisen.


4. Wenn ich an Covid-19 erkranke oder positiv getestet werde und dadurch meine Rückreise nicht wie geplant antreten kann, werden dann die Mehrkosten der Rückreise bzw. des verlängerten Aufenthaltes erstattet?

Antwort von Versicherung E: Ja, dies stellt ein versichertes Ereignis dar.
Antwort von Versicherung H: Zusätzliche Unterkunftskosten zahlen wir nur, wenn die versicherte Person nicht transportfähig ist. Da eine Quarantäne keine Transportunfähigkeit bedeutet, sind diese Kosten nicht abgesichert. Rückreisemehrkosten werden jedoch im Rahmen der Urlaubsgarantie übernommen.

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Re: Reiseversicherungen in Zeiten von Corona

Beitrag von foto-k10 » 04 Nov 2020 11:40

Wenn man nach eine Reiseversicherung sucht, taucht unter den ersten Ergebnisse auch eine Versicherungsgesellschaft auf, deren Namen mit A beginnt.

Was die Schadensregulierung angeht, hat diese Gesellschaft seit mehreren Jahrzehnten einen schlechten Ruf. Nicht ohne Grund hatte Otto einen Werbespot zu "Bist Du arroganz-versichert, hast Du völlig ausgekichert ..." verballhornt. Bei einem Aufounfall durfte ich mich mit denen als Versicherung des Unfallgegegners auch schon herumärgern.

Und als im März 2020 in Bayern Restaurants und Hotels schließen mussten, dachten viele Betreiber, sie haben ja eine Betriebsschließungsversicherung abgeschlossen, die den Schaden reguliert. Doch einige Versicherer - darunter auch jene mit dem Buchstaben A - dachten gar nicht daran: angeblich würde eine Verfügung nicht ausreichen, jeder Betrieb müsse eine eigene Schließungsanordnung erhalten (so etwas wäre eher üblich, wenn das Gesundheitsamt Mängel in der Küche vorfindet) und Corona wäre in den Versicherungsbedingungen gar nicht genannt.



Nichts desto trotz hat eine Userin des Forums Recht, wenn sie darauf hinweist, dass bei dieser Versicherung einige Dinge klarer und besser geregelt sind:
- Versicherungsschutz, wenn der Test eines Mitreisenden postiv ist, man selber aber negativ (zumindest für Familien oder bei einer Partnerschaft)
- Versicherungsschutz, wenn man aufgrund einer Quarantäneanordnung die Reise nicht antreten kann
- Versicherungsschutz, wenn man im Urlaubsort unter Quarantäne gestellt wird. Zwar max. 1000 € pro Person, aber Besser als nichts.
Das gilt aber ncht, wenn die Bevölkerung einer Region unter Quarantäne gestellt wird oder ein Kreuzfahrtschiff oder wenn vor Reiseantritt von der Regierung des Urlaubsziel festgelegt wird, dass alle ankommenden Touristen zunächst 14 Tage in Quarantäne müssen.

Eebenfalls nicht versichert ist der Fall, dass einem der Abflug oder die Einreise in das Urlaubsland aufgrund erhöhter Temepratur verweigert wird. Im Travel Advisory der Seychellen heißt es: "Any visitor who disembarks with fever and respiratory symptoms such as cough, runny nose or shortness of breath will be isolated from other travellers and be subjected to further assessment." Man wird also nicht einfach zurückgeschickt. Was genau further assessment bedeutet müsste man bei den Behörden nachfragen. Aber die antworten nur manchmal :(

Aufpassen muss man, wenn man eine Jahresschutz-Reiseversicherung abgeschlossen hat, die für beliebig viele Reisen in einem Jahr gilt. Die Änderung bzgl. Corona werden wohl nicht überall übernommen.

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Anubis
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Re: Reiseversicherungen in Zeiten von Corona

Beitrag von Anubis » 05 Nov 2020 10:12

foto-k10 hat geschrieben:
03 Nov 2020 12:24
Antwort von Versicherung H: Zusätzliche Unterkunftskosten zahlen wir nur, wenn die versicherte Person nicht transportfähig ist. Da eine Quarantäne keine Transportunfähigkeit bedeutet, sind diese Kosten nicht abgesichert. Rückreisemehrkosten werden jedoch im Rahmen der Urlaubsgarantie übernommen.
Darf man denn überhaupt ausreisen, wenn man in Quarantäne ist? Nimmt einen da die Fluggesellschaft überhaupt mit?
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Re: Reiseversicherungen in Zeiten von Corona

Beitrag von Anubis » 05 Nov 2020 10:18

foto-k10 hat geschrieben:
04 Nov 2020 11:40
wenn vor Reiseantritt von der Regierung des Urlaubsziel festgelegt wird, dass alle ankommenden Touristen zunächst 14 Tage in Quarantäne müssen.
Wenn man also bucht, weil ein Land keine Einreisequarantäne verlangt, dann aber zwischen Buchung und Anreise vom Urlaubsland so eine verhängt wird, dann muss man den Schaden selbst tragen, trotz Crona-Versicherung. Macht so eine Versicherung überhaupt Sinn?
Mahé. Praslin. Silhouette. La Digue. Bird. Cerf. Sea Shell. Maya's Dugong. Life is a journey and experience is more valuable than money.

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Re: Reiseversicherungen in Zeiten von Corona

Beitrag von foto-k10 » 05 Nov 2020 11:32

Anubis hat geschrieben:
05 Nov 2020 10:12
foto-k10 hat geschrieben:
03 Nov 2020 12:24
Antwort von Versicherung H: Zusätzliche Unterkunftskosten zahlen wir nur, wenn die versicherte Person nicht transportfähig ist. Da eine Quarantäne keine Transportunfähigkeit bedeutet, sind diese Kosten nicht abgesichert. Rückreisemehrkosten werden jedoch im Rahmen der Urlaubsgarantie übernommen.
Darf man denn überhaupt ausreisen, wenn man in Quarantäne ist? Nimmt einen da die Fluggesellschaft überhaupt mit?
Irgendetwas seltsames war wohl heute morgen in meinem Kaffee. Mich treibt gerade der Schabernack und ich muss mich wirklich zügeln ...

Der Ausgangspunkt lautet: ein Urlauber wird vor Rückflug positiv auf Corona getestet oder erkrankt an Corona und darf nicht wie geplant nach Hause fliegen.

Und es geht darum, ob die Versicherung in diesem Fall die Mehrkosten für den verlängerten Aufenthalt am Urlaubsort übernimmt oder nicht.

Im übrigen gilt:
Wenn jemand stürzt und sich dabei eine oder mehrere Rippen bricht, ist er transportunfähig.
Wenn jemand an Corona erkrankt und künstlich beatmet werden muss, dann ist er transportunfähig.
Solche Personen können nicht ausreisen, selbst wenn sie es wollten und unabhängig davon, ob die Fluggesellschaft die Beförderung verweigert.

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Re: Reiseversicherungen in Zeiten von Corona

Beitrag von foto-k10 » 05 Nov 2020 11:37

Anubis hat geschrieben:
05 Nov 2020 10:18
foto-k10 hat geschrieben:
04 Nov 2020 11:40
wenn vor Reiseantritt von der Regierung des Urlaubsziel festgelegt wird, dass alle ankommenden Touristen zunächst 14 Tage in Quarantäne müssen.
Wenn man also bucht, weil ein Land keine Einreisequarantäne verlangt, dann aber zwischen Buchung und Anreise vom Urlaubsland so eine verhängt wird, dann muss man den Schaden selbst tragen, trotz Crona-Versicherung. Macht so eine Versicherung überhaupt Sinn?
Ich habe diesen Thread eröffnet, damit sich die Leser des Forums Gedanken darüber machen, ob sie eine Reiseversicherung abschließen.
Ich habe bei bisher 3 Anbietern aus deren Antworten zu typischen Fragen zitiert, damit die Leser des Forums sehen, dass die Bedingungen und der Schutz sich von Versicherung zu Versicherung unterscheiden.

Ob jemand, der eine Reise auf die Seychellen oder zu einem anderen Urlaubsziel plant, tatsächlich eine Versicherung abschließt und welche Punkte ihr/ihm dabei wichtig ist, muss jeder selbst entscheiden.

 

kleiner Tipp am Rande: Man könnte auch auch bei einem Reiseveranstalter einer dieser so verhassten Pauschalreisen buchen. Wenn dann die Durchführung der Reise in der gebuchten Form nicht möglich ist, besteht evtl. die Möglichkeit, dass man kostenlos stornieren kann. Üblicherweise schließen Reiseversicherer alle Punkte aus, für die eh ein Reiseveranstalter haften muss.

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Re: Reiseversicherungen in Zeiten von Corona

Beitrag von rik » 06 Nov 2020 08:52

Danke für diese informative Übersicht!👍

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Re: Reiseversicherungen in Zeiten von Corona

Beitrag von foto-k10 » 27 Nov 2020 07:48

ehder hat geschrieben:
19 Okt 2020 10:18
Ist bekannt ob die Versicherung von Emirates ausreichend ist, um die Anforderungen bezüglich Krankenversicherung zu erfüllen?
https://www.emirates.com/de/german/help ... -19-cover/
https://c.ekstatic.net/ecl/documents/co ... itions.pdf
Emirates bietet da eine Kombination aus Reiseabbruch- und Auslandskrankenversicherung an - beschränkt auf Covid19.

Im Urlaub kann von Durchfall über Tritt in einen Seeigel bis zum Beinbruch vieles passieren. Dafür kommt ein Auslandskrankenversicherung auf, nicht aber die Versicherung von Emirates. Den Seychellen mag diese Absicherung bei Emirates vermutlich ausreichen. Die hatten Stress mit einem niederländischen Paar, das nach einer Krankenhausrechnung (Covid19-Behandlung auf der Intensivstation) von ca. 30.000 € bekommen hatte.

Eine Reiseschutzversicherung zahlt z.B. wenn man eine Reise nicht antreten kann/will(?), weil man arbeitslos geworden ist. Oder bei einem Abbruch, weil zu Hause ein naher Angehöriger schwer erkrannt ist. Das fehlt hier. Ob man es braucht, muss jeder selber entscheiden.

Aktuell dürfte ein Risiko darin bestehen, dass der PCR-Test 48/72 Stunden vor Abflug positiv ist und man die Reise nicht antreten kann. Auch das fehlt bei Emirates. Hinzu kommt, dass man vor einer Behandlung usw. die Zustimmung eines Nextcare-Mitarbeiter einholen muss. Die 100 € pro Tag für max. 14 Tage in einem Quarantäneunterkunft sind üblich, aber was soll die Zusatzbestimmung:
Emirates COVID-19 Cover Assistance cover ceaseson the day on which NEXtCARE’s doctors considers that it is possible for you to be repatriated.

Wenn man asymptotisch ist, muss man in dem Cat2-Hotel bleiben, bei Symptomen geht es in eines der Isolationszentren. In beiden Fällen wäre man durchaus transportfähig. Aber lassen die Behörden der Seychellen einen Touristen zum Flughafen?

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Inzwischen berichtet auch die Presse darüber: http://www.nation.sc/articles/6955/emir ... e-coverage
Für Flüge, die ab dem 01.12.2020 gebucht werden, werden dann bis zu $7500 erstattet, wenn man die Reise wegen eines pos. Tests nicht antreten kann. In der Quarantäne werden nun $150 pro Person und Tag erstattet - bei einem Wechselkurs von 1,19:1 scheint das ein erhöhter Betrag zu sein. Die nun $500.000 Behandlungskosten scheinen eher ein Wert zu sein, um Kundschaft zu beeindrucken. In die USA darf man derzeit nicht, dort könnte man mit solchen Kosten konfrontiert werden.

Eine Reisewarnung des Heimatlandes hat keinen Einfluss auf den Versicherungsschutz, eine Grenzschließung dagegen schon. Bei einer Pauschalreise müsste dann der Reiseveranstalter einspringen (also mal wieder schlecht für Individualisten).

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