Die Azoren

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Inselhüpfer
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Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 12 Nov 2017 07:15

Die Azoren (Habichtinseln)

Allgemeiner Überblick

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Lage auf dem Globus

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Die kleine Inselwelt im Atlantik

Bei uns im Dorf gab`s mal zwei sehr gute Freunde, die zufällig am gleichen Tag das Licht der Welt erblickten. Schon in der Jugend hatten sie sich geschworen, den gemeinsamen Geburtstag immer nur zu Zweit zu feiern. Vor dem Zwanzigsten schlug Michael, der Initiator, seinem Busenfreund Hans vor, zur "Traube" in Mediasch einzukehren, da es dort eine sehr hübsche Bedienung gäbe. Zum Dreißigsten wurde in der "Traube" gefeiert, weil es dort einen sehr guten Wein gab, zum Vierzigsten, weil der Braten Weltruf hatte, usw. Vor dem Neunzigsten fragte Hans, ob sie nicht vielleicht in der "Traube" feiern sollten, worauf der Freund antwortete: "Eine sehr gute Idee, denn dort waren wir noch nie :) !"
So erging es uns. Immer, wenn wir uns nicht einig bezüglich des Reiseziels waren, besuchten wir die Azoren, denn da waren wir uns immer einig :!: Dies geschah schon des Öftern, also bitte ich um Nachsicht, wenn ich diesmal etwas ausführlicher werde. Die Darstellung soll auch einer Forumteilnehmerin - ich denke, wenn es mir nicht auch schon so ergeht, wie den Beiden vor ihrem Neunzigsten :lol: - es war madoha, eventuell behilflich sein, da sie mich um Einzelheiten über diese Inselgruppe gebeten hat.

Als die ersten Portugiesen im 15. Jh. die Küsten dieser Inselgruppe erreichten, wurden sie u.a. von zahlreichen "Habichten" empfangen, worauf sie dem Territorium den Namen "Habichtinseln" verliehen. Diese Benennung blieb auch bestehen, nachdem sie ihren Fehler einsehen mussten, denn sie hatten eigentlich Bussarde erspäht. Na ja, Amerika trägt doch auch einen falschen Namen, da ist es in diesem Fall wohl weniger von Bedeutung... Der Legende nach betraten sie die Inseln immer in Begleitung eines Ziegenbocks, den sie an Land an einen Baum anbanden und nach zwei Tagen wieder kamen, um zu sehen, ob er noch lebte. War dies der Fall, deutete alles darauf hin, dass man das neue Land besiedeln konnte.

Das kleine Inselreich mit einer Gesamtfläche von knappen 2.400 Km2 - in etwa die Fläche des Saarlandes - liegt weit abgelegen im nördlichen zweitgrößten Weltmeer als Teil des Mittelatlantischen Rückens, der in Zukunft wahrscheinlich längsten Gebirgskette der Erde. Von Europa trennen es ca. 1.400, von Nordamerika ca. 2.300 Km. Die neun Inseln erstrecken sich zwischen den nördlichen Breitengraden 37-40, also gleiche "Höhe" wie Lissabon, die Liparen oder Athen. Allerdings kommt die Fläche, über die sie sich erstrecken derjenigen des Mutterlandes gleich. So z.b. trennen St.Maria im OSO und Flores im WNW gute 600 km.

Geotektonisch gesehen befindet sich das Gebiet zwischen drei Erdplatten: der Nordamerikanischen zu der Flores und Corvo gehören - , der Eurasischen und der Afrikanischen - auf denen sich der Rest der Inseln befinden - genauer gesagt, auf der Zweiten. Interessant dabei ist, dass die beiden ersten Platten auseinanderdriften - ist auf Island sogar mit freiem Auge zu sehen - und die Westgruppe sich somit von den anderen beiden immer mehr entfernt. Da wundert es nicht, dass alle Eilande vulkanischer Herkunft sind.

Der Vulkanismus fing in diesem Gebiet vor einigen Millionen Jahren an - 25-30 - und ist bis heute spürbar. So z.B. wurde Faial im letzten Jahrhundert gleich zweimal heimgesucht, während die vielleicht schönste Stadt des Archipels, Angra do Heroismo (Terceira) 1980 fast ganz dem Erdboden gleichgemacht wurde. Das älteste Eiland ist Santa Maria - 14-16 Mio Jahre, von einem Jüngsten kann aus den erwähnten Gründen nicht gesprochen werden.

Geografisch unterscheidet man drei Gruppen: West- (Flores und Corvo), Zentral- (Faial, Sao Jorge, Pico, Terceira, Graciosa) und Ostgruppe (Sao Miguel und Santa Maria). Wenn die letzten Zwei schon immer miteinander eng verflochten waren, hat Erstere dank ihrer Abgeschiedenheit einen anderen Lauf gehabt, doch dazu wird noch ausführlicher eingegangen werden.

Einen sehr wichtigen - oft ausschlaggebenden - Aspekt stellt das Klima dar. Die Azoren befinden sich in einer subtropischen Zone, haben jedoch ihre Eigenarten, die man unbedingt ins Kalkül nehmen sollte, wenn man eine Reise hin plant. Das weltberühmte Azorenhoch entsteht eigentlich ca. 800 Km südöstlich des Archipels und hat mit ihm nicht viel am Hut. Wenn die Einheimischen mal ironisch behaupten, bei ihnen könnten an einem einzigen Tag alle vier Jahreszeiten auftreten, so haben sie nicht ganz Unrecht. Im Unterschied zu Madeira oder den Kanaren, gibt es hier keine klassischen Passate; vielmehr ändern die Luftströungen sehr oft ihre Richtung, wodurch es zu häufigen Wetteränderungen kommt. Wir z. B. haben auf einer unserer Reisen in Ponta Delgada innerhalb weniger Stunden acht Mal (!!!) Regen und Sonne gehabt. Den Ortsansässigen scheint dies tatsächlich nix auszumachen, denn an ihren Reaktionen konnte ich keine Abweichungen der inneren Lage erkennen. Man gewöhnt sich halt an (fast) alles... :mrgreen:

Auf den Inseln sind keine großen Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter festzustellen, will heißen, dass die Sommer nicht heiß und die Winter nicht kalt sind. In den Sommermonaten ist die Luftfeuchte allerdings sehr hoch, nicht jedermanns/-frau Sache. Wer also hier wandern möchte - dazu eignen sich die Eilande hervorragend -, sollte meiner Meinung die Fühlingsmonate April-Juni und die des Herbstes, Ende September bis Anfang November vorziehen. Dann hat man auch noch den Vorteil, dass es nicht so viele Festlandportugiesen gibt und dementsprechend auch die Flüge billiger sind.
Den Winter würde ich nicht empfehlen, denn laut Fachliteratur soll es da häufig Stürme geben, begleitet von heftigen Niederschlägen. Wir waren außerhalb der Saison einmal im November dort und haben uns nicht sehr wohl gefühlt.

Fürs Baden sind die Inseln kaum zu empfehlen. Es gibt schon Badestrände geringeren Ausmaßes - bei Bedarf kann ich paar Tips geben. Wir haben sie auch genossen - doch reihen sie sich keinesfalls in die Gruppe der klassischen ein. Palmen wird man hier am Strand auch vergebens suchen, also passt auch das Ambiente nicht ganz. Dazu bestehen die meisten aus schwazem Sand.

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Strand auf Faial

Die Flora ist recht bunt, doch die meisten Pflanzen sind importiert. So z.B. stammen die überall zu bewundernden Hortensien aus Japan und wurden erst im 19. Jh. eingeführt. Was viele nicht wissen: So schön sie auch sein mögen, stellen sie für die einheimischen Pflanzen eine riesige Gefahr dar, denn ihr Ausbreitungsgebiet erweitert sich jährlich dermaßen, dass bei den Lokalbehörden schon seit Jahren die Alarmglocken läuten :shock:

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Eine für die Azoren sehr gefährliche Pflanze

Bis heute weiß man nicht, wie man dieser "modernen Pest" Einhalt bieten kann. Ähnlich sieht`s mit dem Eukalyptus aus.

Die Fauna des Festlandes ist spärlich, was natürlich mit der Isolierung zu tun hat. Die meisten anzutreffenden Tiere wurden auf die Inseln gebracht. Einheimisch sind (fast) nur der Bussart und der Gelbschnabelsturmtaucher, auf den ich auch noch zu sprechen kommen werde, da er auf seine Art einzig ist.

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Gelbschnabelsturmtaucher

In den Gewässern tummeln sich sehr viele Fischarten - dank des Golfstroms -, die freilich Räuber anziehen. Die sind in diesem Fall hauptsächlich Delfine und Wale. Sie können vor allen Inseln beobachtet werden, aber zwischen Pico und Faial sind es besonders viele. Eine Beobachtung - wird täglich organisiert -, wird jedoch von Jahr zu Jahr immer teurer...

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Wal vor Pico
Zuletzt geändert von Inselhüpfer am 15 Nov 2017 06:12, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 12 Nov 2017 17:53

Die Bevölkerung

Als die ersten Portugiesen dieses Gebiet in Besitz nahmen, fanden sie keine Einheimischen vor. Obwohl schon früher auf Karten eingezeichnet, traute sich wahrscheinlich niemand zu dieses auch hinsichtlich der transatlantischen Seewege abgelegene Stück Erde für immer sein eigen zu nennen, irgendwie ein Kuriosum, wenn man bedenkt, welche viel abgelegenere Inseln im Pazifik schon sehr früh besiedelt wurden, doch ist hier vielleicht eine Parallele unangebracht.

Die ersten Bewohner kamen aus Portugal (Estremadura, Algarve, Alentejo), doch bald erschienen auch "Exoten", zu denen Bretonen und Flamen zählten. Da sie untereinander kaum Kontakte pflegten - es gab u.a. keine Straßen -, fand in der neuen Isolation über viele Jahre ein Pflegen der mitgebrachten Sitten und Bräuche statt.

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Tracht auf den Azoren

Ende des 16. Jh. büßte Portugal seine Stellung als Weltmacht ein und wurde sogar für 60 Jahre ein Teil Spaniens. Da wurden die Brüder und Schwestern auf den Azoren glatt vergessen. Die lebten in bitterer Armut und orientierten sich immer mehr in westliche Richtung. So wanderten immer mehr von ihnen in die USA und nach Brasilien aus, um der vorprogrammierten Not zu entgehen. Dem Mutterland gegenüber wurden sie immer fremder und gleichgültiger. Da wundert es nicht, dass sich mit den Jahren eine Abneigung der Azorianer gegenüber ihrer Festlandgenossen entwickelte, die auch wir wiederholte Male merken konnten. Bis in unsere Tage gibt es viele Azorianer, die schon n-Mal in den USA oder Brasilien waren, jedoch noch nie in Lissabon :mrgreen:

Besonders mit der Entwicklung der Walfangflotten an der Ostküste der USA heuerten viele Azorianer dort an und blieben irgendwann auch dort. Da sollte es nicht wundern, wenn es Orte an dieser Küste gibt, deren Bevölkerung zu großen Teilen von den Azoren stammen. Ein typisches Beispiel dafür ist Fall River, wo sich jedes Jahr etwa 100.000 (!!!) Nachkommen des Inselvolkes treffen. Sogar auf Hawaii sollen etwa 250.000 dieser Nachkommen leben - in den ganzen USA beziffert sich deren Größe auf über eine Million! Wenn man bedenkt, dass die heutige Einwohnerzahl der Azoren sich auf ca. ein Viertel Million beläuft, spricht dies Bände! An den Flughäfen von Sao Miguel oder Santa Maria haben wir oft Flüge nach New York, Boston, Toronto oder Los Angeles lesen können. Dazwischen waren dann auch welche nach Lisboa oder Porto...

Nach dem Beitritt Portugals zur EU (1986) wurde den Azoren ganz kräftig geholfen. Es entstanden moderne Verkehrsstraßen, alle Inseln erhielten einen Flughafen, Lebensmittel wurden subventioniert, u.v.a.m., sodass die Infrastruktur innerhalb weniger Jahre viel stärker umgekrempelt wurde, als in den letzten 200 Jahren!

Darauf kamen sehr viele Exilazoriener zu ihren Urspüngen zurück und brachten sogar Arbeitskräfte mit! So wurde aus der Auswanderung eine Einwanderung! Seitens der EU wurde auch versucht verschiedene Investoren mit Sonderkonditionen anzulocken, doch dies war leider nur zu sehr kleinen Teilen von Erfolg gekrönt. Als Folge liegen die Inseln immer noch am Tropf der EU. Jemand z.B. hat mal ausgerechnet, dass es viel billiger sei die Bewohner von Corvo auf Lebenszeit in ein Luxushotel von Lissabon einzuquartieren, als ihnen das Tägliche zukommen zu lassen :!:

Der Tourismus hat sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt, ohne jedoch ein auch nur teilweises Ausmaß von dem zu erlangen, was Madeira hat. Hier fehlen einfach Tradition und Infrastruktur, ein Begriff, der in diesem Fall sehr weit greift. Besonders in Ponta Delgada wurde viel getan, um die Anzahl der Reisenden zu erhöhen, irgendwie verständlich, doch haben wir im Laufe der Jahre merken müssen, dass eigentlich zu viel getan wurde! Was z.B. hat ein fast Wolkenkratzer in einer Stadt verloren, die noch vor einigen Jahrzehnten unter 10.00 Einwohner hatte und dazu noch irgendwo im Nirgendwo liegt??? :mrgreen: Da ist es nur gut, dass man sich nach dem Ausrufen der Autonomie auf keine Hauptstadt einigen konnte, sodass die Inselgruppe eigentlich drei Hauptstädte hat, die da wären Ponta Delgada, Angra do Heroismo und Horta. Sie sind auch die Zentralorte der Verwaltungsbezirke - wird noch erklärt.

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Ponta Delgada ist eigentlich zur Hauptstadt prädestiniert: auf der Hauptinsel, die größte Bevölkerungszahl, aber...

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Das Monstrum von Ponta Delgada (im Hintergrund!)

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Horta

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Angra do Heroismo

Wenn man irgendwo außerhalb der drei oben erwähnten Ortschaften als Tourist unterwegs ist und nicht weiter kann, wäre jeder Einheimische - vielleicht gibt`s ja auch hier Ausnahmen... - bereit ein Stück des Weges mitzugehen, um auch sicher zu sein, dass der Gast sein Ziel erreicht! Vielleicht merken diejenigen, die auch meine anderen Berichte gelesen haben, dass ich mich diesbezüglich - wenn auch mit einer anderen Formulierung - wiederhole, aber ich kann einfach nicht anders, denn so viel Gastfreundschaft ist Unsereiner derart nicht gewöhnt. Die Gründe müssten bekannt sein... :evil:

Abschließend noch einige Zeilen bezüglich der azorianischen Kultur: Schon während unseres ersten Aufenthaltes ist uns aufgefallen, dass Traditionen in dieser abgelegenen Welt - bestimmt gezwungenerweise - sehr aktuell sind. Auf Faial durften wir einem Festzug beiwohnen, der die Bewohner der Zentralazoren für eine Woche nach Horta (Faial) in Atem hielt. Gezeigt wurde eigentlich ALLES, was diese Menschen zu bieten hatten: Feldfrüchte, Haustiere, Trachten, Meeresbeute, Tänze, einheimische Getränke...

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Das Erntedankfest

Eines Tages gelangten wir in ein Zelt, in dem an einem Tisch noch zwei freie Plätze waren. Durch Gesten wurden wir eingeladen, durch Gesten bewirtet und am Ende der Orgie wurde uns auch durch Gesten klar gemacht, dass es eine Beleidígung sei an der Zahlung teilzunehmen! Nur gut, dass meine Frau da ziemlich einfallsreich war und den Kindern was hinterlassen hat. So sind sie nun mal, unsere Azorianer.

Diese vom Schicksal über viele Jahrhunderte geplagten Menschen sind sehr fromm, wahrscheinlich auch ein Ergebnis ihres Loses. Obwohl wir keinen Zeremonien mit religiösem Charakter beiwohnen konnten, möchte ich dies trotzdem erwähnen, denn diejenigen, die sie erlebt haben, äußern sich in den höchsten Tönen darüber.

Auf Terceira soll jedes Jahr ein Stierkampf stattfinden, der jedoch keine Arena nötig hat, denn die Bullen werden einfach in den Straßen losgelassen und zwingen so manchen "Athleten" zu Kunstsprüngen. Es wird erzählt, dass bei den Angriffen der Spanier auf die damalige Exilhauptstadt Portugals Angra auf Terceira von den Einheimischen sogar Stiere gegen diese eingesetzt wurden. Ich gehe mal davon aus, dass die Portugiesen damals vergessen hatten, dass auch die anderen Bewohner der Iberischen Halbinsel auf diesem Gebiet ziemlich bewandert waren. :wink:

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Stierkampf auf Terceira

Es ist nie von Nachteil, wenn man sich vor dem Antritt einer Reise auch mit der Mentalität der dortigen Bevölkerung auseinandersetzt. Man kann daraus nur gewinnen - am meisten deren Herzen!

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 12 Nov 2017 23:29

Sao Miguel

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Sao Miguel: Karte

Stadtbummel

Als unsere erste Landung auf der Hauptinsel der Azoren erfolgen sollte, schien etwas nicht in Ordnung zu sein. Vom Gefühl her wankte der große Flugkörper in beide Richtungen, was bestimmt nicht mit dem Ausfall eines seiner Triebwerke zu tun hatte. Die Vernunft sagte mir, dass hier äußere Kräfte in Form von überdurchschnittlichen Luftbewegungen am Werk waren. Kurz darauf wurde von neuem an Höhe gewonnen, ein Vorgang, den ich in dieser Form noch nie erlebt hatte. Bauchkitzeln, aber auch erhöhte Konzentration - damit umschreibe ich das Angstgefühl - machte sich extrem bemerkbar.
Jeder glotzte den Anderen an, aber keinem entwich auch nur eine Silbe - nichtmal meiner Frau... :lol:

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Ungefähr da fingen die Luftturbulenzen an

Nach ein paar Minuten setzten die riesigen Räder auf der Piste auf, wonach die Luftreise ihr Ende fand. Wir waren in einen Wirbel hineingeraten, der für die Azoren nichts Ungewöhnliches darstellte, was man allerdings vorher hätte wissen müssen! Dies sollte mir für die Zukunft eine Lehre sein, denn ich war zu der Zeit noch von der Existenz des Azorenhochs ausgegangen, das ja immer - blöde Annahme - gutes Wetter vorhersagt. Nachher wusste ich es besser: In diesen Breiten steigen die vom Äquator nach Norden strömenden Luftmassen dank der Coriolis-Kraft ab, was zu Turbulenzen führen kann. :oops:
Nach dem Beenden der Formalitäten fuhr uns ein sympathischer Fahrer zur Unterkunft, die wir nach wenigen Minuten erreichten. Na ja, schließlich waren wir ja auf einer Insel...

Laut Fachliteratur handelte es sich um die bei Weitem größte und wichtigste Insel der Azoren. Mit ca. 750 Km2 , einer Länge von 64 Km sowie einer Breite von 16 Km war sie schon...groß, mittel, klein??? Im Vergleich zu Grönland war sie ein Liliputaner, zu Madagaskar auch, zu Sylt groß und zur Fraueninsel im Chiemsee riesig. Ob dies nun auch so wichtig war...? Vielleicht eine professionelle Krankheit... :oops:

Der erste Morgen im/auf dem Atlantik war herrlich! Wir schritten nach dem Frühstück in Richtung Zentrum, vorbei an einer Wehranlage und landeten in einem Park, in dessen Mitte sich ein uralter Feigenbaum mit herabhängenden Wurzeln befand und den Eindruck vermittelte, als hätte er einen Bart. Seinesgleichen führte auch zur Namengebung einer Insel der Kleinen Antillen, deren Name mir jetzt entfällt...

Es folgte ein Bummel entlang des Hafens, wobei immer wieder ein Hochturm in Erscheinung trat, der mit dem Stadtbild bestimmt keine Symbiose herstellen konnte. Man wundert sich ja nicht selten über die etwas geschmacklosen Einfälle der Architekten, doch in diesem Fall schien mir das Ganze schon extrem. :x
Nach nur einer Querstraße befanden wir uns schon in der Altstadt. Enge Gassen mit fast rechteckigen Durchquerungen bildeten ein kleines Labyrinth, das jedoch überschaubar war.
Man sah sich um, folgte dem Stadtplan und landete dann in einem botanischen Garten. Irgendeiner...

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Riese im Botanischen Garten

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Gründurchflutete Allee

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Ohne Kommentar...

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Nachdenklich...

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Im Park

Auf dem Rückweg ging es noch durch einen recht schmucken Park, bis man wieder nahe der Uferpromenade landete. So war dieses von mir ironisch betitelte Punta Arenas konzipiert. Einfach hässlich! :(

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 14 Nov 2017 07:45

Furnas

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Furnas und Umgebung

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Panorama vom Furnastal

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Furnas

Etwa 50 Km östlich von Ponta Delgada trifft man auf ein Tal, das malerisch zwischen Berkuppen gelegen ist, umrahmt von dichten Wäldern. Dank seiner außerordentlichen Lage, wurde es schon kurz nach der Ankunft der ersten Siedler urbar gemacht, denn es besitzt sehr fruchtbaren Boden und dazu noch heiße Quellen, die bis heute bis weit über die Grenzen von Sao Miguel bekannt sind. Die Reichen und Schönen der Insel gönnten sich hier in aller Zurückgezogenheit ein mondänes Leben, denn der Hauptort Furnas wurde schnell zu einem Kurort.
Im 18. Jh. legte der Nordamerikaner Th. Hickling wundervolle Parks und Gärten an, sodass Furnas sogar für Festlandeuropäer und Amerikaner zu einer der geheimen Adressen wurde. Diesen Reiz hat der Ort bis heute nicht verloren, obwohl es auch hier ein mehrfaches Auf und Ab gab.

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Teil des Parks Terra Nostra

Schon beim Ortseingang erwartet den Gast ein strenger Schwefelgeruch, der von den zahlreichen Fumarolen stammt, von denen einige sogar kleine Geisiere sind. Mark Twain soll diesbezüglich mal behauptet haben; "Der Schwefelgeruch sollte für jeden Sünder ertragbar sein." Zu denen zählte ich mich auch... :wink: Die Einheimischen kochen hier so manches. Als wir das erste Mal hier ankamen, machte uns der Fahrer auf zwei Säcke aufmerksam, in denen sich Maiskolben befanden. Diese wurden einfach zugebunden und ins brodelnde Wasser hineingelassen. Als wir dann von der Umrundung des Sees zurück kamen, durften wir die inzwischen gekochten Maiskolben als tatsächliche Leckerei genießen, denn durch die Mineralien und den Schwefel hatten sie einen besonders aromatischen Geschmack erhalten. Leider wurden sie für uns etwas teuer, denn der Verkäufer vergaß einfach das Restgeld herauzurücken. Als wir unseren einheimischen Begleiter darauf aufmerksam machten, klopfte der mir nur verständnisvoll auf die Schuler und meinte, der sei eben auch nicht mehr der Jüngste... Danach merkten wir, dass sich die Beiden recht gut kannten, denn während wir schmausten, blödelten sie miteinander herum. "Macht nix", dachte ich, "dann kriegst du eben kein Trinkgeld." Gedacht getan... Der gute Mann wusste nicht, dass ich während meiner Studentenzeit selbst Reiseleiter war und derartige Tricks kannte... :wink:

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Fumarole

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Loch für den Cositotopf

Weit berühmter ist jedoch ein einheimisches Gericht, das unter dem Begriff Cozido bekannt ist. Hierbei handelt es sich um einen Eintopf, der aus Rind- und Schweinefleisch, Huhn, Würstchen, Kartoffeln, Yams und Kraut besteht. Der Topf wird in ein Loch hineingelegt, die Öffnung mit Erde abgedichtet und nach 6-7 Stunden herausgeholt. Der Geschmack ist einfach hervorragend, doch rate ich ab, Cozido zu oft zu verzehren, denn der ist eine Kalorienbombe! Wenn man ihn zu Mittag isst, braucht man danach kein Abendbrot mehr!

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So sieht der Cosito aus

Die Seeumrundung dauert etwa zwei Stunden. Auf dem dafür angelegten Pfad trifft man kaum Gegenverkehr oder Überholungen, kann also die Natur in vollen Zügen genießen!

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Der Kratersee

Eines der wirklich sehens- und erlebniswerten Ziele in Furnas ist der Garten/Park Terra Nostra :bounce: . Neben den zahlreichen exotischen Pflanzen, die aus vielen Regionen der Welt stammen, gibt es auch eine Bademöglichkeit in einem Naturbecken, in dem das Wasser konstante 30 Grad Celsius aufweist. Kleiner Nachteil: der Schwefelgeruch ist hier auch für einen größeren Sünder ziemlich problematisch, doch nach dem vorigen Eintrichtern von zwei Gläsern Wein geht`s dann doch...

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Terra Nostra

Hat man`s nicht schon vor der Einfahrt in diesen stillen Kurort getan, sollte unbedingt danach eine Fotopause auf dem Miradouro do Pico do Ferro eingeschaltet werden, denn von hier aus eröffnet sich ein einmaliger Blick auf das ganze Furnastal.

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Adeus Furnas

Auch für Wanderer ist Furnas ein beliebtes Reiseziel, denn von hier aus gibt es einige gut markierte Weg in alle Richtungen.

Fazit: Wer für mehrere Tage auf Sao Miguel verweilt, sollte unbedingt einen Abstecher nach Furnas wagen, denn er lohnt sich auf jeden Fall!

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 14 Nov 2017 08:45

Fortsetzung

Als Anhang noch einige Bilder dieser malerischen Landschaft

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Der See aus nächster Nähe

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Es fängt an zu schwefeln...

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Bei Unwetter kann der See aufbrausend werden...

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Fast schlammige Brühe, doch sie soll heilende Wirkung für Leib und Seele haben...

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...oder sogar für den Bart! (meinen einige...)

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Stilles Terra Nostra

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Romantisches Terra Nostra

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Verträumtes Terra Nostra

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Zum Abschied noch `ne kleine Kostprobe...

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 14 Nov 2017 16:48

Aufbruch in den Osten

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Tagesroute

Schon beim ersten Besuch der Azoren wollten wir unbedingt auch den weniger bekannten Teil der Hauptinsel besichtigen, doch es kam - wie auch noch zwei Male - anders. Schließlich gelang der Durchbruch anlässlich des vierten Aufenthaltes und es hat sich mehr als gelohnt :!:

Der Osten von Sao Miguel ist bis heute sehr dünn besiedelt. Dies liegt an den über viele Jahrhunderte kaum existierenden Verbindungen zum Hauptort und dem viel besser entwickelten Süden und Westen. Als z.B. 1949 ein Flugzeug in den Bergen dieser Region abstürzte, in dem sich auch der damalige Boxweltmeister Marcel Cerdan befand, ließen die Einheimischen alles mitgehen, was möglich war, worauf sie in der Presse als barfüßige Piraten betitelt wurden, in Anspielung an die Tatsache, dass hier zu dem Zeitpunkt kaum jemand Schuhwerk trug. Übrigens: Die Geliebte des Toten war eine gewisse Edith Piaf, die ihm das Lied "Hymne a l`Amour" widmete.
Dies hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert: Eine hochmoderne Straße verbindet Ribeira Grande mit Nordeste, dazu wurden zahlreiche Neubauten errichtet, Brücken gebaut, Picknickplätze und etliche Aussichtspunkte (port. miradouros) errichtet. Heute verkehren auch zahlreiche Busse in Richtung Westen und Süden, sodass sogar reichere Bevölkerungsschichten sich in diesem Teil Ferienhäuser bauen.

Der erste Abstecher erfolgte bei der größten Teefabrik Europas - von denen gibt es inzwischen drei -, der von Cha Gorreana. Vor 1945 gab es davon über 60, doch in der Zeit danach sank die Nachfrage auf dem Kontinent, sodass nur noch diese übrig blieb.
Wenn man die Anlage besucht, hat man den Eindruck, als wäre man irgendwo in England des 18. Jh.! Die Maschinen sind über 150 Jahre alt, doch denkt niemand daransie durch neuere zu ersetzen; schließlich laufen sie ja noch... :D Der dort produzierte soll dank der Nähe zum Ozean ein besonderes Aroma haben.

Auf der nun folgenden Straße gab es kaum Gegenverkehr. Nur ab und zu musste des Vehikel seine Geschwindigkeit drosseln, weil auch Kuhherden in den Genuss des Verkehrsweges kommen wollten und ihn für sich in Anspruch nahmen. :lol:

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Kühe säumen den Weg...

Bei Salga erreichten wir den Miradouro do Salto da Farinha, von dem aus die Steilküste des Nordens zu bewundern war.

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Steilküste westlich des miradouro

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Steilküste östlich des miradouro

Nun dauerte es nur noch einige Kilometer, bis ein sehr hübsch hergerichteter Picknickplatz bei Achada zum Vorschein kam.

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Wasserfall dicht neben dem Picknickplatz

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Anziehende Hortensien...

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Picknickschmuck

Nach einer kleinen Stärkung wurde der Weg nach Osten fortgesetzt, aber nur noch ca. zehn Kilometer, wonach er nach Süden abbog. Wir hatten das Verwaltungszentrum dieses Gebietes erreicht, Nordeste. Man merkte gleich, dass sich die EU auch hier viel Mühe gemacht hatte, den das kleine Zentrum, umgeben von einem Krankenhaus, der Polizeistation, dem Gericht und noch ein paar anderer Bauten schien so neu - natürlich samt aller Gebäude -, dass der Eindruck entstand, alles wäre in den letzten zwei Jahren entstanden. Für eine "Metropole", die etwa 1.400 Einwohner zählt, schon `ne ganze Menge. Dazu herrschte auch eine Sauberkeit vor, wie in Deutschland vor etwa dreißig Jahren... :o :(

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Blick auf die Ostküste von Sao Miguel

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Stadtzentrum von Nordeste

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Blick von der Brücke auf das einzige ältere Gebäude, das wir zu Gesicht bekamen

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 14 Nov 2017 17:49

Fortsetzung

Nach dem Verlassen des Städtchens folgte der spektakulärste und gleichzeitig schönste Abschnitt der Tagestour! Die drei sich nun anreihenden miradouros boten Landschaften, die man in Worten kaum beschreiben kann!!! Deshalb überlasse ich die nun folgenden Bilder ohne Kommentar den Leser/-innen.

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Miradouro da Vista dos Barcos

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Miradouro da Ponta do Sossego

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s.o.

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Miradouro da Ponta da Madrugada

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Blick in Richtung Europa...

Ohne zu merken, verließen wir die malerische und noch fast unberührte Ostküste und begaben uns ins Landesinnere. Nicht für lange Zeit, denn nach nichtmal einer halben Stunde tauchte schon die Südküste auf.

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Auf dem Weg nach Süden

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Südküste bei Povoacao

Das Städtchen Povoacao ist die älteste Ortschaft der Azoren! Hier fand anscheinend die Geschichte mit dem Ziegenbock statt. Im - auch hier sehr sauberen - Stadtzentrum wurde ein Denkmal errichtet, das natürlich dieses Ereignis huldigt. Ansonsten hat der Ort nicht viel zu bieten. Es gibt einen kleinen Zoo sowie eine Uferpromenade, an der man spazieren gehen und sich so seine Gedanken über ... machen kann.

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Das Denkmal von Povoacao, wo die ersten Azorianer ankamen

Da es schon etwas spät war, legte der Fahrer ein etwas anderes Tempo ein, sodass wir noch vor Einbruch der Dunkeheit am Ausgangspunkt waren.

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Eingestürzter Vulkankegel im Süden von Sao Miguel

Fazit: Die bestimmt anstrengenste Tour auf den Azoren, doch jedem weiter zu empfehlen, denn man macht Bekanntschaft mit Gebieten, die sogar den meisten Azorianern unbekannt sind!

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 15 Nov 2017 06:25

Der Vulkanapparat Sete Cidades

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Lage auf Sao Miguel

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Der Vulkanapparat als Skizze

Als die ersten Siedler im 15. Jh. hier ankamen, soll es in diesem Gebiet einen Vulkankegel gegeben haben, der etwa 1.200 m hoch war und - wie einige damalige Seefahrer berichteten - als Orientierungspunkt diente. Kurz vor der Mitte dieser Zeitspanne kam es dann zu einer mächtigen Explosion, die das Äußere des Vulkans einfach wegsprengte und samt Vegetation im Meer verschwinden ließ. Wie müssen sich die zu der Zeit dort befindlichen Menschen wohl gefühlt haben, die beim Roden der Wälder tätig waren...??? :roll:
An der Stelle des Kegels entstand eine der größten Calderas der Erde, die ihrerseits aus kleineren Kratern besteht. Ein Blick auf die Skizze verdeutlicht die Komplexität dieses Vulkans.

Umgeben von z.T. sehr steilen Hängen, denen ich fast zum Opfer gefallen wäre... :shock: befinden sich in der Caldera auf verschiedenen Stufen vier Kraterseen - die anderen zwei sind inzwischen ausgetrocknet -, deren Einrahmen in die Umgebung ein Panorama ergeben, das mich von allen je gesehen Landschaften am meisten beeindruckt hat!!!

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Lagoa Santiago. Im Hintergrund Lagoa Azul, Sete Cidades, links Lagoa Rasa

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Lagoa Santiago

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Lagoa Verde und Lagoa Azul. Links unten der Ort Sete Citades

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Sete Citatdes

Übersetzt heißen die beiden Hauptseen der Caldera Grüner und Blauer See. Der Legende nach sollen sich an dem Platz, an dem heute die Brücke steht, die die beiden Gewässer voneinander trennt, vor vielen Jahren eine Prinzessin und ein Hirtenjunge heimlich getroffen haben. Als der König dies nicht mehr erlaubte, trafen sich die beiden ein letztes Mal an ihrem angestammten Platz, wobei sie blaue und er grüne Tränen vergoss.
Eine etwas plausiblere :wink: Erklärung scheint die zu sein, dass sich im Wasser des Grünen Sees das Grün der Wälder widerspiegelt, während beim Blauen See, der auch viel tiefer ist, sich das Blaue durchsetzt.

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Die Brücke, die die beiden Hauptseen voneinander trennt

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Calderapanorama nach Osten

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Blick zum Lagoa Rasa

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Letzter Blick auf die Caldera auf dem Weg nach Faial

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 15 Nov 2017 09:30

Fortsetzung

Ein großes Problem stellte für die Bewohner von Sete Citades über viele Jahre die Gefahr von Überschwemmungen dar, denn die Caldera hat keinen natürlichen Abfluss. Erst in den Achtziger Jahren wurde ein Tunnel durch den Berg gestochen, der dem überflüssigen Wasser erlaubte nach Westen - Richtung Mosteiros - abzufließen. Dieser Weg wurde eine Zeit lang auch von den Einheimischen genutzt, wenn sie aus ihrer Eingeschlossenheit "ans Tageslicht" krabbeln, sprich, in Mosteiros einkaufen wollten. Inzwischen gibt es gut ausgebaute Straßen, sodass sich in diesem Bau nur noch einige waghalsige Touristen verlieren, die dann nicht selten einheimische Jugendliche aufstöbern, die dort ihren Gefühlen freien Lauf geben :D Man erzählt sich sogar, dass nach dem Bau der Straße über den Kraterrand die Einwohnerzahl von Sete Citades sprunghaft angestiegen sei! Ein Schelm, wer da das denkt, das ich denke... :wink:

Als wir das letzte Mal in diesem Kessel waren, mussten wir leider feststellen, dass große Teile der Wälder innerhalb weniger Jahre einfach abgeholzt und der Rohstoff ins Reich der Mitte abtransportiert wurde. Ein Blick auf das Bild mit dem Lagoa Santiago verdeutlicht dies. Damit sägen sich die Einheimischen selber den besten Ast ab, der ihnen zur Verfügung steht, denn diese Hänge werden nur durch die Bäume zusammengehalten. Ihr Verschwinden führt nicht nur zu Erosion, sondern auch zu Erdrutschen, was die ganze Landschaft verschandelt und die Haupteinnahmequelle - die Touristen - vertreibt :cry:

Abschließend noch ein Tipp für diejenigen, die die Azoren besuchen möchten: Die gewaltige Caldera ist ein Kessel, der sehr oft von Wolken oder sonstigem Nebel heimgesucht wird. In solch einem Fall ist die Sicht total versperrt. Dies ist uns beim ersten Mal passiert: Da ich von dieser Naturschönheit wusste, wollte ich meine Frau überraschen und habe ihr davon nichts erzählt. Als wir am Hauptaussichtspunkt Vista do Rei ankamen, schüttete es wie aus Eimern. Die Sicht beschränkte sich auf wenige Meter, also war die Verzweiflung in mir riesig. Glücklicherweise hatten wir noch einige Tage auf Sao Miguel zu verbringen, sodass es uns dann das zweite Mal gelang dieses einmalige Panorama zu bewundern.
Wenn es also das erste Mal nicht klappt, es unbedingt mindestens noch einmal zu versuchen, denn wer auf den Azoren war und diese Herrlichkeit nicht gesehen hat, der hat bestimmt das Schönste des Archipels verpasst. Wie aus den Bildern hervorgeht, war die Sicht auch das zweite Mal nicht immer die beste, aber immerhin.

Es gibt noch eine Möglichkeit: Einfach in die Caldera hineinfahren, sich dort - in Sete Citades - in eine Kneipe begeben und abwarten, denn auf den Azoren gibt es folgende Redewendung: Wenn dir das momentane Wetter nicht passt, so warte eine halbe Stunde ab...

Zu guter Letzt noch einige Bilder einfach zum Genießen - ohne Untertitel:

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 16 Nov 2017 07:10

Faial

Allgemeiner Überblick

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Faial: Karte

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Faial: Touristische Karte

Faial ist die westlichste Insel der Zentralen Azoren, zu denen noch Sao Jorge, Pico, Terceira und Graciosa gehören. Mit einer Fläche von ca. 170 km2 liegt es auf dem fünften Platz innerhalb der Azoren. Es ist 21 Km lang und 14 Km breit.

Das 1427 entdeckte Eiland wurde kurz danach von Flamen besiedelt, auf deren Anführer Josse van Huerten auch der Name des Hauptortes Horta zurückgeht. Eine seiner Töchter heiratete Martin Behaim, der hier zehn Jahre seines Lebens verbrachte und dann nach Deutschland zurückkehrte, wo er den ältesten noch erhaltenen Globus anfertigte.

Die wachsende Bevölkerung erlitt einen tiefen Einschnitt 1672, als der Cabeco Gordo (1043 m) ausbrach und große Teile von Faial verwüstete. Darauf verließen viele Bewohner ihre neue Heimat und fuhren nach Brasilien. Eine ähnliche Ausreisewelle erfolgte auch nach dem Ausbruch des Capelinho im Westen der Insel. Diesmal dauerten die vulkanischen Aktivitäten fast ein Jahr und schenkten dem Festland neue 2,4 km2 Fläche. Das Ereignis wurde sogar als Kulisse für Trauungen verwendet, so makaber dies auch klingen mag.

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Wegen ihm - Cabeco Gordo - mussten nach 1672 viele Bewohner Faial in Richtung Brasilien verlassen

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Innerhalb einiger Monate 2,4 km2 neues Land. Der Capelinho

1857 wurde die Walfanggesellschaft gegründet, was Faial in den Mittelpunkt der Azoren rückte. Die Bedeutung der relativ kleinen Insel wuchs noch mehr, als Ende des 19.-Anfang des 20.Jh. Unterseekabel nach Lissabon, Borkum, die Kapverden, New York und Neuschottland verlegt wurden. Hier landeten auch die ersten transatlantischen Wasserflugzeuge.

1976 entstand die Universität von Horta und nach der Erklärung der Autonomie der Azoren verlegte das Parlament her seinen Sitz.

Heute ist Horta Treffpunkt der Segler, die sich in Peter`s Cafe treffen und sich am Kai verewigen können.

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Auf dem Flug nach Faial (Pico)

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Hier darf sich jeder Segler verewigen

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Peter`s Cafe. Der Name reicht in der ganzen Welt, wenn man her eine Karte schicken möchte

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 16 Nov 2017 09:42

Monte da Guia

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Stadtplan von Horta. Links der Monte da Guia

Der Monte da Guia ist eigentlich der Kegel eines erloschenen Vulkans, der nach einem Ausbruch zu großen Teilen zerstört wurde und Teile davon ins Meer versanken. Er ist 145 m ü. NN. hoch und hat einen Doppelkrater, der dem Wasser zu geöffnet ist. Wegen dieser etwas seltsamen Form dachte man früher, es sei ein Tor zur Hölle, also taufte man diese Stelle als Caldeira do Inferno.

Von Horta aus ist die Anhöhe leicht zu erreichen. Man kann entweder - wie wir - den Weg hinter den Lagerhallen des Hafens einschlagen - weniger abschüssig - oder man nimmt die Abkürzung über Porto Prim.

Oben befindet sich eine kleine Kirche, doch viel wichtiger ist die Aussicht. Man erhält einen wunderschönen Blick über den Strand von Porto Prim, Horta, den Pico und sogar bis nach Sao Jorge. Der miradouro ist auch mit dem PKW zu erreichen.

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Monte da Guia von Norden aus gesehen

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Der Strand von Porto Prim vom Monte da Guia aus gesehen

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Horta vom Monte da Guia aus gesehen

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Caldeira do Inferno

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Der Monte da Guia hinter dem Hafen

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 17 Nov 2017 08:38

Rund um die Insel

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Tagesroute

Wenn man Horta in Richtung Westen verlässt, eröffnet sich als Erstes ein wilder Blick auf die basaltische Steilküste. Dann erscheint der kleine Flughafen, von dem aus allerdings einige non stopp Flüge nach Nordamerika und Europa stattfinden. Dazu diente er schon während des 2. Weltkrieges. Kurz danach kann man an einem Picknick Platz schön und ruhig grillen. Das Holz steht unentgeltlich zur freien Verfügung.
Nach weiteren sechs Kilometern hat man schon die westlichste Spitze erreicht, wo die Landschaft mehr der des Mondes gleicht :? , denn hier fand eine der längsten Eruptionen in der Geschichte der Azoren statt. Man hat den Capelinho vor Augen. Seinem Ausbruch gingen über 200 Erdbeben voraus, sodass die Bevölkerung einigermaßen vorbereitet war. Die verheerenden Folgen bewegten sogar den damaligen US-Präsidenten J.F. Kennedy dermaßen, dass er besondere Bedingungen für die Aufnahme der Bewohner Faials in die Wege leitete :shock: .
Der Ausgangspunkt befand sich etwa 1 Km westlich der Insel. Im Laufe seiner Aktivitäten wurde nicht nur neues Land erschaffen, die Küste hob sich an und dieser Teil erhielt Staubablagerungen von einigen Metern. Sie erscheinen rötlich, grau bis hin zu schwarz. Interessant, dass sich darauf auch nach 60 Jahren kaum Vegetation gebildet hat, eine einmalige Situation weltweit. Nirgends in der von mir durchleuchteten Fachliteratur habe ich dazu eine Erklärung gefunden. Die Landschaft jedenfalls ist kahl und ausladend.

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Der ehemalige Leuchtturm. Darunter wurde eine Gedenkstätte errichtet, die den Ausbruch sehr gut dokumentiert.

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Erfolgsversprechende Küste

Die zweite Sehenswürdigkeit ist die Caldeira. Sie ist das Ergebnis mehrer Eruptionen, nach denen sich das Aussehen - und auch die Höhe - der "Anlage" stets änderte. Die jetzige Gestaltung datiert aus dem 17. Jh., als nach dem Ausbruch Teile des Kegels in sich zusammenbrachen. Dass die vulkanischen Aktivitäten damit kein Ende hatten, zeigt der kleine Kegel inmitten der Caldeira.

1957 setzte dieser Teil der Insel ganz Faial und sogar die Bewohner der Nachbarinseln in Angst und Schrecken, denn aus dem Krater entwichen immer größer werdende Fumarolen. Glücklicherweise hat danach der innere Druck nachgelassen, sodass diese Zeichen des Bösen verschwanden.
Will man die Caldeira bewundern, muss man einen Tunnel passieren. Dann erst öffnet sich der Blick zum ehemaligen - vielleicht auch zukünftigen... :( Inferno.
Man kann die Caldeira - dauert etwa eine Stunde - auch per pedes umrunden, aber aufgepasst: Der Weg ist nicht gesichert, sodass dieser Trip nur erfolgen soll, wenn die Sicht klar ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man der Hölle auf dem direktesten Weg :wink: näher kommt.

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Tunnel zur Caldeira

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Verschönerter Blick zum Inferno. Hinten im Krater kann man einen zweiten Kegel erkennen

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"Ziemlich" abrupter Kraterrand

Von dort hat man - wenn`s Wetter erlaubt - einen pitoresken Blick nach Osten zum höchsten Vulkan Portugals, dem Pico. :bounce:

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Verstohlener Blick zum Pico

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Panorama der Nordküste

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Panorama nach SO
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Blick nach Horta vom Miradouro do Almoxarife

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 18 Nov 2017 07:06

Sao Jorge

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Tagestour

Von seiner geogafischen Lage aus gesehen, müsste Sao Jorge eigentlich das Zentrum der Mittleren Azoren sein, doch weit gefehlt. Obwohl es zwischen den anderen vier Inseln liegt - im N Graciosa, im NO Terceira, im S Pico und im SW Faial -, gehört es - zusammen mit Graciosa - zu den am wenigsten entwickelten und besuchten Eilande dieser Inselgruppe. Schuld daran sind Relief und Abgeschiedenheit bezüglich der Schiffsrouten. :(

Mit seinen knapp 250 km2 gehört es schon zu den größeren Inseln des Archipels, doch die Einwohnerzahl spricht Bände: knappe 10.000. Hauptgrund dieser schwachen Besiedlung ist seine Beschaffenheit: Dieses Festland bildete sich in einer tektonischen Spalte und ist nichts anders als eine Anreihung mehrerer Vulkane, die ihr entwichen sind und durch ihre Kegel vereinigt wurden. Dies zeigt auch die Form: 56 km lang, aber nur höchstens 8 km breit. Dazu kommt noch, dass das Land direkt aus dem Meer mit hohen Felsklippen aufsteigt und kaum Ankermöglichkeiten besitzt. Im Laufe der Jahre kam es durch äußere Einflüsse, aber auch dank erneuten Vulkanausbrüchen, zum Loslösen von Felsformationen, die dann ins Meer stürzten. An diesen Stellen bildeten sich anschließend flachere Stellen, die für die Ankömmlinge dankend als ihr neues Zuhause angenommen wurden. Es sind die Fajas, die es zwar auch auf anderen Inseln gibt, hier jedoch in sehr großer Anzahl vorkommen und der Insel diesen einzigartigen Charakter verliehen haben. Sao Jorge ohne Fajas wäre so absurd, wie ein Bayer ohne Lederhose... :lol:

Das Eiland wurde am 23. April 1450 entdeckt - daher der Name - und von Flamen besiedelt. Da sich die Fajas sowohl an der Nord-, als auch der Südküste befinden und lange Zeit nur per Seeweg zu erreichen waren, pflegten deren Bewohner nur Kontakte mit denjenigen von den Inseln, die in ihrer Nähe waren, nicht aber untereinander! So z.B. werden auch heute noch zu Festen der Fajabewohner an der Nordküste nur Gäste von Graciosa und Terceira eingeladen, an der Südküste von Pico und Faial, aber keine von der anderen Seite der Insel. :o
Diese Kuriosität ist damit zu erklären, dass es bis in neuere Zeit - eigentlich bis zur EU-Ära - keine Landverbindungen innerhalb der Insel gab. Inzwischen ist das Straßennetz ganz gut ausgebaut, also kann auch der Fajabewohner von der Nordküste seine Hauptstadt Velas kennen lernen... Dieser Ort ist übrigens ziemlich überschaubar, mit seinen ca. 2.000 Einwohnern kein Wunder. Außer dem kleinen Hafen, einem für dortige Verhältnisse überdimensionalen Einkaufszentrum und zwei Kirchen ist da nicht nicht viel los, abgesehen von den Hunden, die bei der Ankunft eine Art Empfangskomitee bilden... :wink:

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Velas sieht vom Meer her viel größer aus, als es tatsächlich ist

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Nach NO wird es von einer Steilküste abgeschirmt

Nachdem wir uns nach der Ankunft einen Taxifahrer geangelt hatten, begaben wir uns erstmals zur äußersten NO-Spitze. Da musste erstmals richtig durch zahlreiche Kurven aufs Plateau gekraxelt werden. Oben angelangt, ging`s dann gemütlicher zu.

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Beim Eintreffen am Ponta das Rosais, der Nadel im äußersten NO, hüllte sich die Landschaft in einen dichten Nebel. Wie schon erwähnt, sollte man auf den Azoren eine halbe Stunde warten, wenn einem das Wetter nicht passt, doch diesmal half`s nix, also zogen wir unverrichteter Dinge weiter. Als eine Art Ausgleich durften wir dann zum ersten Mal einen Panoramablick der NO-Küste erhaschen.

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Die Nordostküste

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Erster Blick auf die Fajas der Nordküste

Anschließend ging`s einen recht abschüssigen Weg hinunter zur Faja de Ribeira da Ariea. Hier verkehrten bis vor einigen Jahren nur Esel mit unterschiedlicher Anzahl von Beinen... :wink:

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Faja de Ribeira da Ariea

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Fajapanorama

Die Anzahl der Häuser in den Fajas ist unterschiedlich, aber meist sind es bloß einige. Trotzdem verfügen alle über eine eigene Kirche und haben in letzter Zeit auch einen eigenen Laden. Es gibt sogar welche mit Restaurant, was natürlich für Touristen gedacht ist. Früher beförderten die Bewohner mit Hilfe ihrer Grautiere Fische und Früchte aufs Plateau, wo sie diese gegen Getreide umtauschten. Die zweite Siedlung, die wir an der Nordküste zu Gesicht bekamen, war die Faja dos Cuberes, wo wir auch zu Mittag gegessen haben und das bestimmt nicht schlecht. Der Fisch war frisch und die Bedienung sehr nett.

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Faja dos Cuberes. Im Hintergrund Terceira

Mit neuen Kräften ging`s wieder aufs Plateau in Richtung Topo, dem südöstlichsten Punkt der Insel

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Auf dem Plareau nach Südosten

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 18 Nov 2017 13:51

Fortsetzung

Sao Jorge ist nicht nur auf den Azoren wegen seinem sehr guten Käse bekannt. Da wir dies wussten, baten wir den Fahrer an einer dafür zuständigen Adresse anzuhalten, was dann auch geschah. Zu Hause angelangt, haben wir lange Zeit davon profitiert.

Nach etwa einer weiteren Stunde langten wir an der südöstlichen Extremität von Sao Jorge an. Der kleine Ort Topo verriet bei genauerem Hinsehen, dass er mal die heimliche Hauptstadt der Insel war. Davon zeugten einige ältere Villen. Wir jedoch wandten uns dem nächsten Ziel zu, dem Leuchtturm. Von oben ergab sich ein weiter Blick zum Meer, aber auch in Richtung Nordküste. Nett zu sehen war auch die vorgelagerte Insel Ilheu do Topo, ein Paradies für viele Vogelarten, aber auch für Kühe, die in dafür gebauten Booten hin und her pendelten. Einfallsreich muss man halt sein :lol: Allerdings herrschte zu dem Zeitpunkt Dürre.

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Leuchtturm von Topo

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Ilheu do Topo

Auf dem Rückweg kamen wir am Pico de Esperanca (1.053 m) vorbei, der aber leider in Wolken verhüllt war

Der Pico de Esperanca

Auch die Südküste weist einige Fajas auf, die denen auf der Nordseite um nichts nachstehen. Einige sind sogar größer. Eine davon ist diejenige von Sao Juao.

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Faja Sao Juao

Ähnlich verhält es sich mit der Faja dos Vimes.

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Faja dos Vimes

Kurz danach führte uns die Hauptstraße an Calheta vorbei, der zweitgrößten Ortschaft des Eilands - 1.200 EW. Es soll viel schmucker sein als die Hauptstadt, doch aus Zeitmangel konnten wir nicht mehr hinunter fahren.

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Calheta

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Ein Teil von Calheta wurde auf dem Hang gebaut

Der letzte Aufenthalt wurde in Urzelina eingeschaltet, wo es einen ansehnlichen Naturstrand gibt.

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Badestrand bei Urzelina

Kurz vor Sonnenuntergang kam Velas von neuem in Sicht. Erschöpft, aber glücklich beendeten wir eine recht anstrengende Tagestour über eine stille, fast romantische Insel, die herrliche Fajas besitzt, aber auch wegen ihrer Wanderwege sehr gefragt ist.

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Velas in Sicht

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Re: Die Azoren

Beitragvon Inselhüpfer » 19 Nov 2017 10:15

Santa Maria

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Tagestour

Etwa 100 Km südöstlich von der Hauptinsel gelegen, ist Santa Maria die älteste der neun bewohnten Eilande der Azoren. Sie entstand viele Jahrmillionen füher - 14-16 - wodurch zu erklären ist, weshalb sich die häufigen Erdstöße und Eruptionen hier seit Jahrhunderten nicht mehr spürbar gemacht haben. So gesehen, ist sie bei Weitem die sicherste. Dazu gibt`s hier die meisten Sonnenstunden, aber auch die wenigsten Niederschläge. Schließlich gesellen sich auch noch die besten Böden dazu. Jedenfalls fällt es dem Besucher schwer, sie noch als vulkanische Insel zu bezeichnen, was sie aber trotzdem ist, nur eben mit einem anderen Aussehen.
Es gibt aber noch eine Eigenart: Während der Westen flach und monoton wirkt, birgt der Osten atemberaubende Landschaften. Einen so großen Unterschied zwischen Teilen von Inseln habe ich in der Form noch nirgends erlebt :!:

Hier sollen die ersten Siedler schon 1427 angekommen sein. Dies geschah laut Chronik am 15.08, also zu Mariä Himmelfahrt, was auch den Namen erklärt.
1493 soll Ch. Kolumbus auf einer Rückfahrt auf St. Maria an Land gegangen sein, um neuen Proviant zu holen und dabei für einige Tage "die Sonne im Quadrat" :lol: bewundert haben... Erst danach hätten sich die Einheimischen seiner erbarmt und ihn beliefert haben.

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Statue des Ch. Kolumbus in Anjos, wo er einige Tage "quadratisch" sah...

Im Laufe der Jahre waren die Einwohner ähnlichen Schicksalsschlägen ausgesetzt, wie die anderer Inseln des Archipels, was sich allerdings 1944 änderte, als die USA hier einen riesigen Flughafen bauten - als Zwischenstopp nach Europa und Afrika. Als diese dann in den Siebziger Jahren nicht mehr nötig waren, entfiel auch die Bedeutung der Insel. Die Einwohnerzahl halbierte sich innerhalb weniger Jahre.
In Zukunft soll der Insel international größere Bedeutung zukommen: Die ESA plant eine Kontrollstation für den Abschuss der Ariane-Raketen von Kouro (Franz. Guyana) sowie das Sammeln von Telemetriedaten für das Navigationssystem Galileo. Ob diese Vorhaben inzwischen umgesetzt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Unsere Erkundungstour begann im Hafen von Vila do Porto, dem Hauptort. Die Anlage wirkt eher bescheiden, genauso wie das Fort, das sich oberhalb davon erstreckt.

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Der Hafen von Vila do Porto

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Das kleine Fort oberhalb des Hafens

Das Inselinnere ist eine Welt für sich. Ab und zu tauchen Streusiedlungen auf, manchmal etwas geschlossenere Ortschaft, aber überall hat man den Eindruck, dass die Gegend menschleer sei, denn man sieht sie nicht!

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Irgendwo im Inselinneren

Im äußersten SO erschien ein kleiner, aber malerischer Ort, Maia. Dort trafen wir in einem Leuchtturm, der schon lange nicht mehr in Funktion war, auf eine ältere Dame - bestimmt über Achtzig -, die einfach dort wohnte. Sie erzählte uns ihre Geschichte, die alles andere als fröhlich klang.

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Leuchtturm bei Maia

Auf dem Weg nach Norden wurde ein schmucker Wallfahrtsort besichtigt.

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Wallfahrtsort

Endlich wurde das Wahrzeichen von St. Maria erreicht, die Bucht von Sao Laurenco mit dem an die Hänge geschmiedeten gleichnamigen Ort. Hier sollen im Sommer etwa 300 Menschen leben, im Winter jedoch nur eine handvoll. Es handelt sich um Ferienhäuser von Ex-Azorianern, die inzwischen an der Ost- oder Westküste der USA oder in Kanada und auf Hawaii leben.

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Das malerische Sao Laurenco, das auch viele Titelseiten von Büchern über die Azoren schmückt

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Zerklüftete Küste vor Sao Laurenco

Der letzte Aufenthalt fand am Fuße des Pico Alto (587 m), dem höchsten Berg der Insel, statt, von wo man ein weniger reizvolles Panorama vom Westen erhaschen konnte.

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Der karge Westen

In der Abendsonne stand dann der Flughafen vor uns. Die zubetonierte Fläche war immens, aber auf dem ganzen Areal befand sich keine einzige Maschine. Für den späten Abend und die kommende Nacht waren Flüge aus St. Petersburg, Bridgetown, Nairobi und Nassau... ausgeschildert, die nun mit den Azoren wirklich so viel am Hut hatten, wie ein Yanomami-Indianer mit dem Chefposten bei Siemens :D . Ein Rätsel...

Unser Flugzeug sollte 20.30 Uhr in Richtung Sao Miguel starten. Die Zeit näherte sich, wurde überschritten, doch weit und breit keine Flugmaschine. Seltsamerweise waren wir die Einzigen, die sich aufregten. Die anderen Passagiere, anscheinend lauter Einheimische, spielten Karten, tranken irgend etwas, während die Kinder in der Halle herumtobten und auf der Piste sich verschiedene Eidechsen tummelten... Auf meine Frage am Schalter, wann es denn losgehen würde, antwortete die nette Dame, das würden sie schon hinkriegen. Nach am gleichen Tag... :(
Tatsächlich landete gegen 21.45 Uhr eine Maschine von der Hauptinsel, die uns dann kurz vor Mitternacht ins neue Quarier brachte. Der auf uns am Flughafen wartende Taxifahrer zeigte auch keine Anfänge von Nervosität. Für diese Menschen bedeutete Stress gar nichts. So war ihr Alltag und basta. Im Nachhinein beneidet man sie irgendwie... :bounce:


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